Wartburgkreis startet LeerGut-Modellprojekt für leere Häuser
Im Wartburgkreis startet ein neues Modellprojekt, das leerstehende Häuser und Höfe wieder nutzbar machen soll. Unter dem Titel „Neues Leben in leeren Häusern“ werden erstmals sogenannte LeerGut-Scheine vergeben, mit denen bis zu zwölf Initiativen aus dem Landkreis eine professionelle Beratung für ihre Projektideen erhalten können. Der offizielle Startschuss fiel am Freitag, 11. September 2026, im Alten Postamt in Ruhla, wo ein privater Investor das seit Jahren ungenutzte Gebäude zu Wohnungen umbaut.
Landrat Dr. Michael Brodführer betont, dass Leerstand im Wartburgkreis nicht nur als Problem, sondern auch als Chance gesehen werden soll. Viele ältere Häuser prägen seit Generationen die Ortsbilder in den Dörfern und Städten. Gesucht werden Menschen, die Ideen für diese Gebäude entwickeln und Verantwortung übernehmen wollen. Das Modellprojekt soll ihnen den Einstieg erleichtern, Fachwissen vermitteln und den Zugang zu einem Netzwerk von Unterstützern eröffnen.
Bis zu zwölf Vorhaben im Wartburgkreis können in der ersten Runde einen LeerGut-Schein erhalten. Finanziert werden die Beratungsleistungen durch die Sparkassenstiftung der Wartburg-Region, die eng mit der Wartburg-Sparkasse verbunden ist. Der Wartburgkreis und die Stiftung LandCampus begleiten das Projekt als Netzwerkpartner. Die LeerGut-Agentinnen und -Agenten e. V. bringen ihre Erfahrungen aus zahlreichen Projekten in Thüringen ein und vernetzen die Initiativen mit Fachleuten, Kommunen, Eigentümern und weiteren Unterstützern.
Die Beratung setzt bewusst früh an, bevor größere Investitionen oder Umbauten geplant werden. Gemeinsam mit den Fachleuten kann geklärt werden, welche Nutzung zu einem Gebäude passt, wie sich ein Projekt organisatorisch und finanziell aufstellen lässt, welche Förderprogramme infrage kommen und welche Partner für die Umsetzung benötigt werden. Ziel ist es, aus ersten Ideen tragfähige Konzepte für Wohnen, Arbeiten, Kultur, Begegnung oder neue Angebote im Ort zu entwickeln.
Mit dem Start des Modellprojekts beginnt zugleich die erste Bewerbungsphase. Bis zum 30. Oktober 2026 können Menschen, Initiativen und Zusammenschlüsse ihre Ideen einreichen, wenn sie einen Leerstand im Wartburgkreis wieder nutzen oder eine entsprechende Projektidee weiterentwickeln möchten. Auch kleine Gruppen mit mindestens zwei Beteiligten sind antragsberechtigt. Die Vorhaben sollen möglichst dem Gemeinwohl vor Ort dienen, etwa indem sie Treffpunkte schaffen, kulturelle Angebote ermöglichen oder neue Nutzungsmöglichkeiten für bisher ungenutzte Gebäude eröffnen.
Für die Bewerbung muss noch kein fertiges Konzept vorliegen. Gerade Projektideen, die noch am Anfang stehen und Unterstützung bei den nächsten Schritten benötigen, sollen von den LeerGut-Scheinen profitieren. Nach Ende der Bewerbungsfrist am 30. Oktober 2026 werden die eingegangenen Vorschläge geprüft. Eine Jury entscheidet anschließend, welche Initiativen einen LeerGut-Schein erhalten. Bis Anfang Dezember sollen die ausgewählten Projekte mit passenden Beraterinnen und Beratern zusammengebracht werden, die erste Beratungsrunde ist für Januar und Februar 2027 vorgesehen.
Auch Initiativen, die zunächst keinen LeerGut-Schein bekommen, sollen Teil des entstehenden Netzwerkes bleiben und zu gemeinsamen Austauschformaten eingeladen werden. Damit soll langfristig ein Kreis von Akteuren entstehen, die sich im Wartburgkreis gegenseitig bei der Belebung von Leerständen unterstützen. Bereits bei einer Regionalkonferenz in Wünschensuhl wurde deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, leerstehende Gebäude als Dorfgemeinschaftshäuser, Treffpunkte oder Veranstaltungsorte neu zu nutzen.
Hinter dem Begriff „LeerGut“ steht ein Perspektivwechsel: Leerstehende Gebäude werden nicht in erster Linie als Problemimmobilien betrachtet, sondern als Ressource, für die neue Perspektiven entwickelt werden können. Das Netzwerk der LeerGut-Agentinnen und -Agenten entstand 2018 aus Fachleuten unter anderem aus Architektur, Stadtplanung, Beratung, Kultur und Denkmalpflege sowie bereits erfahrenen Projektinitiativen. Im Wartburgkreis spielt das Thema Leerstand auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine zunehmende Rolle, da viele ältere Häuser, ehemalige Gaststätten, Gewerbeimmobilien oder Hofanlagen in den Ortskernen ungenutzt sind.
Das Bewerbungsformular und weitere Informationen zum Modellprojekt „Neues Leben in leeren Häusern“ sollen auf der Internetseite des Wartburgkreises unter der Rubrik „LeerGut-Schein“ bereitgestellt werden. Für Rückfragen steht im Amt für Kreisplanung und Regionalentwicklung des Wartburgkreises Ansprechpartnerin Madeleine Rein per E-Mail zur Verfügung. Kontakt zu den LeerGut-Agentinnen und -Agenten e. V. ist über eine zentrale E-Mail-Adresse möglich; zusätzlich gibt es eine Ansprechperson für Medien- und Pressefragen im Netzwerk.
Wer im Wartburgkreis eine Idee für ein leerstehendes Gebäude hat – vom alten Gasthaus bis zur ehemaligen Gewerbeimmobilie –, kann mit dem Modellprojekt Unterstützung erhalten, um aus einer ersten Vision ein konkretes Vorhaben zu entwickeln. So sollen nach und nach neue Nutzungen entstehen, die Ortskerne stärken und Räume für Wohnen, Arbeiten und Begegnung schaffen.
Quelle: Pressemitteilung Landratsamt Wartburgkreis
Quelle: Pressemitteilung vom 14.09.2026
Fotos: Landratsamt
Veröffentlicht am 14.09.2026 11:45 von Christian Wolf, Redakteur

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