ThSV Eisenach bricht in Erlangen ein – Schneibel feiert Comeback
Der ThSV Eisenach hat am Montagabend in der PSD Bank Nürnberg Arena lange an einem Punktgewinn geschnuppert, ist am Ende aber deutlich eingebrochen. Beim HC Erlangen lagen die Wartburgstädter in der 50. Minute nur mit 19:20 zurück, kassierten dann jedoch einen 0:8-Lauf und verloren die Bundesligapartie schließlich mit 19:28 (11:14). Für einen positiven Akzent sorgte das Pflichtspiel-Comeback von Rückraumspieler Jannis Schneibel nach 660 Tagen Verletzungspause.
„Das Ergebnis täuscht, wir befanden uns lange auf Tuchfühlung, besaßen die Chance auf Zählbares, doch wir ließen zu viele gute Torchancen ungenutzt, uns unterliefen zu viele Fehler“, bilanzierte Maik Nowak, Sportlicher Leiter des ThSV Eisenach. Die Wurfquote der Gäste lag bei nur 50 Prozent. Erlangens Torwart Pierre Rubens kam auf eine Fangquote von 44 Prozent und entschärfte vor allem Würfe aus kurzer Distanz.
Außen David More, der bei vier Treffern ohne Fehlwurf blieb, fand deutliche Worte: „Wir sind aufgrund unserer guten Abwehr lange dran, laufen aber einem 1- bis 2-Tore-Rückstand hinterher. Dann fehlte uns die Coolness beim Torwurf. Mit der Summe von Fehlwürfen und technischen Fehlern ist kein Bundesligaspiel zu gewinnen.“ Torhüter Matija Spikic steuerte zehn Paraden bei, konnte den Einbruch in der Schlussphase aber nicht verhindern. „Unsere Abwehr stand gut, doch durch die vielen Fehler im Angriff mussten wir viele einfache Gegentore hinnehmen“, so der Keeper.
Unter den 4.271 Zuschauern in der 8.300 Besucher fassenden Arena war auch der frühere Eisenacher Trainer Rainer Osmann, der seit einigen Jahren in Franken lebt. „Bis zur 50. Minute war es eine ausgeglichene Partie, nicht von hoher Qualität. Viele technische Fehler auf beiden Seiten, vielleicht auch der Bedeutung der Partie geschuldet“, sagte Osmann. Der 0:8-Lauf der Eisenacher in den letzten Minuten habe ihn überrascht.
HC-Coach Sebastian Hinze sprach von einer „überragenden Abwehr“ seines Teams, sah aber ebenfalls Schwächen im Angriff. „Wir hatten zunächst Schwierigkeiten offensiv ins Spiel zu finden, fanden dann aber zu mehr Struktur. Im zweiten Abschnitt fanden wir gute Lösungen, schlossen unsere Angriffe aber schlecht ab. Aus Nahdistanz lag unsere Wurfquote bei nur 80 Prozent“, erklärte er. Eine Schlüsselszene war die Rote Karte gegen Eisenachs Rückraum-Innenblockspieler nach der dritten Zeitstrafe in der 53. Minute, die die Gäste in der Defensive zusätzlich schwächte.
In der hektischen Schlussphase kochten auch die Emotionen hoch. Nach mehreren umstrittenen Pfiffen gegen sein Team warf der Eisenacher Trainer aus Frust ein Handtuch aufs Feld und erhielt dafür eine Zwei-Minuten-Strafe. „Ich habe mich wegen dieser Zeitstrafe schon bei der Mannschaft entschuldigt“, sagte Hinze später bei der Pressekonferenz. Bereits in der ersten Halbzeit hatte er Felix Aellen nach einem Umknicken ersetzen müssen; Vukasin Antonijevic kam für ihn ins Spiel.
Für einen emotionalen Moment sorgte die Rückkehr von Jannis Schneibel. Der 26-jährige Rückraumspieler stand nach 660 Tagen erstmals wieder in einem Pflichtspiel auf dem Parkett. Sein letztes Pflichtspiel hatte er noch für HBW Balingen-Weilstetten bestritten. „Für dieses Comeback habe ich lange gearbeitet. Die Arbeit hat sich ausgezahlt. Ich habe mich mega gefreut, wieder mitwirken zu können“, sagte Schneibel. Im Januar und Mai 2025 musste er sich zwei Knie-Operationen am vorderen Kreuzband unterziehen, es folgten zahlreiche Reha-Tage. Die Vorbereitung auf die aktuelle Saison absolvierte er bereits komplett mit der Mannschaft, seit fünf Wochen ist er wieder voll im Training. „Ich hoffe, gesund und fit zu bleiben, mehr Rhythmus zu bekommen und den Jungs helfen zu können“, blickt er voraus.
Rund 50 blau-weiße Fans hatten den weiten Weg nach Nürnberg auf sich genommen und unterstützten den ThSV über die gesamte Spielzeit lautstark. Nach der Partie bedankte sich die Mannschaft bei den mitgereisten Anhängern auf dem Feld.
Bereits am Donnerstag, 01.10.2026, steht für den ThSV Eisenach das nächste wichtige Spiel in der Opel Handball-Bundesliga an. Um 19.00 Uhr empfängt die Mannschaft in der heimischen Werner-Aßmann-Halle den TVB Stuttgart, bei dem mehrere frühere Eisenacher im Kader stehen. Eintrittskarten für das Duell gegen Stuttgart sind online über die Vereinsseite erhältlich.
Statistik HC Erlangen – ThSV Eisenach 28:19 (14:11)
HC Erlangen: Pierre (14 P.), Herceg; Bandlow 2, Nissen 5, Y. Bialowas 5/2, Överjordet, Scheerer 2, Firnhaber, Bissel 1, Morante Maldonado 4, Lochman 2, L. Bialowas 1, Steinert 1, V. Kristjansson 2/1, Gebala 2, Gömmel.
ThSV Eisenach: Spikic (10 P.), Grupe (1 P.); Joelsson 1, Scholtes 1, Attenhofer 3, Walz 1, More 4, Ende, Aellen 2/2, Solak 2, Antonijevic 2, Seitz 2, Kurch, Schneibel, Montebovi, Leu 1.
Zeitstrafen: HC Erlangen 5 x 2 Min.; ThSV Eisenach 6 x 2 Min., Rote Karte gegen Solak nach der dritten Zeitstrafe (53.).
Siebenmeter: HC Erlangen 3/5; ThSV Eisenach 2/2.
Schiedsrichter: Bona/Frank.
Zuschauer: 4.271 (PSD Bank Nürnberg Arena, Nürnberg).
Quelle: Pressemitteilung vom 29.09.2026
Veröffentlicht am 29.09.2026 12:46 von Christian Wolf, Redakteur
Kommentare