Ungewisse Zukunft in Gerstungen: Drohende Standortschließung der ae group sorgt für Sorge
Die Nachricht von einer möglichen Schließung des Gerstunger Standorts der ae group, die sich derzeit in einem Insolvenzverfahren befindet, hat erhebliche Besorgnis in der Gemeinde ausgelöst. Bürgermeister Daniel Steffan betont die dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Folgen, sollte der größte Arbeitgeber der Region tatsächlich wegfallen.
Wie die Gemeinde Gerstungen mitteilt, steht das Unternehmen ae group aktuell unter erheblichem finanziellem und strukturellem Druck. Bisher sei es trotz laufendem Insolvenzverfahrens nicht gelungen, ein zukunftsfähiges Investorenkonzept vorzulegen. Allerdings seien nach Angaben der Gemeinde jüngst zwei strategische Investoren neu in den Prozess eingestiegen, sodass aktuell gemeinsam mit der Eigenverwaltung der Firma geprüft wird, welche Perspektiven sich daraus für den Erhalt des Standortes ergeben könnten.
Parallel dazu führt die Geschäftsführung Verhandlungen mit den Kunden der ae group bezüglich einer möglichen sogenannten Ausproduktion, bei der die Produktion geordnet fortgeführt und abgeschlossen würde. Ein Abschluss dieser Gespräche wird nach Angaben der Verwaltung innerhalb der kommenden vier Wochen erwartet. Für den Fall aber, dass kein Eigentümerwechsel während dieser Phase eintritt, wäre laut Gemeinde ein Großteil der rund 600 Arbeitsplätze in Gerstungen akut gefährdet.
Bürgermeister Daniel Steffan machte darauf aufmerksam, dass die möglichen Folgen für die Gemeinde gravierend wären. Es wären, wie er betont, insbesondere Familien, junge Fachkräfte und Auszubildende betroffen, sollte an dem Standort kein Fortbestand möglich sein. Er verweist darauf, dass die ae group über Jahre hinweg ein bedeutender Arbeitgeber und Stabilitätsfaktor für die Region gewesen sei. Nachdrücklich äußert er die Hoffnung, dass sich noch ein Investor zum Erhalt des Betriebes findet.
Der Bürgermeister hebt hervor, bereits seit Monaten in engem Kontakt mit der Geschäftsleitung zu stehen und betont, alles in der Macht der Gemeinde Stehende zu tun, um im Falle einer Schließung für die Beschäftigten Unterstützung bei Vermittlung, Qualifizierung oder der Ansiedlung neuer Unternehmen zu bieten.
Gleichzeitig richtet die Gemeinde einen Appell an die politisch Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene, die strukturellen Schwierigkeiten von mittelständischen Industriebetrieben und Zulieferern ernst zu nehmen und bei der Bewältigung möglicher Krisen aktiv zu unterstützen. Ursächlich für die prekäre Situation der ae group werden insbesondere steigende Energiepreise, höhere Bürokratiekosten und die angespannte Lage in der deutschen Automobilindustrie genannt.
Nach Einschätzung der Einheitsgemeinde gingen die Folgen einer möglichen Schließung weit über die Gemeindegrenzen hinaus und würden das wirtschaftliche und soziale Gefüge der gesamten Region Westthüringen empfindlich belasten.
Quelle: Gemeindeverwaltung Gerstungen vom 28.05.2025
Foto: Gemeindeverwaltung Gerstungen
Veröffentlicht am 28.05.2025 18:52 von Christian Wolf, Redakteur
Kommentare
Hinweise und Warnungen aus der Belegschaft wurden konsequent ignoriert – ebenso wie der grundlegende Leitsatz, dass Qualität bereits bei der Produktion beginnt. Wer an der Basis spart, zahlt am Ende den doppelten Preis.
In diesem Zusammenhang ist es fragwürdig, ob sich nun ein Bürgermeister einschalten oder gar Hilfe von Landes- oder Bundesregierung eingefordert werden sollte. Zuerst müsste die Verantwortung für die internen Fehlentscheidungen übernommen werden – alles andere wäre Augenwischerei.