20.10.2026

„Eisenacher Modell“: Stadt modernisiert Schulessen an Grundschulen

Frischere Mahlzeiten, moderne Küchen und kürzere Wege: Eisenach stellt die Schulverpflegung schrittweise auf ein neues System um. Kern des sogenannten „Eisenacher Modells“ ist ein regionaler Caterer, der eng mit den städtischen Schulen zusammenarbeitet. Fachdienstleiter Bernd Wächter von der Schulverwaltung stellte das Konzept jüngst auf dem Bundeskongress Kita- und Schulverpflegung in Berlin vor – und spricht von einem bislang einmaligen Ansatz in Thüringen.

Ausgangspunkt der Umstellung war, dass immer weniger Caterer in der Region bereit waren, Mittagsversorgung in der gewünschten Qualität, Zeit und Menge anzubieten. Die Stadt reagierte mit einem eigenen Organisationskonzept: Die Küchen in den Grundschulen werden so umgebaut, dass ein Großteil der Komponenten direkt vor Ort frisch zubereitet werden kann. Nudeln und Kartoffeln entstehen in den Schulküchen, Gemüse und Fleisch werden tiefgefroren angeliefert und in modernen Heißluftöfen gegart. Das soll für besseren Geschmack, mehr Biss und einen höheren Nährstoffgehalt sorgen.

Den Startschuss gab die zum Schuljahr 2024/2025 neu vergebene Dienstleistungskonzession für das Schulessen. Zuerst wurde das neue System an der Jakobschule eingeführt, anschließend folgten die Küchen in der Mosewaldschule und in der Oststadtschule. Das Land Thüringen beteiligte sich an der neuen Ausstattung. Parallel wurden die Speisesäle umgestaltet: Schallschutz an Decken und Wänden sowie robustere, leisere Möbel sollen dafür sorgen, dass die Kinder ihre Mittagspause entspannter verbringen können.

Aktuell wird die Küche der Hörselschule umfassend erneuert, auch dort wird der Speisesaal modernisiert. Die Investitionen werden über das Bundesprogramm für Ganztagsschulen ermöglicht. Damit knüpft die Stadt an bereits laufende Projekte zum Ausbau des Ganztagsangebots an, bei denen räumliche Qualität und Mittagsversorgung gemeinsam gedacht werden.

Die modernisierten Küchen fungieren als zentrale Standorte und versorgen weitere Schulen mit. So beliefert die Jakobschule die Georgenschule, die Goetheschule und die Geschwister-Scholl-Schule. Die Mosewaldschule kocht für das Elisabeth-Gymnasium, die Wartburgschule und bis zum Abschluss der Bauarbeiten auch noch für die Hörselschule. Die Oststadtschule übernimmt die Mittagsversorgung für das Ernst-Abbe-Gymnasium.

Für den Caterer bedeutet das eine anspruchsvolle Logistik. Gleichzeitig setzt die Stadt klare Qualitätsvorgaben: Zwischen dem Ende des Garprozesses in der Küche und der Ausgabe an den letzten Schüler dürfen höchstens drei Stunden liegen. Dieser Zeitrahmen orientiert sich an Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und soll sicherstellen, dass die Speisen nicht nur warm, sondern auch sensorisch ansprechend bleiben.

Die Rückmeldungen aus den Schulen fallen deutlich positiver aus als früher. Beschwerden über verkochtes Gemüse oder weiche Nudeln sind nach Angaben der Stadt selten geworden. Obwohl die Zahl der Schülerinnen und Schüler insgesamt sinkt, steigt die Zahl der Kinder, die am Mittagessen teilnehmen, leicht an. Für die Stadt ist das ein Hinweis darauf, dass das neue Angebot angenommen wird.

Eine Mahlzeit kostet derzeit 4,95 bis 5,50 Euro. Pro Essen steuert die Stadt Eisenach 50 Cent bei. Vor allem Grundschulkinder nutzen das Angebot, während sich viele Jugendliche an weiterführenden Schulen lieber in Supermärkten oder Imbissläden versorgen. Um auch diese Gruppe stärker zu erreichen, plant die Stadt den Einsatz von Verkaufsautomaten an den Schulen. Statt Süßgetränken und Schokoriegeln sollen dort gesunde Snacks und Getränke erhältlich sein. Nach Angaben von Bernd Wächter laufen dazu Gespräche mit einem lokalen Unternehmen.

Mit dem Auftritt auf dem Bundeskongress in Berlin hat das „Eisenacher Modell“ inzwischen bundesweit Aufmerksamkeit erlangt. Dort wurde deutlich, dass ein vergleichbares System bislang nur in Darmstadt existiert – dort allerdings mit einer vollständig eigenbetriebenen Küche des Schulträgers. Für eine Stadt in der Größenordnung Eisenachs wäre ein solcher Eigenbetrieb finanziell nicht zu stemmen. Die Kombination aus regionalem Caterer, modernisierten Schulküchen und klaren Qualitätsstandards soll daher einen Weg aufzeigen, wie auch kleinere Kommunen ihre Schulverpflegung auf ein höheres Niveau bringen können.

Wächter berichtet, dass der Austausch mit anderen Kommunen auf dem Kongress zusätzliche Impulse geliefert hat – etwa zu Fragen der Organisation, der Finanzierung und der Akzeptanz bei Eltern und Kindern. In Eisenach will die Verwaltung den eingeschlagenen Weg weitergehen und die Umrüstung der Schulküchen fortsetzen, um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern ein verlässliches, gesundes Mittagessen anbieten zu können.

Quelle: Pressemitteilung vom 20.10.2026
Fotos: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am von , Redakteur

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