14.07.2025

Schock in Thüringen: Illegaler Wolfsabschuss entfacht Debatte über Naturschutz

Ein illegaler Wolfsabschuss in Thüringen sorgt für erhebliche Aufregung unter Naturschützern und wirft Fragen zum Umgang mit streng geschützten Tierarten auf. Der NABU Thüringen fordert nun verstärkte Ermittlungen und einen besseren Schutz für wildlebende Großraubtiere im Bundesland.

Nach Angaben des Thüringer Umweltministeriums wurde Ende 2023 in der Nähe von Hämbach und Bad Salzungen ein toter Wolf aufgefunden. Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin hätten nun ergeben, dass das Tier illegal erschossen wurde. Zunächst sei man von einem Verkehrsunfall als Todesursache ausgegangen, doch die forensischen Untersuchungen hätten laut Ministerium Klarheit über einen gezielten Abschuss gebracht.

Der NABU Thüringen zeigte sich in Reaktionen auf die Bekanntgabe entsetzt. Silvester Tamás, Sprecher des NABU Thüringen, erklärte, man habe gehofft, dass das Bundesland von derartigen Vorfällen verschont bleibe. Bereits in den Jahren 2022 und 2023 seien allerdings zwei Luchse illegal getötet worden. Laut NABU sei auch dort eine juristische Aufarbeitung bislang ausgeblieben, die Aufklärungsquote liege faktisch bei null. Tamás betonte, dies belege aus Sicht der Organisation die Notwendigkeit einer speziellen Einheit zur Ermittlung von Umweltstraftaten.

Nach deutschen sowie europäischen und internationalen Vorgaben stehen Wölfe und Luchse unter strengem Schutz. Beide Arten gelten als besonders gefährdet und sind gemäß § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes im gesamten Bundesgebiet geschützt. Verstöße gegen diese Regelungen können mit hohen Geldbußen oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden. Der NABU erinnerte daran, dass die Verantwortung für den Schutz dieser seltenen Arten auch bei den Ländern liege.

Der Verband kündigte an, Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft zu stellen. Gleichzeitig appellierte er an Politik und Verwaltung, sich verstärkt für Herdenschutz und Akzeptanzförderung einzusetzen. Das bloße Fordern von Jagdfreigaben sei aus Sicht des NABU kontraproduktiv und helfe den Weidetierhaltern nicht weiter.

Hintergrund ist die wachsende Wolfs- und Luchspopulation in Deutschland. Nach wie vor seien beide Arten im „Grünen Herzen Deutschlands“ jedoch extrem selten, was den Schutzbedarf besonders hoch mache. Der NABU weist darauf hin, dass Konflikte wie Risse bei Weidetieren vor allem durch wirksame Schutzmaßnahmen und entsprechenden Ausgleich gelöst werden sollten, statt auf eine Aufweichung des Artenschutzes zu setzen.

Quelle: Pressemitteilung vom 14.7.2025
Foto: NABU
Veröffentlicht am von , Redakteur

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