Wolfsbestand stagniert: Debatte um den Herdenschutz in Deutschland
Der Wolfsbestand in Deutschland hat sich nach offiziellen Angaben erstmals stabilisiert. Laut aktuellem Wolfsmonitoring gibt es bundesweit kaum noch Zuwächse, während die Diskussion um den Umgang mit den Tieren weiter anhält. In Thüringen bleibt die Zahl der Wolfsterritorien gering, dennoch werden politische Forderungen nach einer Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht lauter.
Der Naturschutzbund NABU Thüringen sieht in den neuen Monitoring-Ergebnissen einen Beleg dafür, dass die Wolfspopulation nicht unkontrolliert zunimmt. Aktuell registrierte die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) für das Monitoringjahr 2024/25 insgesamt 276 Wolfsterritorien, ähnlich wie im Vorjahr. Von den insgesamt erfassten Territorien entfallen nur wenige auf Thüringen.
Aus Sicht des NABU könne eine reguläre Bejagung den Herdenschutz nicht ersetzen. Der Verband warnt davor, den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen. Silvester Tamás, Sprecher des NABU Thüringen, verweist darauf, dass der Wolf nach langer Abwesenheit wieder Teil des Ökosystems sei. Eine Ausweitung der Jagd könne negative Folgen für die Akzeptanz des Tieres haben.
Wie die Zahlen zeigen, nahm die Zahl der nachgewiesenen Wolfsterritorien nur geringfügig zu, was auf eine Stabilisierung und in einzelnen Regionen auf eine Begrenzung des Wachstums hindeutet. Der NABU Thüringen plädiert daher für den Ausbau wirksamer Schutzmaßnahmen anstelle von umfassender Bejagung. Als Beleg für die Wirksamkeit des Herdenschutzes nennt der Verband einen deutlichen Rückgang der registrierten Nutztierrisse um etwa 25 Prozent im Jahr 2024, was unter anderem auf verbesserte Präventionsmaßnahmen zurückgeführt wird.
Besorgnis äußert der Verband angesichts der weiterhin hohen Zahl illegal getöteter Wölfe. Im laufenden Jahr seien bislang acht Fälle gemeldet worden, 2024 gab es nach Angaben des NABU sogar 16 illegale Tötungen. Es wird befürchtet, dass eine Legalisierung der Jagd zu weiteren illegalen Abschüssen führen könnte.
Vor der Umweltministerkonferenz fordert der NABU daher, die Bejagung des Wolfes nicht auszuweiten und stattdessen gezielt Maßnahmen zur Förderung des Herdenschutzes und der Aufklärung zu verstärken. Zudem sollten klare Regeln für das Vorgehen im Fall auffälliger Tiere geschaffen und die Weidetierhaltung im Rahmen der EU-Agrarpolitik weiter gestärkt werden.
Quelle: Pressemitteilung vom 12.11.2025
Foto: NABU
Veröffentlicht am 13.11.2025 15:19 von Christian Wolf, Redakteur
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