06.01.2026

NABU verleiht Negativpreis an Thüringer Agrarpolitik: Kritik an Blockade der Naturwiederherstellung

Der Naturschutzbund NABU hat den Negativpreis „Dinosaurier des Jahres 2025“ an die Unions-Landesagrarminister vergeben – darunter auch Thüringens Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John. Anlass ist die gemeinsame Forderung der CDU- und CSU-geführten Agrarministerien, die EU-Wiederherstellungsverordnung zur Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme aufzuheben. Die Auszeichnung richtet sich stellvertretend an Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk, betrifft jedoch ausdrücklich auch Thüringen, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Hintergrund ist ein Brief der Unions-Landesagrarminister an die EU-Kommission im Juni 2025, in dem sie sich gegen die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur aussprechen. Diese Verordnung soll den Zustand der Natur europaweit verbessern. Der NABU kritisiert, dass durch die ablehnende Haltung der Minister notwendige Lösungen für Land- und Forstwirtschaft verhindert werden. Martin Schmidt, Landesvorsitzender des NABU Thüringen, betont, dass die Wiederherstellung zerstörter Natur eine Investition in die Zukunft sei und für stabile Böden, gesunde Wälder und intakte Flusslandschaften sorge.

Der NABU verbindet mit der Preisvergabe die Forderung, die Zusammenarbeit zwischen Politik, Landwirtschaft und Naturschutz zu stärken statt zu schwächen. Schmidt schlägt vor, dass Thüringen den im Koalitionsvertrag vereinbarten Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen umsetzt und sich aktiv für die EU-Vorgaben einsetzt. Die Organisation erinnert daran, dass die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Verordnung maßgeblich mitentwickelt hat. Einer aktuellen Umfrage zufolge wünschen sich 85 Prozent der Bevölkerung mehr intakte Natur und eine konsequente Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung.

Der Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ wird seit 1993 jährlich an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich durch besonders rückschrittliches Engagement gegen Natur- und Umweltschutz hervorgetan haben. Zuletzt wurden unter anderem der Berliner Senat für dessen „Schneller-Bauen-Gesetz“ und der „Beschleunigungspakt“ der Ministerpräsidentenkonferenz ausgezeichnet. In Thüringen stehen Naturschutz und Artenvielfalt ohnehin unter Druck: Kürzungen bei Förderprogrammen und fehlende Mittel gefährden bereits bestehende Projekte, wie Umweltverbände betonen.

Quelle: Pressemitteilung vom 05.01.2026
Bild: ©NABU/Klemens Karkow
Veröffentlicht am von , Fachredakteur

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