Wasserburg Seebach wird gemeinsamer Standort für Vogelschutzwarte und Nationalpark Hainich
Die Staatliche Vogelschutzwarte Seebach und die Nationalparkverwaltung Hainich haben am 24. September 2026 ihren gemeinsamen Dienstsitz in der Wasserburg Seebach eröffnet. Thüringens Umweltminister Tilo Kummer übergab die Schlüssel an Dr. Stefan Jaehne vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) und an Nationalparkleiter Rüdiger Biehl. Mit dem Umzug der Nationalparkverwaltung von Bad Langensalza nach Seebach entsteht im Wartburgkreis ein neuer zentraler Standort für den Naturschutz.
Die historische Wasserburg Seebach wurde in den vergangenen Jahren umfassend saniert und bietet nun beiden Einrichtungen moderne Arbeitsplätze. Die Vogelschutzwarte des TLUBN und die Nationalparkverwaltung Hainich teilen sich das Gebäude und arbeiten künftig Tür an Tür. Aus Sicht des Umweltministeriums wachsen damit zwei zentrale Akteure des Thüringer Naturschutzes an einem traditionsreichen Ort zusammen.
Nationalparkleiter Rüdiger Biehl betont, dass die Verwaltung mit dem neuen Sitz näher an den Hainich rückt und gleichzeitig an einer bundesweit bedeutenden Naturschutzstätte arbeitet. Für ihn macht die gemeinsame Nutzung der Burg sichtbar, dass der Schutz von Lebensräumen und Arten fachlich eng zusammengehört. TLUBN-Präsidentin Andrea Manz hebt hervor, dass die Vogelschutzwarte ihre langjährige Fachkompetenz im Vogelschutz einbringt und die räumliche Nähe beste Voraussetzungen für gemeinsamen Austausch und Projekte schafft.
Zur Eröffnung konnten Gäste den neuen Dienstsitz bei Führungen besichtigen. Dabei gab es Einblicke in die Geschichte der Wasserburg und in die Arbeit der Vogelschutzwarte und der Nationalparkverwaltung. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Orchester „Burgharmonie“ des Vereins der Freunde der Vogelschutzwarte Seebach e. V.
Die Wurzeln des Standorts reichen weit zurück: Die Wasserburg mit ihrem rund zwei Hektar großen Park geht auf das 12. Jahrhundert zurück, eine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1307. 1524 gelangte das Schloss in den Besitz der Familie von Berlepsch. Schlossherr Hans Sittich von Berlepsch war damals Burghauptmann auf der Wartburg und Gastgeber von Martin Luther. Das Wappen der Familie, fünf Sittiche mit Halsbändern, verweist auf eine frühe Tradition der Vogelhaltung und ist als Bleiglasfenster in einem Ausstellungsraum zu sehen.
Prägend für Seebach war Hans Freiherr von Berlepsch, der „Vogelbaron“, der von 1857 bis 1933 in der Wasserburg lebte. Er gilt als Begründer des modernen, wissenschaftlich fundierten Vogelschutzes. Burg und Obstgarten gestaltete er 1884/85 zu einem Vogelschutzpark mit Teichanlage um. 1908 wurden Burg und Park als erste staatlich anerkannte Vogelschutzwarte ausgewiesen, die Einrichtung erlangte internationale Bekanntheit.
Bis heute ist die Wasserburg ein Anlaufpunkt für naturinteressierte Besucherinnen und Besucher. Der Verein der Freunde der Vogelschutzwarte Seebach e. V. bietet von Mai bis Oktober immer samstags sowie sonn- und feiertags um 14 Uhr Führungen ohne Voranmeldung an. Bei diesen Rundgängen können Gäste sowohl die historische Anlage als auch die Arbeit der Vogelschutzwarte kennenlernen.
Mit dem neuen gemeinsamen Dienstsitz in Seebach wird die Wasserburg weiter als Ort des Naturschutzes profiliert. Für den Wartburgkreis entsteht damit ein gestärkter Fachstandort, an dem sich Tradition des Vogelschutzes und aktuelle Aufgaben im Schutzgebiet Hainich verbinden.
Quelle: Pressemitteilung vom 24.09.2026
Foto: Nationalpark-Verwaltung
Veröffentlicht am 24.09.2026 18:46 von Christian Wolf, Redakteur
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