ThSV Eisenach wählt Ex-Nationalspieler Jürgen Beck zum Präsidenten
Führungswechsel beim ThSV Eisenach: Auf der Mitgliederversammlung am 9. Juli 2026 ist der frühere DDR-Nationalspieler Jürgen Beck einstimmig zum neuen Präsidenten des Bundesligisten gewählt worden. Der 66-Jährige übernimmt das Amt von Shpetim Alaj, der nach rund achteinhalb Jahren an der Spitze des Vereins aufhört. Beck steht damit in einer Phase an der Vereinsspitze, in der der Club seine Strukturen neu ordnet und die wirtschaftliche Basis stabilisieren will.
Über die Wahl und die Hintergründe des Wechsels hatte zunächst SportBILD und der MDR berichtet. So schildert Beck, warum er sich die Aufgabe noch einmal zutraut: Er sei „ein Stück vom Verein“ und seit Jahrzehnten eng mit dem ThSV verbunden.
Beck ist seit 1975 beim ThSV aktiv, spielte sich zum DDR-Nationalspieler hoch und führte die Mannschaft Ende der 1990er Jahre als Kapitän in die Bundesliga. Seine Wahl fiel auf der Mitgliederversammlung, die im Foyer der Werner-Aßmann-Halle stattfand und auf der neben der Neuwahl des Vorstandes auch eine Satzungsänderung zur Zusammenarbeit mit der ThSV-Marketing GmbH auf der Tagesordnung stand. Bereits im Vorfeld war angekündigt worden, dass die Strukturen zwischen Stammverein und Marketing GmbH klarer geregelt werden sollen.
In einem Gespräch mit der „Thüringer Allgemeinen“ betonte Beck nach der Wahl, er freue sich über das einstimmige Votum und hoffe, dass interne Konflikte künftig der Vergangenheit angehören. Hintergrund sind Auseinandersetzungen der vergangenen Monate, in denen es immer wieder um Zuständigkeiten, Gesellschafteranteile und den Umgang mit wirtschaftlichen Problemen ging. Der Verein hatte zuletzt ein Minus von 32.500 Euro unter anderem im Bereich Internat und Jugendteams ausgewiesen, das durch Sponsoren ausgeglichen wurde.
Bereits im Frühjahr hatten die Gesellschafter der ThSV-Marketing GmbH personelle Konsequenzen gezogen und sich von Geschäftsführer René Witte getrennt. Seitdem führen Günter Oßwald und Peter Krauß die Geschäfte kommissarisch. Beide sind auch in der aktuellen Strukturreform zentrale Figuren: Oßwald und Krauß sollen sich als Gesellschafter in der Marketing GmbH um eine weitere wirtschaftliche Stabilisierung kümmern, Krauß übernimmt zusätzlich die Rolle des Vizepräsidenten und soll als Bindeglied zwischen Verein und GmbH fungieren.
Ein Kernpunkt der Neuaufstellung ist eine veränderte Entscheidungsstruktur. Künftig sollen grundlegende Richtungsentscheidungen mit einer Dreiviertelmehrheit getroffen werden. Damit sind Verein und Gesellschafter gezwungen, zentrale Fragen gemeinsam zu klären. Zudem ist vorgesehen, einen Kontrollausschuss einzusetzen, der die Finanzen der Marketing GmbH überwacht. Ziel ist es, Transparenz zu erhöhen und Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Parallel zum Umbau der Gremien arbeitet der Club weiter daran, seine wirtschaftliche Lage zu konsolidieren. In den vergangenen Monaten war wiederholt von Verbindlichkeiten gegenüber Dienstleistern und einem notwendigen Sparkurs die Rede. Nach Angaben der Verantwortlichen sollen bestehende Schulden schrittweise abgebaut werden, ohne den Bundesligabetrieb zu gefährden. Gespräche mit Sponsoren laufen weiter, um den Etat für die kommende Saison abzusichern.
Sportlich richtet sich der Blick bereits auf die vierte Erstliga-Saison in Folge. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze startet am 13. Juli 2026 in die Vorbereitung, geplant sind mehrere Testspiele sowie ein Trainingslager im August. Der Kader wurde im Vergleich zur Vorsaison verjüngt, einige Leistungsträger haben den Verein verlassen, dafür sind junge Spieler mit Bundesliga-Perspektive dazugekommen.
Für Mitglieder, Fans und Sponsoren verbindet sich mit der Wahl von Jürgen Beck die Hoffnung auf mehr Ruhe in den Gremien und klare Zuständigkeiten. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, die wirtschaftliche Basis zu stärken und den Profibetrieb dauerhaft zu sichern. Die kommenden Monate dürften zeigen, wie gut das Zusammenspiel zwischen dem neuen Präsidenten, dem Vorstand des Vereins und den Gesellschaftern der Marketing GmbH funktioniert – und ob es gelingt, die sportliche Erfolgsgeschichte in der Bundesliga mit stabilen Strukturen im Hintergrund zu untermauern.
Quelle: SPORT BILD vom 10.07.2026
Veröffentlicht am 10.07.2026 20:39 von Christian Wolf, Redakteur
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