Kontroverse um geplante Kormoran-Abschüsse in Thüringen: Umweltverbände üben scharfe Kritik
Die Ankündigung von Thüringens Umweltminister Tilo Kummer, die Kormoranverordnung des Landes zu überarbeiten und den Abschuss der Vögel künftig auch an Anglergewässern zuzulassen, stößt bei Naturschutzverbänden auf deutlichen Widerspruch. Laut einer gemeinsamen Stellungnahme von NABU, BUND, Verein Thüringer Ornithologen (VTO) und GRÜNE LIGA Thüringen halten die Verbände eine Ausweitung der Abschussregelung für rechtlich und ökologisch nicht gerechtfertigt. Sie fordern stattdessen die vollständige Abschaffung der Kormoranverordnung und werfen der Landesregierung vor, Symbolpolitik auf dem Rücken einer geschützten Vogelart zu betreiben.
Nach den vorliegenden Entwürfen der Landesregierung soll es künftig Hobbyanglern möglich sein, Kormorane an stehenden Gewässern unter bestimmten Bedingungen abschießen zu lassen. Minister Kummer begründete dies mit dem Schutz der heimischen Fischbestände sowie wirtschaftlicher Einbußen für die Fischereiwirtschaft. Die Verbände bemängeln jedoch, dass konkrete Belege für signifikante Schäden fehlen und verweisen darauf, dass der Kormoran unter europäischem und deutschem Naturschutzrecht als besonders geschützte Art gilt. Eine Ausnahmeregelung zum Abschuss sei nur zulässig, wenn erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden nachweisbar wären. Dies sehen die Organisationen nicht gegeben.
In ihrer Analyse führen die Verbände aus, dass weder entnommene Fischmengen noch langfristige Daten aus der Aquakultur einen Zusammenhang zwischen Kormoranbeständen und Ertragseinbußen belegen. Nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik lag die jährliche Fischproduktion von 2011 bis 2024 stabil bei durchschnittlich 816 Tonnen. Dem gegenüber werden jährlich lediglich rund 42 Tonnen Fisch von Kormoranen in Thüringer Winterquartieren gefressen, während Freizeitangler im selben Zeitraum durchschnittlich 393 Tonnen Fisch aus Angelgewässern entnehmen.
Mit Blick auf die Ursache für den Rückgang seltener Fischarten in Thüringens Gewässern betonen die Natur- und Umweltverbände, dass andere Faktoren eine größere Rolle spielen. Dazu zählen die intensive Entnahme von Fischen durch Freizeitangler sowie ökologische Probleme wie Gewässerverschmutzung und Strukturdefizite. Untersuchungen zeigten zudem, dass der Eintrag neuer Fischarten durch Besatzmaßnahmen in Gewässern durch Hobbyangler zu Verschiebungen in den Fischfaunen führt, was seltenen heimischen Arten schadet.
Neben ihren fachlichen und rechtlichen Einwänden gegen die geplante Verordnungsänderung fordern die Verbände eine konsequente Renaturierung der Thüringer Fließgewässer und Auen. Sie verweisen auf den Koalitionsvertrag der Landesregierung, der einen Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen vorsieht. Den Verbänden nach sollte sich die Politik auf diesen Weg konzentrieren, um heimische Fischarten zu schützen, anstatt auf eine Lockerung der Kormoranabschüsse zu setzen.
Quelle: Pressemitteilung vom 11.12.2025
Bild: ©Creepanta, CC BY-SA 4.0
Veröffentlicht am 12.12.2025 08:32 von Marcus Schütz, Fachredakteur
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