Jugendring Wartburgkreis muss Alte Posthalterei in Eisenach räumen
Der Jugendring Wartburgkreis hat zum 28.09.2026 seine Räume in der Alten Posthalterei in Eisenach verlassen. Hintergrund ist die Kündigung des Mietvertrags durch die Stadt Eisenach. Für den Dachverband der Jugendverbände bedeutet der Auszug nach eigenen Angaben nicht nur einen Standortwechsel, sondern den Verlust eines über Jahrzehnte gewachsenen Ortes für Jugendverbandsarbeit.
Die Alte Posthalterei war seit 1995 Sitz des Jugendrings. In den 31 Jahren wurden dort nach Darstellung des Verbandes zahlreiche Angebote und Projekte organisiert – von Kinderfesten und Ferienlagern über Jugendleiterschulungen und JugendKulturnächte bis hin zu Festivals, Seifenkistenrennen und thematischen Aktionen wie „Hip-Hop meets Minnesang“ oder Waldbad-Revival-Veranstaltungen. Auch Hilfskonvois während der Balkankriege seien von hier aus mit vorbereitet worden.
Der Jugendring beschreibt das Haus als gemeinsamen Treffpunkt verschiedener Jugendverbände und Gruppen. Unter einem Dach hätten sich Aktive auf den Fluren begegnet, spontan ausgetauscht, Projekte entwickelt, sich gegenseitig unterstützt oder einfach Pausen miteinander verbracht. Viele junge Menschen hätten dort ihre ersten Schritte in der Jugendarbeit gemacht oder sich erstmals ehrenamtlich engagiert.
Bereits vor dem Verlust der Räume war die finanzielle Basis des Jugendrings geschwächt worden. Nach Angaben des Verbandes wurde ihm vor zwei Jahren die Förderung durch den Wartburgkreis entzogen. Für das Jahr 2026 hatte der Jugendhilfeausschuss erneut keine Mittel bewilligt. Der Jugendring kritisiert, dass damit eine Unterstützung ausbleibt, die nach § 12 SGB VIII für Jugendverbandsarbeit vorgesehen sei.
Vertreter des Jugendrings hatten im März darauf hingewiesen, dass sie ihren Förderantrag im Ausschuss nicht persönlich erläutern konnten und kein Rederecht erhielten. Tobias Dietzel aus dem Vorstand sprach von einem „nicht fairen Verfahren“, sein Vorstandskollege Martin Hildebrandt bemängelte, zentrale Inhalte des Antrags seien nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die Entscheidung für 2026 fiel zudem, obwohl das Widerspruchsverfahren für das Förderjahr 2025 noch nicht abgeschlossen war.
In der aktuellen Stellungnahme zum Auszug ordnet der Jugendring die Entwicklung als Beispiel für sogenannte „Shrinking Spaces“ ein – also schrumpfende Räume für zivilgesellschaftliches Engagement und selbstorganisierte Jugendarbeit. Nach Einschätzung des Verbandes werden Trägervielfalt eingeschränkt, etablierte Strukturen geschwächt und konkrete Orte für Jugendverbandsarbeit aufgegeben.
Der Jugendring betont, dass Jugendbeteiligung verlässliche Räume und Strukturen brauche und nicht allein über Podien oder Konzepte funktioniere. Trotz ausbleibender Förderung habe man in den vergangenen Jahren weiter Projekte umgesetzt, Veranstaltungen begleitet und Vereine unterstützt. Vorstandsfrau Anja Neumann hatte bereits im Frühjahr darauf verwiesen, dass das Engagement vieler Jugendlicher nicht übergangen werden dürfe.
Mit dem Auszug aus der Alten Posthalterei endet für den Jugendring ein prägender Abschnitt seiner Geschichte in Eisenach und im Wartburgkreis. Der Verband kündigt an, seine Arbeit für Jugendverbände, Beteiligungsprojekte und Freiräume für junge Menschen fortzusetzen, auch wenn die Rahmenbedingungen schwieriger geworden seien.
Quelle: Instagram @jugendring.wartburgkreis vom 28.09.2026
Veröffentlicht am 29.09.2026 10:18 von Christian Wolf, Redakteur
Kommentare