03.12.2025

Gemeinsam Perspektiven entwickeln: Suchthilfe im Wartburgkreis stellt Weichen für 2030

Bei einer Klausurtagung im November 2025 haben rund 60 Fachkräfte aus sozialen und medizinischen Bereichen im Kreistagssaal des Landratsamtes Wartburgkreis über die Zukunft der Suchthilfe diskutiert. Die Veranstaltung, organisiert von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Sucht und dem Gesundheitsamt, hatte das Ziel, konkrete Lösungsansätze für eine bedarfsgerechte Versorgung bis 2030 zu entwickeln. Unter der Moderation von Sarah Kornmann von der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen standen aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven im Mittelpunkt.

Die Fachdiskussionen machten deutlich, dass sich das Spektrum der Suchtproblematik erweitert hat. Neben klassischem Substanzkonsum wie Alkohol und Cannabis gewinnen Verhaltenssüchte – etwa übermäßige Nutzung von Smartphones, Social Media oder virtuelle Realitäten – zunehmend an Bedeutung. Ein besonderes Augenmerk galt auch synthetischen Drogen und der Beobachtung, dass Kinder und Jugendliche immer früher und verstärkt mit problematischen Substanzen in Kontakt kommen. Gleichzeitig wurde der Mangel an Ressourcen und Fachpersonal ebenso thematisiert wie die steigenden Anforderungen an Kooperation und Dokumentation innerhalb der Suchthilfe.

In Kleingruppenberatungen wurden für die ambulanten Hilfsangebote insbesondere der Ausbau mobiler und wohnortnaher Beratungsdienste sowie erweiterte Öffnungszeiten gefordert. Ergänzt werden sollten diese Ansätze durch mobile Präventionsangebote, die Einbindung von Kompetenzzentren, Unterstützung bei Fahrtkosten und eine verbesserte medizinische Begleitung, etwa durch erleichterten Zugang zu Zahnbehandlungen. Auch die aufsuchende Sozialarbeit und die Substitutionsmöglichkeiten sollen ausgebaut werden.

Der Bereich der teilstationären Hilfen soll nach den Vorstellungen der Teilnehmenden durch mehr tagesklinische Angebote, die Vereinfachung von Bürokratie und die Verkürzung der Wartezeiten sowie durch eine stärkere Einbindung von Familien und gegebenenfalls Haustieren erweitert werden. Im stationären Bereich wurden gezielte Angebote für Mütter und Väter mit Kindern, die Einführung neuer Therapieformen und eine stärkere Orientierung an den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten angestrebt. Zudem kamen die Bedeutung der Selbstfürsorge des Fachpersonals und die finanziellen Rahmenbedingungen, etwa durch Vorgaben der Krankenkassen, zur Sprache.

Im Bereich Prävention und Selbsthilfe liegt der Fokus künftig verstärkt auf Aufklärung in Elternhäusern, Jugendclubs und Vereinen. Ziel ist es, die Menschen frühzeitig für Risiken zu sensibilisieren und Angebote für junge Familien sowie Selbsthilfegruppen weiter auszubauen. Grundsätzlich wurde der Bedarf an finanziell planbaren, langfristigen Projekten betont, um die Kontinuität der Präventionsarbeit zu sichern.

Zum Abschluss der Tagung betonten die Akteure die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes, bei dem der Mensch im Verhältnis zu seinem sozialen Umfeld betrachtet wird. Die Vernetzung aller Beteiligten wurde als entscheidend hervorgehoben, um die Suchthilfe im Wartburgkreis an zukünftige Herausforderungen anzupassen und nachhaltige Lösungen umzusetzen. Die Ergebnisse der Tagung sollen dem Psychiatriebeirat vorgelegt und in die weitere Entwicklung eingebracht werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 03.12.2025
Bild: ©Landratsamt Wartburgkreis
Veröffentlicht am von , Fachredakteur

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