Optimismus und Herausforderungen: ThSV Eisenach zieht Bilanz zur Mitgliederversammlung 2025
Die Mitgliederversammlung des ThSV Eisenach e.V. im Juni 2025 bot einen umfassenden Einblick in die aktuelle Lage des traditionsreichen Handballvereins: Während die erste Männermannschaft sportlich in der Bundesliga überzeugt, beschäftigen Nachwuchssorgen, Infrastrukturfragen und Zukunftsprojekte wie das Handballinternat sowohl den Vorstand als auch Unterstützer und Mitglieder. Zahlreiche Ehrengäste würdigten den Verein, gleichzeitig wurde der Handlungsbedarf im Jugendbereich und bei den Hallenkapazitäten deutlich thematisiert.
Zu Beginn der Mitgliederversammlung wurde der Verstorbenen Ingo Hofmann, Bernhard Abel und Fritz Walther gedacht. Die Bedeutung des Vereins für die Region hoben mehrere Ehrengäste hervor. Michael Brodführer, Landrat des Wartburgkreises, bezeichnete den ThSV Eisenach als „Leuchtturm der Integration“ und hob den Beitrag für das gesellschaftliche Leben hervor. Er würdigte die sportlichen Erfolge, vor allem der zweiten Männermannschaft, und betonte die Wichtigkeit der neuen Wartburg-Arena als gemeinsames Projekt von Verein und Kreis.
Jonny Kraft, ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Eisenach, eröffnete mit Rückblicken auf die lange Liga-Tradition von Motor Eisenach sein Grußwort und lobte insbesondere die Bundesliga-Mannschaft als „Botschafter“ der Stadt. Er informierte, dass für das Infrastrukturprojekt Wartburg-Arena bereits Fördermittelbescheide und Erlaubnisse zum vorzeitigen Maßnahmebeginn vorlägen. Der Rückbau des alten Hallenteils sei für September 2025 terminiert, und das Team um Oberbürgermeister Christoph Ihling arbeite intensiv an der Umsetzung.
Joachim Preß von der Wartburg-Sparkasse hob die Rolle seines Hauses als Unterstützer im Bereich Kinder- und Jugendarbeit hervor. Er begrüßte das neue Handballinternat des ThSV Eisenach, das man gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt und der Wartburg-Sparkasse gegründet habe, mit dem Ziel, Talente gezielt zu fördern und an die 1. Mannschaft heranzuführen. Preß betonte zugleich, dass das Sponsoring mit Erwartungen verknüpft sei – insbesondere hinsichtlich einer nachhaltigen Perspektive für junge Sportler.
ThSV-Präsident Shpetim Alaj zog in seinem Rechenschaftsbericht eine sportlich erfreuliche Bilanz: Die Bundesligamannschaft habe in der Saison 2024/25 mit dem elften Tabellenplatz das Image als Fahrstuhlmannschaft endgültig abgelegt. Der Ligaerhalt wurde vorzeitig gesichert. Im Nachwuchsbereich betonte Alaj jedoch massive Probleme: Personelle Instabilität unter den hauptamtlichen Trainern und unzureichende Hallenzeiten erschwerten eine kontinuierliche Förderung. Alaj konstatierte, dass der Verein auch im innerthüringischen Vergleich infrastrukturell ins Hintertreffen geraten sei, zeigte sich aber hoffnungsvoll angesichts neuer Investitionen der Stadt. Die drei Bundesfreiwilligendienstleistenden (FSJler) sollen den Verein in der kommenden Saison unterstützen.
Eine „ermutigende Nachricht“ war laut Präsident Alaj der Start des Handballinternats im Vorjahr, wenngleich der Verein zunächst finanziell in Vorleistung gehen musste. Für das laufende zweite Jahr seien mehr Anmeldungen zu verzeichnen, was laut Alaj als Bestätigung für den eingeschlagenen Weg gewertet wird. Zugleich bleibt das Ziel, in den kommenden Jahren mit der A- und B-Jugend die Qualifikation für die Jugendbundesligen zu erreichen.
Im Bereich der sportlichen Leitung gab es personelle Veränderungen: Der frühere Nationalspieler Mark Dragunski wird ab dem 1. Juli 2025 die Position des Nachwuchskoordinators übernehmen. Sein Vorgänger Danijel Grgic verlässt den Verein. Auch die vakante Trainerstelle nach dem Ausscheiden von Andy Palm soll zeitnah neu besetzt werden. Die Verzahnung von Nachwuchs und Bundesligaabteilung, bislang bei anderen Vereinen etabliert, soll auch in Eisenach forciert werden.
In der Aussprache trugen Eltern aus der E-Jugend Sorgen vor, es gäbe derzeit kein Training für ihre Kinder. Der Vorstand sicherte Lösungen bis zu den Sommerferien zu und bat gleichzeitig um ehrenamtliches Engagement aus Reihen der Eltern.
Die sportlichen Ergebnisse der Nachwuchsteams fielen gemischt aus: Die A-Jugend wurde zwar Thüringenmeister, scheiterte aber schon in der Vorqualifikation zur Jugendbundesliga. Auch die B-Jugend schaffte es nach gutem Saisonabschluss nicht in die Bundesliga, während die C-Jugend den Landesmeistertitel knapp verpasste. Im D- und E-Jugendbereich wachsen laut Vorstandsbericht zwar Zahl und Begeisterung der Kinder, die sportliche Spitze jedoch befindet sich derzeit nicht konstant in Eisenach.
Erfolge gab es auch abseits des klassischen Männerhandballs: Die zweite Männermannschaft stieg als Thüringenmeister in die MHV-Regionalliga auf. Zudem feierten die Rollstuhl-Handballer „Blue Lions“ ihr Debüt in der Bundesliga, wo sie aktuell Platz zwei belegen.
Finanzvorstand Roberto Gewalt erläuterte, dass die Einnahmen und Ausgaben des Vereins im Geschäftsjahr mit rund 302.000 beziehungsweise 303.000 Euro nahezu ausgeglichen seien. Die Mitgliederversammlung entlastete daraufhin den Vorstand. Zudem beschloss die Versammlung, den Vorstand mit satzungsrechtlichen Klarstellungen zur künftigen Zusammenarbeit zwischen Verein und Bundesliga-Marketing GmbH zu beauftragen.
Ehrungen gab es unter anderem für Timothy Reichmuth als Übungsleiter-Nachwuchs und den langjährigen Unterstützer Raymond Walk. Präsident Alaj dankte abschließend allen Mitgliedern, Ehrenamtlichen und Partnern aus Stadt, Kreis, Land und Bund, insbesondere im Hinblick auf die Zukunftsprojekte. Gleichzeitig appellierte er an alle Mitglieder, sich bei der anstehenden Vorstandswahl im kommenden Jahr aktiv einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.
Quelle: ThSV vom 21.6.2025
Veröffentlicht am 21.06.2025 20:41 von Christian Wolf, Redakteur
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