04.05.2026

Eisenacher Automobilmuseum spürt Wartburg-Urahnen in Norwegen auf

Gleich zwei seltene Wartburg-Motorwagen mit Eisenacher Wurzeln standen im April 2026 im Mittelpunkt einer Reise nach Norwegen: Museumsdirektor Enrico Martin von der Automobile Welt Eisenach besuchte in Trondheim und Oslo historische Fahrzeuge, die eng mit der frühen Automobilproduktion an der Hörsel verbunden sind. Die Begegnungen vertiefen die internationalen Kontakte des Museums und liefern Material für ein neues Forschungsprojekt.

Ausgangspunkt der Reise war die Jahreshauptversammlung des „Norsk DKW Union Club“, der von Horch bis Wartburg zahlreiche Markenfreunde vereint und als wichtiger Knotenpunkt zur skandinavischen Oldtimerszene gilt. Im Anschluss traf sich Martin mehrere Tage mit Wartburg-Enthusiasten rund um den langjährigen Weggefährten Jon H. Tønnesen und dessen Familie, bevor der Besuch im „Heimatmuseum Sverre Borg“ in Trondheim anstand. Dort erwarteten ihn Mitglieder des „Trøndelag Veteranvognklubb“ – Inge Vikestad, Klaus Klakken, Terje Stenhaug und Per Ramsoeskar – mit einem außergewöhnlichen Exponat.

Der Club betreut seit vielen Jahren den nach aktuellem Kenntnisstand einzigen erhaltenen Wartburg-Motorwagen der zweiten Generation, einen „Tourer Typ B“ von 1903. Das Fahrzeug kam 1909 mit dem Eiskunstläufer und Fotografen Oscar Holte nach Trondheim, der es zuvor bei einem Opel-Händler in Rüsselsheim erworben hatte. Eigentlich als erstes Auto der Stadt vorgesehen, erhielt der Wagen wegen formaler Unstimmigkeiten letztlich doch nur das Kennzeichen mit der Nummer 2. Zeitweise teilte er sich die Straßen mit einem Oldsmobile, einem Ford T und einem Rex-Simplex-Bus aus Ronneburg.

Der Wartburg-Motorwagen war über Jahrzehnte hinweg auf Jahrmärkten zu sehen und wurde zuletzt 1953 fahrend dokumentiert. 1997 wechselte er bei einer Auktion den Besitzer, nachdem er zuvor im Motor History Museum Lillehammer gestanden hatte und der Sohn des letzten Eigentümers keine Verwendung mehr sah. Olav Mogstad vom Trondheimer Veteranenclub ersteigerte den Wagen und begann gemeinsam mit Vereinsmitgliedern und lokalen Unternehmen eine umfassende Restaurierung – ohne öffentliche Fördermittel.

Heute ist der Motorwagen in Trondheim wieder fahrbereit und wird regelmäßig bei Veranstaltungen präsentiert, in ruhigeren Phasen steht er im Museum. Der wassergekühlte Zweizylinder-De-Dion-Motor entspricht dem Aggregat des in Eisenach einsatzfähigen Motorwagens und schafft damit eine direkte technische Verbindung zwischen den Sammlungen in Norwegen und Thüringen. Die aufwendige Instandsetzung gilt als besondere Leistung, da es für diese frühe Fahrzeuggeneration keine Ersatzteilversorgung mehr gibt.

Der herzliche Empfang in Trondheim führte zu einer neuen, nun dauerhaft angelegten Zusammenarbeit. Bereits 2023 hatte der frühere Museumsleiter Matthias Doht Norwegen besucht, nun wird der Kontakt in die nächste Generation fortgeführt. Begleitet wurde Martin von Carl Kristian Thelle, einem langjährigen Unterstützer des Eisenacher Museums, der vor Ort als Guide fungierte.

Nur einen Tag später stand in Oslo das nächste Treffen an: Dort begegnete der Eisenacher Direktor seinem Kollegen vom „Teknisk Museum Oslo“. In dessen Sammlung befindet sich ein weiterer Wartburg-Motorwagen, diesmal als luftgekühlte Version der ersten Generation. Beide Seiten nutzten das Zusammentreffen, um zahlreiche Detailaufnahmen anzufertigen und technische Besonderheiten zu dokumentieren. Die Unterlagen fließen in ein spezielles Projekt ein, das von der wissenschaftlichen Leiterin des Eisenacher Museums, Dr. Jessica Lindner Elsner, betreut wird.

Zum Abschluss der Reise gelang noch der Kontakt zu einem dritten Wartburg-Motorwagen-Besitzer in Norwegen, dessen Fahrzeug bei einem nächsten Besuch genauer in den Blick genommen werden soll. Damit sind allein in Norwegen drei frühe Vertreter der Eisenacher Fahrzeugproduktion bekannt – ein beachtliches Potenzial für künftige Kooperationen und gemeinsame Auftritte der Museen und Clubs.

Für Eisenacher Oldtimerfreunde und Museumsgäste könnten die neu geknüpften Verbindungen langfristig sichtbare Folgen haben: Die gewonnenen Erkenntnisse aus Trondheim und Oslo sollen in die Museumsarbeit einfließen und die Präsentation der frühen Wartburg-Geschichte vor Ort weiter schärfen.

Quelle: Pressemitteilung vom 04.05.2026
Foto: AWE Museum
Veröffentlicht am von , Redakteur

Kommentare