Kreistag stellt Kliniken in Eisenach und Bad Salzungen neu auf
Der Wartburgkreis übernimmt zum 1. Juli 2026 alle bislang kirchlichen Anteile am St. Georg Klinikum Eisenach und wird damit alleiniger kommunaler Träger der beiden großen Krankenhäuser in der Region: des St. Georg Klinikums in Eisenach und des Klinikums Bad Salzungen. Grundlage ist das „Strategiepapier Kliniken Wartburgregion“, das der Kreistag am 23. Juni 2026 einstimmig beschlossen hat. Ziel ist eine langfristig gesicherte, wohnortnahe und wirtschaftlich tragfähige Gesundheitsversorgung im gesamten Kreisgebiet.
Mit der vollständigen kommunalen Trägerschaft kann der Landkreis die beiden Häuser künftig strategisch aus einer Hand steuern. Das Papier reagiert auf die bundesweite Krankenhausstrukturreform, den demografischen Wandel und die besonderen Bedingungen im ländlich geprägten Wartburgkreis. Die medizinischen Angebote in Eisenach und Bad Salzungen sollen besser aufeinander abgestimmt, Doppelstrukturen vermieden und zugleich beide Standorte in ihrer Eigenständigkeit gesichert werden.
Landrat Dr. Michael Brodführer betont, der Beschluss stelle die Weichen für die kommenden Jahre: Der Kreis bekenne sich klar zu beiden Klinikstandorten, zu einer leistungsfähigen Notfallversorgung und zu einer wohnortnahen medizinischen Betreuung für die Menschen in der Wartburgregion.
Zwei Versorgungsregionen – zwei Schwerpunktkliniken
Kern des Konzeptes ist die Aufteilung des Wartburgkreises in eine nördliche und eine südliche Versorgungsregion. Im Norden übernimmt das St. Georg Klinikum Eisenach die Rolle einer Schwerpunktklinik, im Süden das Klinikum Bad Salzungen. Beide Häuser bleiben zentrale Säulen der stationären Versorgung mit Notaufnahmen, Fachabteilungen, spezialisierten Angeboten und angebundenen ambulanten Strukturen.
Die gemeinsame stationäre Leistungsfähigkeit beider Kliniken soll die Erreichbarkeit wichtiger Behandlungen sichern und dazu beitragen, gleichwertige Lebensverhältnisse im ländlichen Raum zu erhalten. Der Landkreis verbindet damit auch das Ziel, die Wartburgregion als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort zu stärken.
Notfall- und ambulante Versorgung im Fokus
Ein Schwerpunkt des Strategiepapiers ist die Notfallversorgung. Beide Kliniken sind bereits Standorte der erweiterten Notfallversorgung. Diese Strukturen sollen weiterentwickelt und stärker integriert werden, damit rund um die Uhr verlässliche Anlaufstellen bei akuten medizinischen Notfällen bestehen bleiben.
Gleichzeitig rückt die ambulante Versorgung stärker in den Blick. Die Medizinischen Versorgungszentren der Kliniken tragen schon heute wesentlich zur haus- und fachärztlichen Betreuung in der Fläche bei. Angesichts rückläufiger Niederlassungen im niedergelassenen Bereich sollen diese MVZ-Strukturen ausgebaut und enger mit den stationären Angeboten verzahnt werden. Das Papier macht deutlich, dass ambulante und stationäre Versorgung als zusammenhängendes System gedacht werden sollen.
Spezialisierung und Zentrenbildung
Über die Basis- und Notfallversorgung hinaus setzt der Kreistag auf eine abgestimmte Spezialisierung der Standorte. Zertifizierte Zentren und besondere Leistungsschwerpunkte sollen erhalten, weiterentwickelt und besser vernetzt werden. Genannt werden unter anderem Strukturen für Herzinfarkt- und Schlaganfallversorgung, Unfallchirurgie und Krebsmedizin. Für hochkomplexe Behandlungen bleibt die Zusammenarbeit mit überregionalen Maximalversorgern vorgesehen.
Das Papier greift zudem spezielle Versorgungsfragen auf: Dazu zählen die Sicherung der Unfallchirurgie, der Aufbau geriatrischer Angebote, der Erhalt der Geburtshilfe sowie die Stärkung der Ärzteausbildung. Die Gewinnung und Bindung medizinischer Fachkräfte wird ausdrücklich als Schlüsselfrage für die Zukunft der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum benannt.
Forderungen an den Freistaat Thüringen
Mit dem Beschluss verbindet der Kreistag klare Erwartungen an das Land. Für die Umsetzung des Konzeptes seien verlässliche Rahmenbedingungen, passende Leistungszuweisungen, die Sicherung bestehender Notfallstrukturen und Unterstützung bei anstehenden Transformationsprozessen nötig. Der Landkreis betont, dass die medizinische Versorgung nur im Zusammenspiel von Wartburgkreis, Kliniken, Freistaat Thüringen und weiteren Akteuren dauerhaft gesichert werden kann.
Blick über die Kreisgrenze: Gespräche mit Schmalkalden
Das Strategiepapier öffnet ausdrücklich Perspektiven über die Kreisgrenzen hinaus. Besonders genannt wird das Klinikum Schmalkalden. Die Landrätin des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, der Wartburgkreis-Landrat sowie die Geschäftsführer des Klinikums Bad Salzungen und des Elisabeth-Klinikums Schmalkalden beraten über eine engere Zusammenarbeit. Ziel ist, medizinische Angebote zwischen den Häusern sinnvoll abzustimmen.
Der Kreistagsbeschluss bildet damit die strategische Grundlage für eine koordinierte und vernetzte Gesundheitsversorgung in der Wartburgregion. Der Landkreis bekräftigt seine Verantwortung für die Daseinsvorsorge und setzt auf starke kommunale Klinikstandorte sowie verlässliche Angebote in der Fläche.
Neuer Aufsichtsrat für das St. Georg Klinikum
Im Zuge der Neuausrichtung hat der Kreistag in derselben Sitzung auch den Aufsichtsrat der St. Georg Klinikums Eisenach gGmbH neu besetzt. Dem Gremium gehören künftig Landrat Dr. Michael Brodführer sowie die Kreistagsmitglieder Lars Bergmann, Tim Schnitger und Michael Klostermann an.
Für die kommunale Beteiligungsgesellschaft GFG (Gesellschaft zur Förderung des Gesundheits- und Sozialwesens in der Wartburgregion GmbH) wurden Geschäftsführer Enrico Demski, Oberbürgermeister Christoph Ihling, Dr. Arne Berndt und Rolf-Peter Hoehle in den Aufsichtsrat entsandt.
Mit der Kombination aus strategischer Neuausrichtung und neuer Aufsichtsratsbesetzung stellt der Wartburgkreis die kommunale Steuerung der beiden Klinikstandorte in Eisenach und Bad Salzungen auf eine neue Grundlage.
Quelle: Pressemitteilung vom 24.06.2026
Foto: Landratsamt Wartburgkreis
Veröffentlicht am 24.06.2026 09:08 von Christian Wolf, Redakteur
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