28.11.2025

Eisenach würdigt Ulrike Quentel für jahrzehntelanges Engagement

Die Stadt Eisenach hat am 27. November 2025 Ulrike Quentel für ihr langjähriges gesellschaftliches Engagement geehrt. Im Beisein der Stadtspitze trug sich die Aktivistin, die im Oktober vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden war, in das Goldene Buch der Stadt ein. Quentel ist damit die einzige Thüringerin unter den jüngsten Ordensträgern.

Im Rahmen der Ehrung erinnerte Oberbürgermeister Christoph Ihling an die lokale Tradition von Zivilcourage und offenen Denken, die in Eisenach von Persönlichkeiten wie der Heiligen Elisabeth bis zu den Demokratiebewegungen des Herbstes 1989 reiche. Laut Ihling stehe Quentels Engagement beispielhaft für den politischen Widerstand, der sich damals in Eisenach formierte, und der bis heute fortwirke.

Quentel schilderte bei der Eintragung ins Goldene Buch ihre Erlebnisse in der unabhängigen Initiative „Frauen für den Frieden“ während der späten DDR. Gemeinsam mit anderen setzte sie sich gegen staatliche Repression und Überwachung durch die Staatssicherheit ein. Die Herausforderungen und Ängste jener Zeit, darunter die Sorge vor staatlichen Sanktionen und die Einschüchterung durch die Stasi, wirken noch immer nach und prägen das kollektive Gedächtnis der Stadt. Dokumente wie das „Tagebuch der Revolution“ von Margot Friedrich im Stadtarchiv unterstreichen die Bedeutung dieser Phase.

Seit 1990 engagiert sich Quentel als Gleichstellungsbeauftragte für die Stadt Eisenach und war maßgeblich an der Gründung des lokalen Frauenzentrums und des Frauenhauses beteiligt. Sie ist ehrenamtlich im Trägerverein aktiv, wirkt im Bündnis gegen Rechtsextremismus mit, setzt sich für den christlich-jüdischen Dialog ein und unterstützt das Wartburg-Radio. Darüber hinaus ist sie in überregionalen Frauenorganisationen vertreten, etwa im Beirat der Evangelischen Frauen Mitteldeutschland und im Landesfrauenrat Thüringen.

Mit Blick auf ihren anstehenden Ruhestand plant Ulrike Quentel, ihre Erfahrungen und die weiterer Zeitzeugen aus Eisenach für kommende Generationen zu dokumentieren. Für sie bleibt es eine zentrale Aufgabe, die Bedeutung der Ereignisse im Herbst 1989 wachzuhalten. Auch sieht sie weiterhin Herausforderungen im gesellschaftlichen Miteinander, insbesondere angesichts zunehmender Anfeindungen gegen Frauen im Internet. Ihrer Ansicht nach sei die Förderung von Demokratie, Gleichberechtigung und Respekt weiterhin eine Aufgabe für die Zukunft.

Quelle: Pressemitteilung vom 28.11.2025
Fotos: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am von , Redakteur

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