Schmales Haus am Johannesplatz öffnet zum Denkmaltag – Inventarisierung abgeschlossen
Am Sonntag, 13. September 2026, können Interessierte das „Schmale Haus“ am Johannesplatz 9 in Eisenach von 11 bis 17 Uhr besichtigen. Zum Tag des offenen Denkmals 2026 werden Führungen durch die inzwischen weitgehend beräumten Räume angeboten. Das nur 2,05 Meter breite, 7,50 Meter tiefe und 8,50 Meter hohe Fachwerkhaus gilt als besondere Kuriosität in der Innenstadt und ist vielen Eisenachern als „Handtuch“ bekannt.
Im Inneren zeigt sich, wie extrem die Platzverhältnisse tatsächlich sind: Ein mittelgroßer Erwachsener kann mit ausgestreckten Armen beide Wände gleichzeitig berühren. Nach dem Tod des langjährigen letzten Besitzers und Bewohners, Klaus Trippstein, übernahm 2020 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit der treuhänderischen Denkmalstiftung Eisenach die Verantwortung für das rund 250 Jahre alte Reihenhaus.
In den vergangenen Monaten ist im Hintergrund intensiv gearbeitet worden. Das Dach wurde wetterfest gemacht, außerdem entstand ein virtuelles 3D-Modell, das einen digitalen Rundgang durch das Gebäude ermöglicht. Zahlreiche Objekte aus dem Musikzimmer des letzten Eigentümers gingen als Dauerleihgaben an das Lippmann+Rau-Musikarchiv für Jazz und populäre Musik und wurden dort bereits inventarisiert.
Die Inventarisierung des übrigen Kunstguts und weiterer Gegenstände wurde in der ersten Jahreshälfte 2026 fortgesetzt und ist inzwischen abgeschlossen. Insgesamt wurden weit über 400 Einzelobjekte dokumentiert und erfasst. Die betreffenden Stücke sind in ein Interimsdepot überführt worden, einzelne Objekte wurden an Familienangehörige oder frühere Weggefährten von Klaus Trippstein übereignet. Dadurch ist das Innere des Hauses Schritt für Schritt leerer geworden – eine Voraussetzung für die nun anstehenden baulichen Maßnahmen.
Parallel wurden erste Eingriffe an der Bausubstanz umgesetzt. Die Dachentwässerung ist erneuert worden, ein Regenfallrohr wurde in einer Hohlkehle des Nachbarhauses verlegt und an einen neuen Kanalanschluss angebunden. Die Denkmalstiftung Eisenach bedankt sich ausdrücklich bei der Geschäftsführung des Kaufhauses Schwager als direktem Nachbarn für die Zustimmung zu diesen Arbeiten. Finanziert wurden die Maßnahmen aus einem Sonderetat der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Wie es mit der Fassade weitergehen soll, hat Restauratorin Annemarie Grimm-Strangfeld untersucht. Sie analysierte Zustand und Farbigkeit der Straßenseite. Auf Basis dieser Befunduntersuchung wird eine dringende Instandsetzung empfohlen – inklusive Aufarbeitung von Fenstern und Türen. Vorgesehen ist ein spezieller Anstrich nach vorheriger Reinigung. Stark geschädigte Holzbereiche sollen ersetzt, weniger geschädigte ergänzt und gelockertes Schnitzwerk wieder fachgerecht befestigt werden.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum das schmale Gebäude bis heute auffällt. Errichtet wurde es Mitte des 18. Jahrhunderts als einfache Lückenbebauung in einer ehemaligen Tordurchfahrt. Um 1902 wurden die Nachbarhäuser abgebrochen und durch höhere Neubauten mit zwei zusätzlichen Geschossen und Mansarddächern ersetzt. Der damalige Eigentümer des „Schmalen Hauses“, Wilhelm Köhler, lehnte einen Abriss ab. Weil das Haus statisch mit den Nachbarbauten verbunden war, waren tiefgreifende Umbauten nötig.
In dieser Phase erhielt das zuvor schlicht gestaltete Gebäude seine bis heute prägende Fassade: eine aufwendig ausgeführte Fachwerkfront mit Elementen des Jugendstils und der Renaissance. Gleichzeitig wurde das Dachgeschoss zu einer vollwertigen Etage ausgebaut, das vorspringende erste Obergeschoss zurückgenommen, um eine einheitliche Fassadenflucht herzustellen, und ein freitragender Giebel mit schneckenförmigen Zierelementen aufgesetzt.
Über die Jahrhunderte profitierte das Haus von seinem Standort und seiner ungewöhnlichen Form. Neben Wohnräumen und einer kleinen Werkstatt waren im „Handtuch“ immer wieder Obst- und Gemüsehandlungen untergebracht. In den 1970er Jahren verhinderte Klaus Trippstein den drohenden Abriss in der DDR-Zeit, indem er das Gebäude 1973 erwarb und gemeinsam mit Freunden restaurierte. Zugleich etablierte er im Haus einen privaten Treffpunkt: In der „Montagsrunde“ wurde über zeitgeschichtliche, politische und philosophische Themen diskutiert.
Damit das „Schmale Haus“ auch künftig zu den innerstädtischen Sehenswürdigkeiten zählen kann, sind weitere Mittel nötig. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Denkmalstiftung Eisenach werben daher um Spenden für die anstehenden Arbeiten an Fassade und Ausstattung. Am Tag des offenen Denkmals wird ein Tischaufsteller bereitstehen, über den Besucherinnen und Besucher unkompliziert einen Beitrag zur denkmalgerechten Instandsetzung leisten können.
Eisenachs Bürgermeister Steffen Liebendörfer, zugleich Vorstand der Denkmalstiftung Eisenach, ruft dazu auf, das Projekt zu unterstützen. Sein Appell: „Helfen Sie mit, das ,Schmale Haus‘ langfristig zu bewahren.“ Weitere Informationen, den virtuellen Rundgang und Angaben zum Spendenkonto stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz online zur Verfügung.
Quelle: Pressemitteilung vom 08.09.2026
Fotos: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am 08.09.2026 13:20 von Christian Wolf, Redakteur


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