22.08.2025 👍1

Luchse kehren zurück: Hoffnung auf neue Population im Thüringer Wald wächst

Nach einer aktuellen Luchssichtung im Thüringer Wald sehen Naturschutzexperten des NABU Thüringen gute Chancen für die Entstehung einer eigenständigen Luchspopulation im Freistaat. Beobachtungen und Nachweise weisen darauf hin, dass wandernde Tiere aus verschiedenen Regionen zunehmend die Wälder Thüringens besiedeln.

Am 20. August 2025 meldete der NABU Thüringen einen weiteren bestätigten Nachweis eines Luchses im Thüringer Wald. Silvester Tamás, Koordinator des NABU-Luchsprojekts, äußerte sich optimistisch über die Wiederansiedlung der scheuen Wildkatzen. Ein an ihn übersandtes Foto von Katja Seltner und Isabelle Blau dokumentiert das Tier, dessen Färbung Hinweise auf eine Herkunft aus dem Umfeld der Harzer Luchse gibt. Laut NABU handelt es sich dabei allerdings bislang nur um eine Arbeitshypothese, die durch genetische Analysen weiter abgesichert werden soll.

Im zurückliegenden Monitoringzeitraum konnten in Thüringen 15 verschiedene Luchse nachgewiesen werden. Experten gehen davon aus, dass künftig weitere Tiere aus dem Harz, aber auch aus Bayern und Sachsen nach Thüringen wandern könnten. Zusätzlich tragen ausgewilderte Luchse im Thüringer Wald zu einer zunehmenden genetischen Vielfalt bei. Tamás betonte, dass die Mischung von Tieren unterschiedlicher Herkunft entscheidend für eine gesunde Entwicklung der Population sei, zumal Luchse sensibel auf genetische Verarmung und daraus resultierende Krankheiten reagierten.

Der Schutz und die Vernetzung der Lebensräume sind laut NABU Thüringen zentrale Voraussetzungen für den Erhalt stabiler Bestände. Besonders die sogenannten LuchsWälder, die regelmäßig ausgezeichnet werden, bieten den Tieren ungestörte Rückzugs- und Wanderkorridore. Auch NATURA 2000-Gebiete spielen eine bedeutende Rolle, da sie den Austausch zwischen regionalen Luchsgruppen ermöglichen und zum Artenschutz beitragen.

Allerdings sieht der Naturschutzbund die geschützten Wälder unter zunehmendem Druck. Die Holznutzung habe in den vergangenen Jahren zugenommen, wodurch Rückzugsräume verloren gingen. Nach Angaben von Silvester Tamás sei vor allem die hohe Jungtiersterblichkeit beim Luchs – mit einer Rate von bis zu 75 Prozent – ein Anzeichen dafür, dass die Tiere gestresst seien und empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums reagierten. Daher forderte er ein Umdenken im Umgang mit den Waldflächen. Nur mit konsequentem Schutz seien dauerhafte Luchsnachkommen gesichert, wie es auch die rechtlichen Vorgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie verlangen.

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, die einen eigenen Beitrag leisten möchten, können sich beim NABU Thüringen für eine Auszeichnung als LuchsWald bewerben. Mit dieser Initiative sollen jährlich bis zu drei Wälder geehrt werden, die sich in besonderem Maße für den Schutz und die Vernetzung von Lebensräumen einsetzen und somit zur Zukunft des Luchses in Thüringen beitragen.

Quelle: Pressemitteilung vom 22.08.2025
Foto: NABU
Veröffentlicht am von , Redakteur

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