22.04.2026

Gerstungen verteidigt Neubau des Feuerwehrhauses in Wolfsburg‑Unkeroda

Die Gemeindeverwaltung Gerstungen hat auf einen kritischen Bericht in der Regionalpresse vom 11. April 2026 zum Neubau des Multifunktionsgebäudes in Wolfsburg‑Unkeroda reagiert. In einer ausführlichen Stellungnahme widerspricht die Gemeinde Vorwürfen zu angeblich gestrichenen Dorferneuerungsprojekten, ausufernden Kosten, mangelnder Transparenz im Gemeinderat sowie Problemen beim Brandschutz und bei Nachbargrundstücken. Zugleich kündigt sie die offizielle Einweihung am 30. April und eine Eröffnungsfeier mit Tag der offenen Tür am 1. Mai 2026 an.

Für das Projekt wurden nach Angaben der Gemeinde bei der Fördergeldstelle rund 2,15 Millionen Euro für 18 Baulose sowie acht Architektur- und Ingenieurbüros abgerechnet. Knapp 1,2 Millionen Euro davon flossen als Förderung. Für Abriss, Herrichtung und Hangsicherung der früheren Gewerbebrache wurden zusätzlich knapp 700.000 Euro beantragt, wovon etwa 410.000 Euro gefördert wurden. Mit dem Abriss sei zugleich ein städtebaulicher Missstand im Ortsteil Wolfsburg‑Unkeroda beseitigt worden.

Die Darstellung, andere Vorhaben der Dorferneuerung seien wegen des Neubaus gestrichen worden, weist die Verwaltung zurück. Der Förderzeitraum lief den Angaben zufolge bis Ende 2025, es habe lediglich eine einmalige Mittelverschiebung gegeben, die der Gemeinderat am 10. September 2024 einstimmig beschlossen habe. Diese zusätzlichen Mittel seien zu 65 Prozent gefördert worden, ohne dass andere Bauprojekte gekürzt oder gestrichen worden seien.

Ein zentraler Kritikpunkt des Presseberichts betrifft den Standort an der Förthaer Straße. Der Autor hatte den früher diskutierten Standort am alten Schwimmbad als günstiger dargestellt. Die Gemeinde hält dagegen, dass die Zufahrt zum alten Schwimmbad in einem unübersichtlichen Kurvenbereich liege und die verfügbare Fläche mit maximal 1.200 Quadratmetern zu klein gewesen sei, um zusätzlich Parkplätze zu schaffen. Am jetzigen Standort stünden über 2.100 Quadratmeter zur Verfügung.

Am alten Schwimmbad hätten laut Stellungnahme außerdem Gewässerrandstreifen von mindestens fünf Metern und ein teilweise vorhandenes Überschwemmungsgebiet zu Einschränkungen geführt. Ein Bodengutachten vom Februar 2020 habe die Fläche dort nur als „bedingt geeignet“ eingestuft und auf setzungsempfindlichen Baugrund sowie kostenintensive Entsorgung hingewiesen. Der Baugrund am neuen Standort sei dagegen als sehr gut bewertet worden.

Die Gemeinde verweist zudem auf ihre Pflicht, den Brandschutz im Ortsteil Wolfsburg‑Unkeroda sicherzustellen. Isochronenberechnungen, also Berechnungen der theoretischen Anfahrtszeiten, hätten gezeigt, dass die Feuerwehr Förtha die Ortslage Eckardtshausen nicht innerhalb der vorgegebenen Einsatzzeiten erreichen könne. Der Standort Wolfsburg‑Unkeroda sei deshalb notwendig, um Eckardtshausen, Wilhelmsthal und umliegende Waldflächen abzusichern.

Auch bei der Kostenentwicklung widerspricht die Verwaltung der Formulierung „aus dem Ruder gelaufen“. Ausgangspunkt seien geplante 2,6 Millionen Euro gewesen. Innerhalb von drei Jahren im Realisierungszeitraum sei es zu einer Steigerung um rund zehn Prozent gekommen. Angesichts deutlich gestiegener Preise im Hochbau, etwa für Baumaterial, bewertet die Gemeinde diesen Wert als vergleichsweise niedrig.

