Digitale Wildnisbeobachtung: Nationalpark Hainich startet Pilotprojekt mit Künstlicher Intelligenz
Im Nationalpark Hainich in Thüringen ist ein bundesweites Forschungsprojekt zur digitalen Naturbeobachtung angelaufen. Das Vorhaben mit dem Titel „KI-Nationalpark“ soll erstmals ein schutzgebietsübergreifendes Monitoringsystem entwickeln, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) Daten zu Biodiversität, Klima und menschlicher Nutzung systematisch erfasst und auswertet. Das Projekt läuft von 2025 bis 2027 und umfasst insgesamt 13 Nationalparke sowie zwei Wildnisgebiete in ganz Deutschland.
Im Rahmen des Projekts werden Fotofallen, Messgeräte und sogenannte Klima- und Audiologger eingesetzt. Diese Technologien nehmen an ausgewählten Standorten regelmäßig Umwelt- und Klimadaten, Geräusche von Säugetieren, Vogelstimmen sowie Anzeichen menschlicher Aktivitäten auf. Die Geräte sind so konfiguriert, dass sie tagsüber im Audiofrequenzbereich tätig sind und nachts auch höhere Frequenzbereiche erfassen, um beispielsweise Fledermäuse zu detektieren. Im Hainich wurden laut Angaben des Nationalparkleiters Rüdiger Biehl an 71 Standorten entsprechende Messgeräte installiert, weit entfernt von den Wanderwegen und verstreut über die gesamte Fläche des Schutzgebiets.
Die gesammelten Daten werden anschließend zentral von der Universität Freiburg und dem Technologieunternehmen biometrio.earth GmbH ausgewertet. Hierbei kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz, um Arten automatisiert zu identifizieren, menschliche Einflüsse zu erfassen und Zusammenhänge zwischen Klima, Nutzung und Biodiversität zu erkennen. Das Ziel sei es, so Projektkoordinatorin Marla Schulz vom Verband Nationale Naturlandschaften e. V., erstmals belastbare und vergleichbare Datengrundlagen für die Schutzgebietsverwaltungen bereitzustellen. Sie sieht darin die Möglichkeit, den Schutz der biologischen Vielfalt und die Bedeutung der Nationalparke als CO₂-Senken weiter zu stärken.
Nach Abschluss des Projekts im Jahr 2027 sollen konkrete Handlungsempfehlungen für das Management der beteiligten Schutzgebiete und eine umfassende Bestandsaufnahme der Artenvielfalt vorliegen. Außerdem ist vorgesehen, standardisierte Verfahren zur Erfassung von Biodiversität und potenziellen Störungen zu entwickeln. Das Projekt versteht sich als Beitrag zum Erhalt des deutschen Naturerbes und zur Verbesserung von naturbasierten Klimaschutzmaßnahmen.
Koordiniert wird das Vorhaben von Nationale Naturlandschaften e. V. in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und beteiligten Nationalparken. Die Finanzierung übernimmt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK), speziell durch die Förderlinie „KI-Leuchttürme“.
Quelle: Pressemitteilung vom 09.12.2025
Bild: ©Nationalpark Hainich
Veröffentlicht am 09.12.2025 10:32 von Marcus Schütz, Fachredakteur
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