29.10.2025

Naturnahe Gewässer statt Abschüsse: Umweltverbände kritisieren Kormoran-Jagd in Thüringen

Jährlich werden in Thüringen etwa 1.000 Kormorane abgeschossen, um nach offiziellen Angaben erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden und negative Auswirkungen auf die heimische Tierwelt zu verhindern. Der Naturschutzbund (NABU) Thüringen und der Verein Thüringer Ornithologen (VTO) halten dieses Vorgehen jedoch für wirkungslos und sprechen sich stattdessen für ökologische Maßnahmen zum Fischartenschutz aus.

Die Verbände argumentieren, dass der Schutz heimischer Fischarten langfristig nur durch die Wiederherstellung naturnaher Gewässer möglich sei. Nach Einschätzung von NABU und VTO sollte Thüringen verstärkt in die Renaturierung von Fluss- und Bachauen investieren und Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstrukturen und Reduzierung umweltschädlicher Stoffeinträge ergreifen. Angesichts des Klimawandels könnten diese Initiativen auch das Mikroklima verbessern und die Trinkwasserversorgung sichern, hieß es von den Organisationen. Laut den Verbänden ist es an der Landesregierung, den im Regierungsvertrag vereinbarten Aktionsplan für lebendige Gewässer umzusetzen.

Bezüglich der Kormoranabschüsse verweisen NABU und VTO darauf, dass der Brutbestand der Art in Thüringen seit Jahren nicht vorhanden ist. Die Kormorane, die im Land beobachtet werden, stammen meist aus anderen Regionen. Laut einem Bericht über die Kormoranpopulation gebe es keinen statistisch nachweisbaren Einfluss der jährlichen Abschüsse auf die Überwinterungszahlen in Thüringen, da Lücken von zugewanderten Tieren aus anderen Ländern ausgeglichen würden. Auch bei Graureihern werden ähnliche Vorgehensweisen kritisiert.

Für fischereiwirtschaftliche Anlagen empfehlen die Umweltverbände Alternativen wie nichttödliche Vergrämungsmethoden oder den Schutz durch Netze. Sie warnen davor, europaweit geschützte Vogelarten weiterhin zu bejagen, und fordern von der Landesregierung einen verstärkten Einsatz für naturnahe Gewässer – als nachhaltigen Weg zum Schutz bedrohter Fischarten.

Quelle: Pressemitteilung vom 28.10.2025
Foto: NABU
Veröffentlicht am von , Redakteur

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