Vogelzählung 2026: Spatzen im Minus, Grünfink legt in Thüringen zu
Bei der „Stunde der Gartenvögel“ 2026 zeigt sich in Thüringen ein gemischtes Bild: Während Haussperling, Feldsperling und Amsel weiter an Sichtungen verlieren, wurden Grünfinken und Buchfinken häufiger gemeldet. Auch in Gärten und Parks in Eisenach und im Wartburgkreis flatterten im Schnitt weniger Vögel als noch vor einigen Jahren.
Nach Angaben des NABU Thüringen gingen die Meldungen des Haussperlings im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent zurück, beim Feldsperling beträgt das Minus 15 Prozent. Beide Arten hatten schon in den vergangenen Jahren an Boden verloren. Als Ursachen nennt der Verband vor allem fehlende Nahrung, den Verlust von Brutplätzen und stark versiegelte Flächen im Siedlungsbereich. Auch Mauersegler und Mehlschwalben, typische Gebäudebrüter und Insektenfresser, wurden seltener gesehen: Die Mauersegler-Meldungen brachen um 13 Prozent ein, Mehlschwalben sogar um 16 Prozent. Bei der Amsel verläuft die Entwicklung in Thüringen gegen den Bundestrend: Bundesweit legte sie leicht zu, im Freistaat wurden dagegen 5 Prozent weniger Tiere gemeldet.
Etwas positiver fällt der Blick auf die Finken aus. Der Grünfink kommt 2026 auf ein Plus von 18 Prozent bei den Sichtungen gegenüber dem Vorjahr, der Buchfink auf ein Plus von 3 Prozent. Eine neue Infektionswelle mit Trichomonaden, die in der Vergangenheit zu deutlichen Verlusten bei Finken geführt hatte, deutet sich laut NABU derzeit nicht an. Gleichzeitig erinnern die Fachleute daran, dass der Grünfink über mehrere Jahre betrachtet deutlich abgenommen hat und damit weiterhin als Sorgenkind gilt.
Die Erreger Trichomonaden verbreiten sich vor allem an Futter- und Wasserstellen. NABU-Naturschutzreferent Marcus Orlamünder rät deshalb zu konsequenter Hygiene: Futterhäuschen sollten regelmäßig gereinigt, Wasser täglich gewechselt und möglichst Futtersäulen genutzt werden, bei denen die Vögel nicht im Futter stehen. So lasse sich das Ansteckungsrisiko für Finken und andere Arten verringern.
Auch der Blick auf die Gesamtzahl der Vögel pro Garten oder Park bestätigt den Trend der vergangenen Jahre. Wurden 2018 in Thüringen im Schnitt noch 33,79 Vögel pro Zählort registriert, waren es 2026 nur noch 28,45. Damit setzt sich der leichte, aber stetige Rückgang fort, der bereits in den Vorjahren dokumentiert wurde. Frühere Auswertungen hatten unter anderem Lebensraumverlust, Insektensterben und strukturarme Gärten als zentrale Ursachen benannt.
Trotz der Rückgänge beteiligen sich viele Menschen an der Zählung. In Thüringen meldeten 2026 mehr als 1.700 Teilnehmende ihre Beobachtungen. Am häufigsten wurde erneut der Haussperling registriert: 5.010 Meldungen machen ihn zur Nummer eins der Liste. Dahinter folgen Kohlmeise (2.559 Meldungen), Amsel (2.533), Star (2.250) und Blaumeise (2.077). Bundesweit nahmen fast 56.000 Menschen teil und meldeten aus über 38.000 Gärten mehr als eine Million Vögel.
Die „Stunde der Gartenvögel“ gilt als wichtige Ergänzung zur „Stunde der Wintervögel“, deren Ergebnisse Anfang 2026 bereits einen historischen Tiefstand bei den Wintervögeln pro Garten gezeigt hatten. Beide Aktionen liefern zusammen eine Datenbasis, mit der sich Entwicklungen im Jahresverlauf und über längere Zeiträume hinweg verfolgen lassen – auch für typische Arten in den Wohngebieten von Eisenach und den Orten im Wartburgkreis.
Die nächste große Zählaktion ist bereits terminiert: Die „Stunde der Wintervögel“ findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt. Dann sind wieder alle Naturinteressierten eingeladen, eine Stunde lang Vögel am Futterhaus, im Garten, im Park oder vom Balkon aus zu beobachten und zu melden.
Wer sich bis dahin engagieren möchte, kann im eigenen Umfeld ansetzen: naturnahe Gärten mit heimischen Sträuchern, Wildblumen, Totholz und Wasserstellen bieten vielen Arten Nahrung und Brutplätze – und erhöhen die Chancen, dass bei künftigen Zählaktionen in Eisenach und im Wartburgkreis wieder mehr Vögel gezählt werden.
Quelle: Pressemitteilung vom 26.05.2026
Foto: NABU
Veröffentlicht am 04.06.2026 15:20 von Christian Wolf, Redakteur
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