30.05.2026

ThSV Eisenach zwingt Füchse Berlin in Tor-Spektakel auf Augenhöhe

Der ThSV Eisenach hat am Freitagabend in der Werner-Aßmann-Halle dem Champions-League-Final4-Teilnehmer Füchse Berlin alles abverlangt. Vor 2.850 Zuschauern, die Arena war ausverkauft, unterlagen die Wartburgstädter nach einem offensiven Schlagabtausch nur knapp mit 38:41 (14:17). Trotz eines zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Rückstands kämpfte sich Eisenach zurück, ging sogar in Führung und wurde von den Rängen minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert.

Die Ausgangslage war alles andere als einfach: Der ThSV musste erneut ohne die verletzten Stammkräfte Dominik Solak, Philipp Meyer, Max Beneke und Silvio Heinevetter auskommen, kurzfristig fiel zudem Alexander Saul aus. Erstmals saß Eigengewächs Marec Stupka (19) im Bundesligakader auf der Bank. Die Gäste aus Berlin reisten bis auf den langzeitverletzten Fabian Wiede mit vollem Aufgebot an.

Von Beginn an entwickelte sich ein hochintensives Spiel. Eisenach startete mit Timothy Reichmuth und dem früheren Berliner Moritz Ende auf den Außenbahnen, im Rückraum agierten Oskar Joelsson, Felix Aellen und Stephan Seitz, am Kreis Tillman Leu, dahinter im Tor Matija Spikic. Früh setzte Seitz mit dem 3:1 (4. Minute) ein Ausrufezeichen, die Füchse gerieten unter Druck. Auf Berliner Seite übernahm der dänische Welthandballer Mathias Gidsel Verantwortung, provozierte Zeitstrafen und sorgte gemeinsam mit Rückraumkollege Lasse Andersson immer wieder für Lücken in der Eisenacher Defensive.

Die Thüringer versuchten es phasenweise mit dem siebten Feldspieler. Ballverluste in dieser Phase nutzte Gidsel eiskalt zu Treffern ins leere Tor, Berlin setzte sich bis zur Pause auf 17:14 ab. Auffällig: Trotz 41 Gegentoren insgesamt bewerteten die Eisenacher ihre Abwehrleistung im Vergleich zu den Vorwochen als verbessert, auch weil Spikic und später Matija Soikic wichtige Würfe parierten.

Nach dem Seitenwechsel schien sich das Spiel zunächst in Richtung des Favoriten zu neigen. Die Füchse zogen auf 20:15 (35.) davon, doch der ThSV gab sich nicht geschlagen. Angetrieben von der lautstarken Kulisse legten die Gastgeber ein hohes Tempo vor, suchten konsequent den Weg über die Kreismitte und nutzten Lücken im Innenblock der Berliner. Immer wieder wurde Kreisläufer Tillman Leu in Szene gesetzt, der am Ende auf sechs Treffer kam.

Die Schlüsselszene der Aufholjagd leitete Linksaußen Vincent Büchner ein: Am Vorabend seines 28. Geburtstags stahl er den Ball aus den Reihen der Füchse und vollendete per Tempogegenstoß zum 28:28 (46.). Kurz darauf parierte Soikic, der nächste Gegenstoß rollte – Kapitän Peter Walz traf zum 29:28 (47.). Die Halle stand Kopf, die Zuschauer feierten ihr Team mit Standing Ovations.

In dieser Phase hätte die Partie in beide Richtungen kippen können. Doch nach der Führung schlichen sich beim ThSV einige technische Fehler ein. Rückraumspieler Oskar Joelsson, mit acht Treffern aus zehn Würfen einer der auffälligsten Eisenacher, ärgerte sich hinterher besonders über diese Minuten, in denen Berlin wieder auf drei Tore davonzog. Lasse Andersson und Matthes Langhoff stellten mit ihren Treffern auf 34:31 für die Gäste (52.).

