ThSV Eisenach verliert Heimspiel gegen Lemgo – Abwehr bricht nach der Pause ein
Der ThSV Eisenach hat am Freitagabend, 23. Mai 2026, einen wichtigen Schritt in Richtung rechnerischen Klassenerhalt verpasst. In der ausverkauften Werner-Aßmann-Halle unterlag der Aufsteiger dem TBV Lemgo Lippe mit 34:38 (14:15). Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit verlor Eisenach direkt nach dem Seitenwechsel den Zugriff in der Abwehr und lief anschließend konstant einem Rückstand von vier bis fünf Toren hinterher.
Beide Teams mussten auf mehrere Stammkräfte verzichten. Beim ThSV fehlten erneut Dominik Solak, Philipp Meyer, Max Beneke und Silvio Heinevetter. Torwarttrainer und Teammanager Stanislaw Gorobtschuk rückte deshalb ins Aufgebot und ersetzte zwischen der 43. und 56. Minute den glücklosen Matija Spikic im Tor. Das Torhüterduell entschied Lemgos Keeper Urh Kastelic klar für sich: Für ihn wurden 12 Paraden notiert, während Spikic und Gorobtschuk zusammen nur auf 6 gehaltene Würfe kamen.
Spielentscheidend war aus Sicht beider Trainer der Start in die zweite Halbzeit. Aus dem knappen 14:15-Pausenstand machte Lemgo mit einem 5:1-Lauf ein 15:20 (36. Minute). „Wir haben damit die Kontrolle über das Spiel übernommen, der Abstand blieb“, bilanzierte TBV-Coach Florian Kehrmann, seit 2014 Cheftrainer der Ostwestfalen. Eisenachs Trainer Sebastian Hinze sah den Knackpunkt in der Defensive: In der ersten Halbzeit sei die Partie noch ausgeglichen gewesen, nach der Pause habe sein Team defensiv keinen Zugriff mehr gefunden.
Auch die Spieler fanden deutliche Worte. Rechtsaußen Moritz Ende, der drei Treffer erzielte, verwies darauf, dass 34 eigene Tore in einem Heimspiel normalerweise für einen Sieg reichen müssten. Das Problem habe klar in der Abwehr gelegen. Abwehrspezialist Tillman Leu sprach davon, man sei „hinterlaufen, überlaufen und überworfen“ worden. Absprachen im Innenblock mit Justin Kurch hätten nicht wie gewohnt funktioniert, die Kommunikation habe gefehlt.
Lemgo nutzte die Lücken konsequent. Besonders die Rückraumspieler Hendrik Wagner (9 Treffer bei 10 Versuchen) und Niels Versteijnen (8/12) trafen aus der Distanz häufig nahezu ohne Körperkontakt. Für Eisenach waren Felix Aellen mit 8 Toren (davon 4 Siebenmeter) und Stephan Seitz mit 7 Treffern die erfolgreichsten Werfer. Oskar Joelsson steuerte 5 Tore bei, Moritz Ende kam auf 3 Treffer.
Positiv aus Eisenacher Sicht: Rückraumspieler Aleksandar Capric feierte nach langer Verletzungspause sein erstes Heimspiel-Comeback und erzielte auch sein erstes Tor. Langzeitverletzter Jannis Schneibel erlebte die Partie von der Tribüne aus. Er sprach von einer zu hohen Hypothek durch den 1:5-Lauf nach Wiederanpfiff, freute sich aber darüber, die Atmosphäre in der Halle wieder live mitzunehmen und hofft auf ein Comeback in der kommenden Saison.
TBV-Trainer Florian Kehrmann sprach von einer „Willensleistung“ und einem „Abnutzungskampf“. Seine Mannschaft, die ebenfalls verletzungsbedingt auf A-Jugend-Spieler im Kader zurückgreifen musste, habe über 60 Minuten ihren Plan durchgezogen. Lemgo ist in dieser Saison im oberen Tabellendrittel unterwegs und spielt um die internationalen Plätze mit – auch, weil der Kern der Mannschaft über Jahre zusammengehalten und punktuell verstärkt wurde.
In der Tabelle verpasste es der ThSV, den Klassenerhalt aus eigener Kraft endgültig klarzumachen. Neu-Nationalspieler Vincent Büchner, der vier Treffer erzielte, hätte den Ligaverbleib lieber auf dem Feld als später auf der Couch besiegelt. Gewinnen Wetzlar (gegen Erlangen) oder Minden (in Gummersbach) ihre Partien nicht, wäre Eisenach auch theoretisch nicht mehr einzuholen.
Die Partie war vor 2.850 Zuschauern in der Werner-Aßmann-Halle früh von hohem Tempo geprägt. Eisenach führte zunächst 7:5 (12. Minute), geriet dann aber mit 9:11 (22.) in Rückstand. Bis zum 13:13 (25.) blieb das Spiel offen, ehe Lemgo zur Pause knapp vorne lag. Nach dem 15:20 (36.) wuchs der Abstand zwischenzeitlich auf 22:28 (45.) und 30:36 (57.) an, ehe der Endstand von 34:38 feststand. Vom Siebenmeterstrich verwandelte Eisenach 4 von 5 Würfen, Lemgo blieb mit 3 von 3 Versuchen fehlerfrei. Bei den Zeitstrafen lag der ThSV mit vier Hinausstellungen gegenüber einer auf Lemgo-Seite vorn.
Für die Mannschaft von Sebastian Hinze bleibt nach der Pfingstpause wenig Zeit, um die Defensivprobleme zu korrigieren. Die kommenden Spiele entscheiden darüber, ob der Klassenerhalt sportlich auf dem Feld gefeiert werden kann oder rechnerisch von Ergebnissen der Konkurrenz abhängt.
Quelle: Pressemitteilung vom 23.05.2026
Veröffentlicht am 23.05.2026 11:39 von Christian Wolf, Redakteur
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