21.11.2025

Erinnerung und Versöhnung: Gedenkfeier für sowjetische Kriegsgefangene in Untersuhl setzt Zeichen für Frieden

Mit einer bewegenden Gedenkveranstaltung ist am 14. November 2025 auf dem Friedhof Untersuhl das Umbettungsprojekt für die Überreste von über 70 sowjetischen Kriegsgefangenen zu Ende gegangen. Nach der Überführung der sterblichen Überreste aus dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG IXc bei Gerstungen hat die Gemeinde gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weiteren Akteuren eine Neugestaltung der Erinnerungsstätte umgesetzt. Vertreter aus Politik, Kirchen, der Russischen Botschaft sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an den Zeremonien teil, zu denen Grußworte, Musik, geistliche Beiträge und die Pflanzung eines Lindenbaumes gehörten.

Bürgermeister Daniel Steffan begrüßte die Gäste und hob die Bedeutung des Gedenkens hervor. Er dankte allen Beteiligten, die das Projekt ermöglicht haben, und betonte das gemeinsame Gebet für Frieden. Als Vertreterin des Landrats blickte Sylvia Hartung auf die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers und die langjährigen Bemühungen, die Gräber sichtbar zu halten. Laut Hartung war insbesondere die Zusammenarbeit mit der Kriegsgräberfürsorge und Behörden entscheidend für eine würdevolle Umbettung.

Für die Russische Botschaft in Berlin sprach der Erste Botschaftsrat Alexej Issatschenko. Er wies darauf hin, dass in Deutschland über 700.000 sowjetische Kriegstote auf rund 4.000 Friedhöfen bestattet sind, und betonte die Bedeutung der Erinnerungsorte für Versöhnung und Völkerverständigung. Issatschenko übermittelte im Namen seiner Botschaft die besondere Wertschätzung an die Gemeinde und den Volksbund für deren Engagement.

Henrik Hug, Geschäftsführer des Landesverbands Thüringen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, erinnerte daran, dass in Thüringen etwa 570 Kriegsgräberstätten existieren, auf denen rund 106.000 Opfer bestattet sind. Bei der Umbettung sei nicht nur der Schicksale von anonymen Toten gedacht worden; Hug verwies auf die Anwesenheit von Nachfahren eines identifizierten Kriegsgefangenen, was die Bedeutung persönlicher Erinnerungsarbeit unterstreiche.

Ein zentrales Element der Feier war das orthodoxe Totengedenken durch Erzpriester Mihail Rahr von der Russisch-Orthodoxen Kirche in Weimar, das dem Gedenken besondere geistliche Tiefe verlieh. Die Veranstaltung endete mit einer stillen Gedenkminute, der Pflanzung eines Lindenbaums als Symbol für Hoffnung und mit der Enthüllung zweier Gedenktafeln, die über das Lager STALAG IXc und die Umbettung informieren. Kranzniederlegungen auf den neuen Grabanlagen rundeten die Gedenkfeier ab. Insgesamt stand die Veranstaltung unter dem Leitmotiv Frieden, das in den Redebeiträgen mehrfach hervorgehoben wurde.

Quelle: Pressemitteilung vom 20.11.2025
Fotos: Gemeinde Gerstungen
Veröffentlicht am von , Redakteur

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