Neuer Managementplan für Wölfe in Thüringen stößt bei NABU auf gemischte Reaktionen
Seit der Rückkehr des Wolfes in deutsche Wälder ist eine breite Debatte über den künftigen Umgang mit der streng geschützten Tierart entbrannt. Der nun vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten vorgestellte Managementplan Wolf wird vom NABU in weiten Teilen begrüßt, stößt aber beim sogenannten Bestandsmanagement auf deutliche Kritik.
Laut NABU Thüringen biete der am 27. August 2025 vorgestellte Managementplan erstmals eine sachorientierte und faktenbasierte Grundlage im Umgang mit Wölfen im Freistaat. Aus Sicht des Verbandes ermögliche das Konzept sowohl eine Stärkung der Akzeptanz in der Bevölkerung als auch mehr Klarheit für die Weidetierhaltung.
Allerdings äußert der NABU deutliche Bedenken hinsichtlich der Passage, die für den Fall eines als günstig bewerteten Erhaltungszustands des Wolfes ein aktives Bestandsmanagement vorsieht. Nach Angaben des Verbandes könnte dies einer Legitimierung der Jagd auf Wölfe gleichkommen. Silvester Tamás, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim NABU Thüringen, verweist darauf, dass eine Bejagung geschützter Arten auch bei günstigem Erhaltungszustand nicht automatisch vorgesehen sei. Die Aussicht, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, lehnt der Verband daher ab. Nach Ansicht von Tamás fördere ein derartiges Vorgehen weder den Herdenschutz noch die Weidetierhaltung.
Positiv bewertet der NABU Thüringen hingegen das Beteiligungsverfahren bei der Entwicklung des Managementplans. Der Verband hebt insbesondere den Fokus auf Herdenschutz und die Unterstützung von Weidetierhaltenden als wichtigen Schritt für eine konfliktärmere Koexistenz von Mensch, Tier und Weidewirtschaft hervor. Für eine weiterreichende Unterstützung hätte aus Sicht des NABU ein eigenständiges Herdenschutzzentrum in den Plan aufgenommen werden sollen, was jedoch nicht umgesetzt wurde.
Ein weiterer Aspekt, den die Naturschützer begrüßen, ist die Einbindung der Arbeitsgruppe Wolf/Luchs als beratendes Gremium beim Thüringer Umweltministerium. Dadurch solle nach NABU-Auffassung die Transparenz und die Akzeptanz für die Wolfsarbeit der Landesregierung gestärkt werden. Der aktuelle Managementplan markiert damit einen weiteren Schritt im Bemühen um den Ausgleich zwischen Artenschutz, Akzeptanz in der Bevölkerung und den Interessen der Weidetierhalter in Thüringen.
Quelle: Pressemitteilung vom 27.08.2025
Veröffentlicht am 28.08.2025 12:44 von Marcus Schütz, Fachredakteur
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