Biber fördern Vielfalt: Naturschutzverband fordert neuen Schwung für Thüringens Auen
Der Naturschutzbund NABU Thüringen hat anlässlich des Internationalen Tages der biologischen Vielfalt am 22. Mai 2025 auf die bedeutende ökologische Rolle des Bibers hingewiesen. Der Verband fordert einen verbesserten Schutz von Auenlandschaften und betont die zentrale Funktion des Bibers im Erhalt der Artenvielfalt innerhalb Thüringens.
Der NABU Thüringen berichtet, dass der Biber nach seiner Ausrottung im Freistaat über einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren im Jahr 2007 dauerhaft zurückgekehrt sei. Seither breite sich das Tier kontinuierlich aus und entwickle sich zum Motor für mehr biologische Vielfalt. Die Organisation weist darauf hin, dass besonders verschiedene Insekten- und Fledermausarten, Amphibien, Reptilien, Fische sowie Vogelarten wie Schwarzstorch und Eisvogel von den Aktivitäten des Bibers profitierten. Dies gehe aus diversen wissenschaftlichen Studien hervor.
Die Projektkoordinatorin für bürgerschaftliches Engagement im Biberschutz, Claudia Chladek, hebt hervor, dass der Biber auch maßgeblich zum Hochwasserschutz beiträgt. Untersuchungen hätten belegt, dass durch Biberdämme Hochwasserereignisse deutlich abgeschwächt würden, da das Wasser länger in der Landschaft verbleibe und der Grundwasserspiegel aufgefüllt werde. Diese Faktoren seien angesichts zunehmender Trockenperioden nicht nur für die Biodiversität relevant, sondern wirkten sich auch positiv auf die Wasserversorgung, das regionale Klima und letztlich auf Lebensqualität, Wohlstand und Überleben der Bevölkerung aus.
Die neue Thüringer Landesregierung habe sich laut NABU im aktuellen Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, einen Aktionsplan für die Revitalisierung von Bach- und Flussauen umzusetzen. Geplant seien Maßnahmen für natürlichen Hochwasser- und Klimaschutz sowie gezielte Förderungen zur Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit und zur Stärkung des Naturschutzes im Land.
Laut NABU befinden sich gegenwärtig rund 80 Prozent der Gewässer in Thüringen in keinem guten ökologischen Zustand, vor allem die Gewässerstruktur zeige erhebliche Defizite. Marcus Orlamünder, Naturschutzreferent des NABU Thüringen, erklärt, dass Biber entscheidend zur Verbesserung der Gewässerstrukturen beitragen könnten, sofern sie ausreichend Lebensraum erhielten. Den Willen der Landesregierung, einen entsprechenden Aktionsplan zu initiieren, bewerte man positiv. Orlamünder betont jedoch, dass die Maßnahmen nicht bloß auf dem Papier bestehen dürften, sondern tatsächlich ökologische Projekte und Förderprogramme ins Leben gerufen werden müssten.
Als zusätzliche Initiative startet der NABU Thüringen im Jahr 2025 ein Projekt zur Intensivierung des bürgerschaftlichen Engagements im Biberschutz. Dabei sollen Biberberaterinnen und Biberberater landesweit motiviert werden, ihren Einsatz für den Artenschutz zu verstärken und nachhaltig fortzuführen. Das Projekt wird von der Deutschen Postcode Lotterie gefördert und von Claudia Chladek koordiniert.
Quelle: NABU vom 20.5.2025
Veröffentlicht am 21.05.2025 06:41 von Christian Wolf, Redakteur
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