ThSV Eisenach trennt sich von Geschäftsführer René Witte – Oßwald und Krauß übernehmen
Beim ThSV Eisenach ist es am Mittwoch, 06. Mai 2026, zu einem tiefgreifenden Einschnitt in der Führungsebene gekommen: Geschäftsführer René Witte und die ThSV Marketing GmbH, die den Profibetrieb des Bundesligisten steuert, gehen mit sofortiger Wirkung getrennte Wege. Die Gesellschafter fassten den entsprechenden Beschluss in einer außerordentlichen Versammlung am Vormittag, die Entscheidung wurde anschließend in einer Mitteilung des Klubs bestätigt.
In der offiziellen Erklärung heißt es, man habe sich „einvernehmlich“ auf das sofortige Ende der Zusammenarbeit verständigt. Nach Angaben des Vereins sei man in einem „sehr offenen Gespräch“ zu der Überzeugung gelangt, dass „zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Moment für Veränderungen gekommen ist“. Witte war seit 2019 als Geschäftsführer der ThSV Marketing GmbH im Handelsregister eingetragen und hatte den Profibereich damit über mehrere Spielzeiten in der Bundesliga begleitet.
René Witte selbst blickt in der Mitteilung positiv auf seine Amtszeit zurück. Er spricht von „knapp 8 Jahren erfolgreicher Arbeit“ und bedankt sich bei den Verantwortlichen für die gemeinsame Zeit. Zugleich betont er, es sei ihm eine Ehre gewesen, für den Verein zu arbeiten, und richtet seinen Dank auch an Sponsoren und Fans.
Die Aufgaben in der Geschäftsführung werden laut Klubangaben ab sofort intern neu verteilt. Künftig sollen Günter Oßwald und Peter Krauß die Verantwortung übernehmen. Oßwald ist seit Jahren als Unternehmer und Sponsor mit dem Verein verbunden und einer der Gesellschafter der ThSV Marketing GmbH, Krauß fungiert im Stammverein ThSV Eisenach e.V. als Vizepräsident. Der Verein spricht von einer „nahtlos gewährleisteten Kontinuität“ in der Geschäftsführung.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer längeren Phase der Unruhe im Umfeld des ThSV. Bereits in den vergangenen Jahren waren Entscheidungen der Vereinsführung und die Rolle der Marketing GmbH wiederholt Thema – unter anderem im Zusammenhang mit der Zukunft von Trainer Misha Kaufmann und der internen Kommunikation. Im Dezember 2025 hatten die Gesellschafter nach einer Analyse strukturelle Veränderungen angekündigt, sich damals aber noch ausdrücklich hinter Geschäftsführer Witte gestellt.
Zuletzt sorgte Anfang Mai 2026 ein Bericht über eine Online-Petition für zusätzliche Brisanz. Eine Gruppe mit dem Namen „ThSV ImHerzen“ hatte demnach einen offenen Brief an das Präsidium des ThSV Eisenach e.V. vorbereitet. Darin werden laut Darstellung von sportbild.de Fragen nach der wirtschaftlichen Situation, möglichen Zahlungsschwierigkeiten und der Zusammenarbeit zwischen Verein und ThSV Marketing GmbH aufgeworfen. Der offene Brief selbst ist derzeit öffentlich nicht einsehbar, die Inhalte lassen sich daher nicht unabhängig überprüfen.
Die Initiatoren der Petition fordern nach diesen Berichten eine klare und zeitnahe Kommunikation gegenüber den Mitgliedern und stellen mehrere konkrete Fragen an den Vereinsvorstand um Präsident Shpetim Alaj und Vizepräsident Peter Krauß. Unter anderem geht es um die Einordnung kolportierter wirtschaftlicher Schwierigkeiten, um mögliche ausstehende Zahlungen der Marketing GmbH und um die Frage, ob rechtliche Möglichkeiten des Vereins als Mehrheitsgesellschafter ausreichend genutzt werden.
Mit der nun vollzogenen Trennung von René Witte rückt die Verantwortung noch stärker auf die Schultern der neuen Doppelspitze in der Geschäftsführung. Oßwald und Krauß stehen vor der Aufgabe, die laufende Bundesligasaison organisatorisch zu stabilisieren und zugleich Vertrauen bei Mitgliedern, Sponsoren und Fans zurückzugewinnen. Wie sie die angekündigten „Veränderungen“ konkret ausgestalten wollen und ob es zeitnah eine umfassendere Stellungnahme zur wirtschaftlichen Lage und zur Rolle der Marketing GmbH geben wird, ist derzeit offen.
Fest steht: Die personelle Neuaufstellung an der Spitze der ThSV Marketing GmbH markiert einen weiteren Wendepunkt in einer ohnehin angespannten Phase. Für den Verein geht es nun darum, sportliche Ziele und interne Klärungsprozesse so zu verbinden, dass die Handball-Bundesliga in Eisenach langfristig gesichert bleibt.
Quelle: Pressemitteilung vom 06.05.2026
Veröffentlicht am 06.05.2026 13:39 von Christian Wolf, Redakteur
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