Blühende Vielfalt schützen: NABU Thüringen warnt vor vorschnellem Schnitt im Hochsommer
Der NABU Thüringen warnt im August 2025 eindringlich vor einem verfrühten Entfernen und Abmähen von Blütenpflanzen in privaten Gärten, öffentlichen Grünanlagen sowie an Straßenrändern. Blühende Pflanzen im Hoch- und Spätsommer seien eine unverzichtbare Nahrungsquelle nicht nur für Wild- und Honigbienen, sondern auch für zahlreiche weitere Insektenarten.
Nach Angaben des NABU Thüringen verschärft sich die Situation bedrohter Wildbienenarten im Freistaat weiterhin. Der Verband verweist auf die aktuelle Rote Liste Thüringens, laut der von 416 bekannten Wildbienenarten bereits 43 als ausgestorben oder verschollen gelten, 72 weitere seien vom Aussterben bedroht. Insgesamt seien 56 Prozent aller Wildbienenarten in Thüringen bestandsgefährdet oder verschollen, was die Organisation als alarmierend beschreibt.
Naturschutzreferent Marcus Orlamünder erläuterte, dass das Abmähen oder Abschneiden von Blütenpflanzen den Wild- und Honigbienen sowie anderen Insektenarten akut die lebensnotwendige Nahrungsgrundlage entziehe. Besonders Wildpflanzen wie Blutweiderich, Flockenblume, Malve, Klee, Distel oder Wilde Möhre, die im Juli und August in voller Blüte stehen, sollten daher möglichst erhalten bleiben. Orlamünder nannte etwa die Blutweiderich-Sägehornbiene als Beispiel, die nur von Juli bis Ende August fliege und in dieser Zeit Nahrung für ihren Nachwuchs sammeln müsse. Auch für Hummeln, die als staatenbildende Wildbienen gelten, sei ein vielfältiges Pollen- und Nektarangebot in dieser Zeit essenziell, um starke Jungköniginnen für die nächste Generation heranzuziehen.
Zur Förderung der Arten- und Blütenvielfalt empfiehlt der NABU Thüringen, das Mähen und Zurückschneiden von Grünflächen einzuschränken sowie naturnahe Gärten, Blühwiesen und so genannte „Wilde Inseln“ anzulegen. Mit diesen Maßnahmen könne das Nahrungsangebot für Bienen und andere bestäubende Insekten über das Jahr hinweg gesichert und das ökologische Gleichgewicht unterstützt werden.
Laut NABU Thüringen komme diese naturnahe Gartengestaltung nicht nur den Insekten zugute, sondern bereichere auch das Naturerlebnis der Menschen und trage damit zu einem lebendigen und artenreichen Umfeld bei.
Quelle: Pressemitteilung vom 06.08.2025
Foto: Helge May/NABU
Veröffentlicht am 06.08.2025 18:27 von Christian Wolf, Redakteur
Kommentare