07.07.2026 😤1

Sommertour in Stregda: OB Ihling zwischen Dorfgemeinschaft und Biogas-Debatte

Oberbürgermeister Christoph Ihling hat seine Sommertour 2026 im Eisenacher Ortsteil Stregda gestartet. Beim Besuch im Sportlerheim informierte er sich über anstehende Sanierungsarbeiten am Gebäude und stellte sich zugleich den Fragen zahlreicher Bürgerinnen und Bürger zur geplanten Biogasanlage und zur Legehennenhaltung auf dem Reitenberg. Die Diskussion um Energieversorgung, Tierhaltung und Lebensqualität im Ort prägte den Abend deutlich.

Das Sportlerheim direkt am Sportplatz wird seit Jahren schrittweise erneuert. Nach der bereits umgesetzten Dachsanierung steht nun die energetische Ertüchtigung der Fassade an. Möglich wird der nächste Bauabschnitt durch Mittel aus dem europäischen LEADER-Programm. Geplant ist ein Wärmedämmverbundsystem, das den Energieverbrauch senken und die laufenden Betriebskosten verringern soll. Der Baustart an der Fassade ist nach Angaben der Stadt noch im Juli vorgesehen.

Parallel zur Dämmung soll das Gebäude barrierearm umgestaltet werden, damit es von allen Generationen besser genutzt werden kann. Die Gesamtkosten für den aktuellen Bauabschnitt liegen bei rund 34.400 Euro. Etwa 20.600 Euro kommen aus LEADER-Fördermitteln, den verbleibenden Eigenanteil von rund 13.800 Euro trägt die Stadt Eisenach.

Für Stregda hat das Sportlerheim eine doppelte Funktion: Es dient nicht nur Sportlerinnen und Sportlern, sondern wird auch als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Neben den Sitzungen des Ortsteilrats treffen sich dort unter anderem Heimat- und Feuerwehrverein, Kirmesverein, Blaskapelle sowie verschiedene Sport-, Bastel- und Seniorengruppen. Ortsteilbürgermeister Mathias Kraus kündigte an, dass sich die Einwohnerinnen und Einwohner auch bei den kommenden Arbeiten wieder mit Eigenleistungen einbringen wollen.

Als weiteres Vorhaben nannte Kraus die Neugestaltung des Platzes oberhalb der Einfahrt zum Sportlerheim. Entwürfe dafür liegen bereits vor und sollen der Stadtverwaltung zur weiteren Bearbeitung übergeben werden. Damit bleibt die Aufwertung des Areals rund um das Sportlerheim ein zentrales Thema im Ortsteil.

Großen Raum nahm bei der Sommertour die Debatte um die geplante Biogasanlage in der Gemarkung Stregda ein. Ihling hatte dem Stadtrat vorgeschlagen, für eine Fläche nahe der Stadtumgehung ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten. In der Anlage soll Biogas in einem Blockheizkraftwerk zu Wärme und Strom umgewandelt werden. Als Ausgangsstoffe sind Hühnermist aus der geplanten Legehennenanlage auf dem Reitenberg sowie Grünschnitt aus landwirtschaftlichen Betrieben der Region vorgesehen.

Der Oberbürgermeister betonte, dass die Stadt mit dem Bebauungsplanverfahren zunächst die Voraussetzungen schaffen wolle, um das Vorhaben fachlich zu prüfen. Hintergrund ist das Ziel, fossile Energieträger wie Erdgas schrittweise durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Aufgrund des vorgesehenen Standorts könnte die erzeugte Wärme in das bestehende Fernwärmenetz eingespeist werden, das unter anderem den Norden der Stadt versorgt.

Viele Detailfragen der Anwohnerinnen und Anwohner blieben bei dem Termin jedoch offen. Nach Angaben der Stadt können Aspekte wie die genaue Größe und Lautstärke der Anlage, mögliche Geruchsbelastungen, der Erhalt eines Frischluftkorridors, zusätzlicher Lkw-Verkehr oder die Wirtschaftlichkeit des Projekts derzeit noch nicht abschließend beantwortet werden. Diese Punkte sollen im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens geprüft werden.

Auch die geplante Legehennenhaltung auf dem Reitenberg war Thema der Diskussion. Kritische Nachfragen betrafen vor allem Tierwohl, Emissionen und Auswirkungen auf die Umgebung. Ihling verwies auf die in Deutschland geltenden Standards für das Tierwohl, machte aber deutlich, dass Fragen des Tierschutzes nicht vom Eisenacher Stadtrat entschieden werden. Grundsätzlich begrüßt er Investitionen, die Arbeitsplätze schaffen und bestehende landwirtschaftliche Flächen wieder nutzbar machen. Auf dem Reitenberg soll eine brachliegende Anlage reaktiviert werden.

Der Oberbürgermeister hob in Stregda die mögliche regionale Wertschöpfung des Gesamtprojekts hervor: von der Eierproduktion über die Nutzung von Hühnermist und Grünschnitt bis hin zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Das geplante Blockheizkraftwerk wäre nach seinen Angaben grundlastfähig und könnte damit auch dann Wärme und Strom liefern, wenn Photovoltaik- oder Windkraftanlagen keinen Ertrag bringen.

Die Entscheidung des Stadtrats über die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens „Biogaserzeugung Stregda“ wurde in der jüngsten Sitzung vertagt. Damit soll mehr Zeit für Erläuterungen, Nachfragen und Diskussionen bleiben. Aus Stregda wurde bereits angekündigt, einen Einwohnerantrag gegen das Vorhaben einzureichen.

Unabhängig von der Auseinandersetzung um Biogas und Legehennenhaltung bekräftigte Ihling, dass die Stadtverwaltung Projekte in den Ortsteilen weiterhin unterstützen will. Das laufende Vorhaben am Sportlerheim in Stregda sieht er als Beispiel dafür, wie kommunale Mittel, Förderprogramme und ehrenamtliches Engagement zusammenwirken können.

Für die Menschen in Stregda bleibt die Lage damit zweigeteilt: Einerseits stehen konkrete Verbesserungen am Dorfgemeinschaftshaus an, andererseits laufen intensive Diskussionen über die künftige Nutzung von Flächen zwischen Reitenberg und Stregda und deren Auswirkungen auf Alltag, Landschaft und Energieversorgung im Ort.

Quelle: Pressemitteilung vom 07.07.2026
Fotos: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am von , Redakteur

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