10.11.2025

Erinnerung und Mahnung: Pogromgedenken in Eisenach vereint zahlreiche Bürgerinnen und Bürger

Am 9. November 2025 versammelten sich etwa 200 Menschen an der Synagogen-Gedenkstätte in Eisenach, um an die Pogromnacht von 1938 und die Verfolgung, Vertreibung sowie Ermordung von Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus zu erinnern. Die Veranstaltung verdeutlichte die Bedeutung des Erinnerns an jüdisches Leben als Teil der Stadtgeschichte.

Oberbürgermeister Christoph Ihling betonte in seiner Ansprache die Rolle der 1885 eingeweihten Eisenacher Synagoge und verwies darauf, dass die Erinnerung an jüdisches Leben zur Identität der Stadt gehöre. Nach seinen Worten liege es in der Verantwortung der Stadt, diese Geschichte in Bildungseinrichtungen, an Gedenkorten und im gesellschaftlichen Alltag wachzuhalten.

Die Synagoge war in der Pogromnacht 1938 vollständig zerstört worden. Max von Trott vom Bündnis gegen Rechtsextremismus beschrieb, wie es den Nationalsozialisten damals gelang, Hass gegen Jüdinnen und Juden in der Bevölkerung zu verbreiten. Umso wichtiger sei es, heutigen Erscheinungsformen von Antisemitismus und Ausgrenzung entschlossen entgegenzutreten.

Pfarrer Dr. Christian Bock rief die Anwesenden zu einem Moment der Stille und zur Fürbitte auf. Im anschließenden kulturellen Teil trugen zwei Schülerinnen der Goetheschule gemeinsam mit einer Vertreterin der Initiative „Omas gegen Rechts“ das Gedicht „Ich will leben“ der Lyrikerin Selma Meerbaum-Eisinger vor, die im Alter von 18 Jahren unter nationalsozialistischer Verfolgung ums Leben kam. Saxophonist Martin Scholz umrahmte die Veranstaltung musikalisch.

Nach der Kranzniederlegung an der Gedenkstätte begaben sich die Teilnehmenden auf einen gemeinsamen Gang zum Eisenacher Hauptbahnhof. Die Route folgte dem Weg, den auch viele Eisenacher Jüdinnen und Juden während der Deportationen nehmen mussten. In der Bahnhofshalle erinnerte Pfarrer Armin Pöhlmann an das Leid der Opfer und lud zum gemeinsamen Gebet ein, während Malik Alkhalifa das Gedenken musikalisch begleitete.

Das Pogromgedenken wurde gemeinsam von der Stadt Eisenach, dem evangelischen Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen, der katholischen Gemeinde St. Elisabeth, dem Eisenacher Bündnis gegen Rechtsextremismus und dem Deutschen Gewerkschaftsbund organisiert.

Quelle: Pressemitteilung vom 10.11.2025
Fotos: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am von , Redakteur

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