26.05.2025

Lippmann+Rau-Archiv übernimmt Amiga-Erbe: DDR-Musikgeschichte wird digitalisiert

Das Produktionsarchiv des DDR-Musiklabels Amiga wurde dem Lippmann+Rau-Musikarchiv in Eisenach übergeben. Der Bestand umfasst rund 30.000 Karteikarten mit Daten zu sämtlichen Musikproduktionen zwischen 1952 und 1991. Die Dokumente sollen digitalisiert und wissenschaftlich zugänglich gemacht werden. Die Geschichte des Labels reicht bis 1947 zurück und spiegelt die Kulturpolitik der DDR ebenso wie deren Musikvielfalt wider.

Ein zentrales Kapitel ostdeutscher Musikgeschichte erhält ein neues Zuhause: Das Lippmann+Rau-Musikarchiv in Eisenach hat am 23. Mai 2025 vom Musikkonzern Sony den umfangreichen Archivbestand des DDR-Plattenlabels Amiga als Schenkung übernommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete, wurde die Übergabe symbolisch mit einem Aktenschrank voll historischer Karteikarten vollzogen. Laut MDR THÜRINGEN umfasst der Bestand rund 30.000 Karten, auf denen sämtliche Musikproduktionen des Labels von 1952 bis 1991 dokumentiert sind.

Amiga, ursprünglich am 3. Februar 1947 als Teil des von Ernst Busch gegründeten Musikverlags „Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH“ in Berlin gegründet, ging 1954 in den VEB Deutsche Schallplatten über und war fortan dem Ministerium für Kultur der DDR unterstellt. Das Label sollte die gesamte Bandbreite populärer Musik abdecken – von Tanzmusik über Rock und Pop bis hin zu Jazz, Schlager und volkstümlicher Musik. Auch Kinderlieder und leichte Klassik gehörten zum Repertoire. Die Auswahl der Künstler und Produktionen war dabei stets an die Vorgaben der DDR-Kulturpolitik gebunden. Schlager sowie Rock- und Popmusik machten zuletzt jeweils etwa 25 Prozent der Gesamtproduktionen aus, Jazz, Blues und Folk jeweils etwa 15 Prozent.

Amiga veröffentlichte nicht nur Werke ostdeutscher Künstler wie Karat, Silly, City oder die Puhdys, sondern auch westliche Produktionen – oft in Form von Lizenzveröffentlichungen. Zu den ersten gehörten in den 1960er Jahren Alben der Beatles und von Bob Dylan. Später folgten unter anderem Kompilationen von Depeche Mode, dem Alan Parsons Project oder Jazzgrößen wie B. B. King. Diese Lizenzpressungen erschienen in begrenzten Auflagen und waren häufig rasch vergriffen. Sie mussten laut kulturpolitischer Vorgabe „künstlerische Qualität mit bürgerlich-humanistischer bzw. sozialistischer Haltung“ verbinden.

Viele Amiga-Platten sind durch ihre charakteristischen, oft eigens gestalteten Cover bekannt. Die grafische Gestaltung übernahm eine firmeninterne Abteilung, wobei besonders der Berliner Grafiker Christoph Ehbets (1935–1992) prägend war. Das Vinylwerk des VEB Deutsche Schallplatten in Potsdam-Babelsberg konnte laut dem früheren Amiga-Leiter Jörg Stempel 1979 jährlich bis zu zwölf Millionen LPs sowie mehrere Millionen Singles und Kassetten produzieren. Die erfolgreichsten Veröffentlichungen waren „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel und Aurora Lacasa mit bis zu 1,6 Millionen verkauften Exemplaren, „Rock’n Roll Music“ von den Puhdys (rund 1,1 Millionen) und „Der blaue Planet“ von Karat (etwa 1 Million).

Das nun übergebene Produktionsarchiv ist ein bedeutender Zugewinn für das Lippmann+Rau-Musikarchiv, das seit seiner Gründung im Jahr 1999 Tonträger, Bücher, Fotografien, Konzertplakate und andere Dokumente der Musikgeschichte sammelt. Archivleiter Simon Bretschneider erklärte gegenüber MDR THÜRINGEN, dass die Daten digitalisiert und mithilfe künstlicher Intelligenz erschlossen werden sollen. Eine öffentlich zugängliche Datenbank sei geplant, an der auch die Universitäten Münster und Freiburg beteiligt sind.

Stiftungsvorstand Daniel Eckenfelder äußerte sich gegenüber der dpa erfreut: „Wir sind sehr erfreut, neben dem Notenarchiv des DDR-Rundfunks nun einen weiteren wichtigen Zeugen der DDR-Musikgeschichte für zukünftige Generationen bewahren zu dürfen.“ Der langjährige Archivleiter Reinhard Lorenz sprach gegenüber MDR THÜRINGEN von einer „weiteren Schatzkammer“ im Bestand des Eisenacher Archivs.

Quellen: MDR THÜRINGEN, Beitrag vom 23. Mai 2025, 18:07 Uhr
Foto: Stefan Oemisch, CC BY-SA 4.0
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