Dennoch blieb Eisenach dran. Felix Aellen erhöhte im Angriff noch einmal die Schlagzahl, verkürzte in der Schlussphase, doch der erneute Anschluss wollte nicht mehr gelingen. Beim Stand von 37:39 (58.) keimte noch einmal Hoffnung auf, am Ende setzten sich die Füchse mit 41:38 durch. Den Schlusspunkt setzte erneut Gidsel, der den Assist für den letzten Treffer von Linksaußen Tim Freihöfer gab.

Statistisch unterstrich Gidsel seine Rolle als Matchwinner: 11 Tore und insgesamt 17 Torbeteiligungen gehen auf sein Konto. Lasse Andersson steuerte 10 Treffer und 5 Assists bei, vor allem im zweiten Durchgang. Auf Eisenacher Seite überzeugten neben Joelsson (8) und Leu (6) auch Stephan Seitz (7), Felix Aellen (6/2) und Vincent Büchner (5). ThSV-Keeper Spikic verbuchte 11 Paraden, auf Berliner Seite kam Dejan Milosavljev auf 8 gehaltene Bälle und sogar ein Tor ins verwaiste Eisenacher Gehäuse.

Trainer Sebastian Hinze sprach nach der Partie von einem „sehr guten Heimspiel“, das seine Mannschaft abgeliefert habe. Man sei das hohe Tempo der Füchse mitgegangen, habe viele Durchbrüche und eine hohe Abschlussqualität gezeigt. Gleichzeitig betonten Aellen und Spikic, dass es gegen ein Team dieser Kategorie einer nahezu perfekten Leistung über 60 Minuten bedürfe. Kleinste Fehler seien von den Berlinern konsequent bestraft worden.

Auch auf Berliner Seite war die Erleichterung spürbar. Füchse-Coach Nicolej Krickau zeigte sich „überaus glücklich“, die zwei Punkte aus einer Halle mit dieser Atmosphäre mitzunehmen. 24 Gegentore seines Teams allein in der zweiten Halbzeit wertete er als Beleg für die Offensivstärke der Eisenacher.

In der Schlussphase blieb es emotional: Die Zuschauer honorierten den couragierten Auftritt des Aufsteigers mit lang anhaltendem Applaus, die Stimmung in der Kabine des ThSV war trotz der Niederlage gelöst. Für viele Spieler war das Duell mit einem der aktuell stärksten Teams Europas ein weiterer Beleg dafür, dass Eisenach in der Bundesliga auch gegen Spitzenmannschaften mithalten kann.

Der Blick richtet sich nun auf den Saisonendspurt. Am Donnerstag, 4. Juni 2026, bestreitet der ThSV Eisenach sein letztes Auswärtsspiel der Spielzeit bei der SG Flensburg-Handewitt (Anwurf 20.00 Uhr). Zum Saisonfinale am Sonntag, 7. Juni 2026, empfängt Eisenach den HSV Hamburg. Parallel dazu treten die Füchse Berlin zunächst bei der MT Melsungen an und schließen die Saison zu Hause gegen Flensburg ab. Alle Partien des letzten Spieltages werden um 15.00 Uhr angeworfen.

Die Statistik zum Spiel: Für den ThSV Eisenach trafen Joelsson (8), Seitz (7), Aellen (6/2), Leu (6), Büchner (5), Kurch (2), Attenhofer (1) und Walz (3). Auf Seiten der Füchse Berlin waren Gidsel (11), Andersson (10), Freihöfer (8/2), Langhoff (2), Herburger (2), Darj (1), Prantner (1), Gröndahl (1), Lichtlein (2), Cehte (1) und Marsenic (1) erfolgreich, dazu kam der Treffer von Torhüter Milosavljev. Beide Teams verwandelten ihre jeweils zwei Siebenmeter sicher, bei den Zeitstrafen lag Eisenach mit fünf Hinausstellungen vor Berlin (zwei).

Quelle: Pressemitteilung vom 30.05.2026
Veröffentlicht am von , Redakteur

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