Werra-Renaturierung wird ausgeweitet: Neues Großprojekt bei Treffurt startet
Entlang der Werra zwischen Falken und Treffurt startet ein weiterer großer Schritt zur Renaturierung des Flusses. Aufbauend auf der bereits umgesetzten „Werraschleife“-Maßnahme werden nun weitere Abschnitte der Werraauen in der Gemeinde Treffurt umgestaltet. Grundlage ist das Bundesprojekt „Blaues Band trifft Grünes Band“, das auf einer Strecke von rund zehn Kilometern insgesamt 27,5 Hektar Auenfläche umfasst und bis 2030 läuft.
Träger des neuen Abschnitts ist die Stiftung Naturschutz Thüringen. Sie verantwortet Projektleitung, Organisation und Umsetzung und erhält dafür Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Auen“ des Bundesamtes für Naturschutz. Das Gesamtvolumen des Projekts liegt bei rund 3,2 Millionen Euro für den Zeitraum vom 1. Mai 2025 bis zum 30. April 2030. Neben der Stiftung beteiligen sich das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums, die Stadt Treffurt sowie das Land Thüringen an der Finanzierung.
Das Projektgebiet schließt südlich von Treffurt an bereits realisierte Renaturierungsmaßnahmen zwischen Frankenroda und Falken an. Es umfasst drei Maßnahmeräume entlang des Werraufers zwischen Heldra und Frankenroda. Teile der Flächen liegen im Naturschutzgebiet „Werraaue Treffurt“ sowie im und unmittelbar am Nationalen Naturmonument „Grünes Band Thüringen“. Durch die frühere Nutzung der Werra als Bundeswasserstraße, die Vertiefung des Flussbetts und Ablagerungen von Auenlehm ist die natürliche Verbindung zwischen Fluss und Aue in diesem Abschnitt stark eingeschränkt worden, typische Feuchtlebensräume sind vielerorts verschwunden.
Mit „Blaues Band trifft Grünes Band“ soll der Werra-Abschnitt zwischen Treffurt und Probstei Zella wieder stärker mit seinen Auen verknüpft werden. Geplant ist, dass künftig häufiger Wasser in die angrenzenden Flächen übertreten kann, sodass sich neue Strukturen und Lebensräume entwickeln. Diese sollen sich weitgehend eigenständig dynamisch weiterentwickeln oder extensiv, etwa durch Beweidung, genutzt werden können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung der beiden bundesweiten Biotopverbundsysteme „Blaues Band Deutschland“ (Gewässer und Auen) und „Grünes Band Deutschland“ (ehemaliger innerdeutscher Grenzstreifen).
Zu den konkreten Maßnahmen zählen neue Auenstrukturen wie Nebengewässer und Seitenarme mit flacheren Uferbereichen. Dafür wird Boden aus Ufer- und Auenflächen entnommen, Ufer werden abgeflacht und einzelne Geländepunkte abgesenkt. Ziel ist, dass die Auen bereits bei niedrigeren Wasserständen überschwemmt und wiedervernässt werden. Davon profitieren unter anderem kleinere Auwaldbestände, während dauerhaft oder zeitweise wasserführende Auengewässer Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten schaffen sollen.
Parallel dazu setzt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser im angrenzenden Flussabschnitt weitere Schritte um. Vorgesehen sind unter anderem Aufweitungen der Werra und die Anlage von Kiesinseln, um die natürliche Flussdynamik zu fördern. Diese Arbeiten sind Teil der Kooperation im Rahmen des bundesweiten Programms „Blaues Band“, das Wasserstraßen ökologisch aufwerten soll. Land Thüringen und Stadt Treffurt unterstützen das Vorhaben unter anderem durch die Bereitstellung benötigter Flächen.
Über die baulichen Eingriffe hinaus sind verschiedene Informations- und Beteiligungsangebote für die Bevölkerung geplant. Die Stiftung Naturschutz Thüringen will regelmäßig über Fortschritte berichten und Formate entwickeln, mit denen Interessierte die Veränderungen an der Werra vor Ort nachvollziehen können. So sollen Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch Naturinteressierte aus der Region enger an das Projekt herangeführt werden.
Quelle: Pressemitteilung vom 01.10.2026
Foto: Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal
Veröffentlicht am 01.10.2026 13:17 von Christian Wolf, Redakteur
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