22.05.2026 👍2

Weltbienentag: So wird der Garten im Wartburgkreis zum Wildbienen-Paradies

Zum Weltbienentag am 20. Mai ruft der NABU Thüringen dazu auf, Gärten und Höfe im Freistaat in sichere Rückzugsorte für Wildbienen zu verwandeln. Hintergrund sind alarmierende Zahlen aus der Roten Liste: Von 416 bekannten Wildbienenarten in Thüringen gelten 43 als ausgestorben oder verschollen, 72 als „vom Aussterben bedroht“. Insgesamt sind 56 Prozent der Arten bestandsgefährdet oder verschollen – ein Trend, der auch für Gärten in Eisenach und im Wartburgkreis Konsequenzen hat.

Wildbienen bestäuben zahlreiche Nutz- und Wildpflanzen und reagieren besonders empfindlich auf den Verlust von Lebensräumen, Klimaveränderungen und Pestizide. „Geht es dem Ökosystem schlecht, fehlen auch die Wildbienen“, betont Marcus Orlamünder, Naturschutzreferent des NABU Thüringen. Er kritisiert, dass die Thüringer Landesregierung die Wiederherstellungsverordnung der EU blockiere, die zerstörte Natur wieder in einen besseren Zustand bringen soll. Gleichzeitig verweist er darauf, dass jede und jeder im eigenen Garten oder auf dem Hof aktiv werden kann.

Für private Flächen empfiehlt der Verband einen klaren Kurswechsel: Statt Thuja-Hecken und Kirschlorbeer sollen heimische Sträucher wie Schwarzer Holunder, Gewöhnliche Felsenbirne oder Heckenrose gepflanzt werden. Spezialisierte Wildbienen fliegen nur auf Blüten heimischer Gehölze und Wildblumen. Auch ein gewöhnlicher Zierrasen kann sich – wenn er nicht gedüngt wird und Wildkräuter wie Klee oder Löwenzahn stehen bleiben dürfen – mit der Zeit zu einem artenreicheren Kräuterrasen entwickeln.

Besonders wertvoll sind Blumenwiesen aus heimischen Wildblumen und Gräsern, die von Jahr zu Jahr bunter werden. Für zusätzliche Beete empfiehlt Orlamünder ein Blütenmix aus Königskerze, Schafgarbe, Storchschnabel, Natternkopf, Hornklee und Akelei. Entscheidend ist, dass die Blüten ungefüllt sind, damit Wildbienen und andere Insekten an Nektar und Pollen gelangen. Eine „wilde Ecke“, in der Brennnessel, Klee und Löwenzahn wachsen dürfen, rundet das Angebot für Insekten ab.

In Eisenach wird dieser Ansatz bereits auf öffentlichen Flächen sichtbar: Im Rahmen des Projekts „Bienenfreundliches Eisenach erlebbar machen“ werden rund 20.000 Quadratmeter städtische Rasenflächen zu Wildblumen- und Wildkräuterwiesen umgestaltet, etwa im Kartausgarten, an der Stregdaer Allee oder im Goethegarten. Wer sich Anregungen holen möchte, findet dort Beispiele für insektenfreundliche Pflanzungen und Strukturen.

Zum Lebensraum für Wildbienen gehört mehr als Blüten: Totholz, Sand und Steine spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Deutschlands größte Wildbiene, die Blaue Holzbiene, ist auf Totholz angewiesen. Im Garten können Baumstümpfe, Benjeshecken oder Reisighaufen liegen bleiben, statt sie vollständig zu entfernen. Zwei Drittel der Wildbienenarten – etwa Sand-, Furchen- und Schmalbienen – brauchen zudem offene Bodenstellen in Wiesen oder Sandflächen, um dort ihre Bruthöhlen anzulegen.

Auch Wasser darf nicht fehlen. Wer keinen Teich hat, kann beispielsweise Wilde Karde pflanzen: In ihren Blattachseln sammelt sich Regenwasser, das Wildbienen und Hummeln als natürliche Tränke nutzen. Ergänzend können flache Schalen mit Steinen als sichere Landeplätze dienen.

Vorsicht rät der NABU bei Insektenhotels aus dem Baumarkt. Viele Modelle seien aus naturschutzfachlicher Sicht wenig geeignet. Eine fachgerecht gebaute Nisthilfe kann zwar sinnvoll sein, ersetzt aber keine naturnahe Gartengestaltung. Entscheidend bleibt, dass im Umfeld ausreichend heimische Blühpflanzen, Totholz und offene Bodenstellen vorhanden sind.

Wer im Wartburgkreis seinen Garten umgestalten möchte, kann klein anfangen: Ein Stück Rasen seltener mähen, eine Hecke aus heimischen Sträuchern pflanzen oder eine Ecke mit Totholz und Steinhaufen anlegen. Schon wenige Quadratmeter reichen, um Wildbienen und anderen Insekten neue Lebensräume zu bieten – und gleichzeitig den eigenen Garten lebendiger zu machen.

Nähere Informationen zu Wildbienen und konkreten Pflanztipps stellt der NABU Thüringen online zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung vom 19.05.2026
Foto: NABU
Veröffentlicht am von , Redakteur

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