09.04.2025 🤔2

Mietvertrag enthüllt: ThSV Eisenach zahlt weniger als ein Drittel der offiziellen Hallenmiete für die Werner-Aßmann-Halle

Ein veröffentlichter Mietvertrag zwischen dem ThSV Eisenach und der Stadt Eisenach sorgt für Diskussionen: Der Handball-Bundesligist zahlt deutlich unter dem regulären Satz für die Nutzung der Werner-Aßmann-Halle. Der Vorgang wirft auch ein neues Licht auf die Planungen rund um die geplante Wartburg-Arena.

Ein exklusiver Bericht der SPORT BILD vom 9. April 2025 bringt einen bislang nicht öffentlich bekannten Mietvertrag ans Licht, der zwischen dem ThSV Eisenach und der Stadt Eisenach geschlossen wurde. Laut dem Dokument zahlt die ThSV Marketing GmbH für die Nutzung der Werner-Aßmann-Halle einen monatlichen Mietzins in Höhe von 2.380 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der Vertrag wurde auf unbestimmte Zeit abgeschlossen und weicht laut SPORT BILD deutlich von der offiziellen Entgeltordnung der Stadt vom 18. Dezember 2006 ab.

Aus dem Vertrag geht zudem hervor, dass dem Verein wöchentlich 15 Stunden für den Trainingsbetrieb zur Verfügung stehen – montags bis freitags jeweils vormittags (09:00–10:30 Uhr) und abends (17:00–18:30 Uhr). Die Spielzeiten für Bundesliga-Heimspiele werden separat vereinbart und richten sich nach den offiziellen Ansetzungen.

Ein Vergleich mit der offiziellen Benutzungs- und Entgeltordnung vom 18. Dezember 2006 zeigt den Umfang der städtischen Unterstützung deutlich: Im Winterhalbjahr beträgt die stündliche Nutzungspauschale 212 Euro, im Sommer 91 Euro. Selbst bei konservativer Schätzung auf Basis der Trainingszeiten ergibt sich ein jährlicher Mietwert von über 100.000 Euro – der tatsächliche Vertrag liegt mit 28.560 Euro jährlich deutlich darunter.

Bereits 2014 hatte die Stadt Eisenach auf eine ähnliche Diskussion reagiert: In einer Pressemitteilung vom 11. April 2014 erklärte die damalige Oberbürgermeisterin Katja Wolf, dass der ThSV damals freiwillig 18.000 Euro jährlich für 17 Heimspiele zahlte – allerdings deutlich über dem damals geforderten Satz von 14.995 Euro.

Der aktuelle Vertrag wurde im nicht-öffentlichen Teil einer Stadtratssitzung beschlossen und ist unter Teilen der Kommunalpolitik umstritten. Kritikerinnen und Kritiker befürchten einen Einnahmeausfall von jährlich über 50.000 Euro für den städtischen Haushalt.

Die Diskussion um die Hallenmiete bekommt zusätzliche Brisanz angesichts des geplanten Baus der Wartburg-Arena, in die der ThSV langfristig umziehen soll. Die Werner-Aßmann-Halle, 1993 eröffnet, zählt mit rund 3.000 Plätzen zu den kleinsten Spielstätten der Handball-Bundesliga und gilt als sanierungsbedürftig. Die Wartburg-Arena hingegen soll 4.000 Plätze bieten und im ehemaligen BMW-Stammwerk entstehen. Die Baukosten werden derzeit auf rund 54 Millionen Euro geschätzt, davon sind im Haushalt 2025 3,4 Millionen Euro eingeplant. Eine Empfehlung des zuständigen Ausschusses sieht vor, die neue Halle zunächst in städtischer Eigenregie zu betreiben – der ThSV bliebe somit weiterhin Mieter, nicht Betreiber.

Wie SPORT BILD berichtet, empfiehlt der Ausschuss für Beteiligungen, Wirtschaft und Tourismus der Stadt Eisenach, die Wartburg-Arena nach Fertigstellung vorerst in Eigenregie durch die Stadt betreiben zu lassen. Für den ThSV Eisenach bedeutet dies, dass der Verein auch in der neuen Spielstätte nicht Betreiber, sondern weiterhin Mieter sein soll.

ThSV-Geschäftsführer René Witte erklärte gegenüber SPORT BILD: „Wir sind sehr froh, dass die Stadt uns als Bundesligaverein unterstützt und wir die Stadt bundesweit würdig vertreten dürfen.“

Quelle: SPORT BILD vom 9.4.2025
Foto: Metilsteiner, CC BY 3.0
Veröffentlicht am von , Redakteur

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