Die Kosten begründet sie mit gesetzlichen Vorgaben für Feuerwehrgebäude, der Mannschaftsstärke und den Fahrzeuggrößen. Die Risikoanalyse und Feuerwehrbedarfsplanung vom September 2020 habe zwei Stellplätze zwingend vorgesehen. Das Projekt sei fristgerecht beim Zuwendungsgeber beantragt und im November 2025 vollständig abgerechnet worden.

Den Vorwurf interner Konflikte und mangelnder Transparenz im Gemeinderat weist die Verwaltung zurück. Seit 2021 sei die Feuerwehrplanung Bestandteil des Haushalts, alle Schritte seien im Gemeinderat beraten und beschlossen worden. Die Mittelverschiebung im Jahr 2024 sei einstimmig erfolgt, andere Investitionsprojekte der Gemeinde seien davon unberührt geblieben.

Zur Diskussion um den Feuerwehrbedarfsplan betont die Gemeindeverwaltung, dieser sei erstmals von einem unabhängigen Gutachter erstellt worden und habe nicht das Ziel gehabt, Wehren zu schließen. Der Plan identifiziere vielmehr technisch notwendige Standorte, um Förderfähigkeit zu sichern. Für die Absicherung von Eckardtshausen, Wilhelmsthal und der umliegenden Waldflächen sei der Standort Wolfsburg‑Unkeroda erforderlich gewesen, da Förtha als benachbarte Wehr zu weit entfernt liege, um die Einsatzzeiten einzuhalten.

Der Bedarfsplan fordere zwei Stellplätze. Eine geringere Zahl wäre nach Darstellung der Gemeinde nicht förderfähig gewesen und hätte die Zukunftsfähigkeit des Standorts gefährdet. Damit begründet sie auch die Dimension des Neubaus.

Zu Bauabnahme und Mängeln heißt es, die Abnahme der Außenanlagen sei am 18. November 2025 erfolgt, das Gesamtvorhaben sei Ende November 2025 vollständig abgerechnet worden. Spätere Arbeiten seien reguläre Mängelbeseitigungen ohne Mehrkosten für die Gemeinde. Die festgestellten Mängel seien dokumentiert und würden durch die Baufirma abgearbeitet.

In Bezug auf mögliche Auswirkungen auf Nachbargrundstücke berichtet die Stellungnahme, das betroffene Nachbargrundstück liege auf einem angeschütteten Plateau mit steilem Hang. Die Gemeinde habe vorsorglich eine Hangsicherung mittels überschnittener Bohrpfahlwand errichten lassen, woraus sich ein Vorteil für die Anwohner ergebe. Eine Beweissicherung sei zu Beginn, während und nach Abschluss der Baumaßnahmen erfolgt.

Bislang gebe es nach Angaben der Verwaltung keine Hinweise auf gravierende Schäden. Mögliche Beeinträchtigungen würden geprüft und behoben. Die beiden betroffenen Nachbarn hätten der Hangsicherung schriftlich zugestimmt. Von einem Streit wolle die Gemeinde nicht sprechen; es habe ein anwaltliches Schreiben mit einem Widerspruch gegen die Baugenehmigung gegeben.

Mit Blick auf die öffentliche Diskussion betont Bürgermeister Daniel Steffan, die Bürgerinnen und Bürger seien nun umfassend über den Projektverlauf informiert. Wolfsburg‑Unkeroda verfüge heute über die notwendigen baulichen und technischen Rahmenbedingungen für den Erhalt des Feuerwehrstandorts. Zudem stünden den Einwohnern und Vereinen moderne, barrierefreie Räume im neuen Multifunktionsgebäude zur Verfügung.

Die Gemeinde kündigt eine offizielle Einweihung am 30. April 2026 und eine Eröffnungsfeier mit Tag der offenen Tür am 1. Mai 2026 an. Dann sollen Feuerwehr, Ortsteilrat und Einwohner das neue Gebäude gemeinsam in Betrieb nehmen.

Hinter dem Projekt steht die Gemeindeverwaltung Gerstungen, die das Vorhaben im Rahmen der Dorferneuerung geplant und umgesetzt hat.

Quelle: Pressemitteilung vom 22.04.2026
Foto: Gemeinde Gerstungen
Veröffentlicht am von , Redakteur

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