20.04.2026

GEW warnt: Thüringer Hochschulen drohen ab 2027 Finanzierungslücken

Die Bildungsgewerkschaft GEW Thüringen schlägt Alarm: Aus ihrer Sicht sind die Hochschulen im Freistaat nach 2026 nicht ausreichend abgesichert. Hintergrund ist der geplante Doppelhaushalt 2026/27 des Landes, in dem die Mittelsteigerung für 2027 nach Einschätzung der Gewerkschaft nicht mit den erwarteten Kostensteigerungen Schritt hält. Damit seien Studium, Lehre und Forschung an den Thüringer Standorten – und damit auch an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach mit ihrem Campus in Eisenach – langfristig gefährdet.

Die aktuelle Rahmenvereinbarung V+ zwischen Land und Hochschulen läuft Ende Dezember 2026 aus. Für die anschließende Vereinbarung VI erwartet die GEW zwar eine Fortsetzung der Finanzierung, sieht in den bisher bekannten Eckdaten aber keine verlässliche Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung der Hochschulen. Kritisiert wird, dass die politisch betonte Wertschätzung für die Hochschulstandorte sich im Konsolidierungskurs des Landes nicht widerspiegele und den Einrichtungen die Möglichkeit nehme, langfristig zu planen.

Das Thüringer Bildungsministerium hat einen Dialogprozess gestartet, der Transparenz und Akzeptanz schaffen soll. Staatssekretär Winfried Teichert besucht derzeit die Hochschulen im Land, um mit Leitungen und Gremien ins Gespräch zu kommen. Nach Darstellung der GEW regt er dabei an, vor Ort erste Konzepte zu entwickeln und bindet die Hochschulgremien ein. Für die Gewerkschaft ist das ein Schritt, der das demokratische Selbstverständnis der Hochschulen stärkt – die zentrale Frage bleibe jedoch, ob dieser Prozess ohne zusätzliche finanzielle Zusagen ausreiche.

Bereits jetzt laufen an mehreren Thüringer Hochschulen Konsolidierungsprozesse. Die GEW betont, dass die Einrichtungen diese Entwicklung nicht allein schultern könnten. Hochschulfinanzierung sei eine Kernaufgabe des Landes und keine freiwillige Leistung. Die Landesregierung trage die Verantwortung dafür, dass Thüringen auch 2040 ein leistungsfähiger und attraktiver Wissenschaftsstandort bleibt – mit Auswirkungen auf alle Regionen, in denen Hochschulen angesiedelt sind, von den Universitätsstädten bis hin zu dualen Standorten wie dem Campus Eisenach der Duale Hochschule Gera-Eisenach.

Nach Worten von Katrin Glaser, bei der GEW Thüringen zuständig für Hochschule und Forschung, geht es der Gewerkschaft nicht nur um mehr Geld. Gefordert wird ein klares politisches Bekenntnis zu Wissenschaft, Forschung und vor allem zur Lehre. Aus Sicht der GEW braucht es stärkere inhaltliche Zielvorgaben des Landes, an denen sich alle Akteurinnen und Akteure im Hochschulbereich orientieren können – von Ministerium und Hochschulleitungen bis zu Interessenvertretungen.

Die Gewerkschaft warnt ausdrücklich vor einem von Sparlogik getriebenen Rückbau der Hochschullandschaft. Ein solcher Kurs wäre aus ihrer Sicht nicht nur bildungspolitisch problematisch, sondern hätte auch strukturelle Folgen für Thüringen: Hochschulen gelten als wichtige Partner für regionale Unternehmen, Kommunen und Verwaltungen, etwa bei der Fachkräftesicherung oder bei anwendungsnaher Forschung.

Mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen und die Ausgestaltung der Rahmenvereinbarung VI drängt die GEW daher auf verbindliche Zusagen. Die Hochschulen seien bereit, an Konzepten mitzuwirken – ohne auskömmliche Finanzierung und klare politische Leitplanken drohten die Spielräume dafür jedoch enger zu werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 17.04.2026
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