06.10.2026

Lauchröden erinnert mit neuen Tafeln an Luftschlacht von 1944

In Lauchröden ist am Sonntag, dem 27. September, ein mehrjähriges Erinnerungsprojekt zur Luftschlacht vom 27. September 1944 feierlich abgeschlossen worden. 82 Jahre nach den schweren Luftkämpfen über dem Werratal machen nun neue Gedenktafeln die bekannten Absturzstellen im Gemeindegebiet Gerstungen dauerhaft sichtbar. Die Tafeln sollen die Ereignisse des Kriegstages im Werratal wachhalten und die Schicksale der beteiligten Menschen in den Mittelpunkt rücken.

Am 27. September 1944 wurden Lauchröden und das Werratal zum Schauplatz heftiger Luftkämpfe. 25 amerikanische Bomber stürzten im Werratal ab, fünf davon im heutigen Gemeindegebiet Gerstungen. Die Folgen des Einsatzes waren weit über die Region hinaus spürbar – auf beiden Seiten erhielten Familien die Nachricht, dass ihre Angehörigen nicht zurückkehren würden.

Im Rahmen der Gedenkfeier auf dem Dorfplatz in Lauchröden waren zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland angereist. Unter ihnen der amerikanische Konsul Michael Zgoda, Bundestagsabgeordneter Wilhelm Gebhard, Stefan Sander vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bundeswehrpfarrer Thomas Groß, eine Abordnung der Ehrengarde der US-Airbase Ramstein sowie Vertreter des Landeskommandos Thüringen der Bundeswehr. Auch viele politische Vertreter aus der Region und Einwohnerinnen und Einwohner nahmen teil.

Insgesamt acht Gedenktafeln wurden an den Absturzstellen von 1944 im Gemeindegebiet aufgestellt. Sie erinnern sowohl an deutsche als auch an amerikanische Flugzeugbesatzungen. Eine zentrale Tafel am Dorfgemeinschaftshaus in Lauchröden bündelt die Informationen zu den einzelnen Orten und verweist auf die Zusammenhänge der Ereignisse.

Eine besondere Note erhielt die Veranstaltung durch Gäste, deren Familiengeschichte direkt mit den Abstürzen verbunden ist. Aus den USA reisten Adam Brumfield, Enkel des Piloten Jim Schaen, dessen Maschine in der Kohlbach abstürzte, sowie Jack Gayney, Großneffe von Milo Mann aus der Walther-Crew, an. Beide Familien hatten Angehörige in den Bomberverbänden, die im Raum Lauchröden verloren gingen. Ebenfalls vor Ort war Jim Bertram, Präsident der Kassel Mission Historical Society (KMHS), gemeinsam mit seiner Frau.

Ortsteilbürgermeister Uwe Müller erinnerte in seiner Ansprache daran, dass am 27. September 1944 im Werratal schwere Luftkämpfe tobten und viele Familien auf beiden Seiten des Atlantiks ihre Angehörigen verloren. Für ihn steht beim Gedenken ein Gedanke im Vordergrund: „Es geht darum, die Würde der Menschen in Erinnerung zu bewahren.“

Auch Bürgermeister Daniel Steffan schlug eine persönliche Brücke zur Vergangenheit. Er berichtete, dass er bereits als Kind in seiner Heimat im heutigen Hörselberg-Hainich auf Überreste abgestürzter Flugzeuge gestoßen sei. Zugleich würdigte er den Einsatz der Initiatoren René und Jeannette Schmidt aus Lauchröden sowie von Museumsleiterin Katharina Dötterl. Rund 5.000 Euro hatten René und Jeannette Schmidt gemeinsam mit der Kassel Mission Historical Society über einen GoFundMe-Aufruf für das Projekt gesammelt.

Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sprach Stefan Sander. Er erinnerte an die langjährige Forschungsarbeit von Eberhard Hälbig zum Luftkrieg in der Region, der seine Erkenntnisse in Buchform veröffentlicht hat. Aus einem seiner Texte zitierte Sander eine eindringliche Schilderung des 27. September 1944: „Das Massaker beginnt… An diesem Tag regnete es kein Wasser aus der geschlossenen Wolkendecke, sondern unzählige Teile von explodierenden Flugzeugteilen, Ausrüstungsgegenständen, lebende und tote Flieger.“ Im Anschluss verlas er das traditionelle Totengedenken des Volksbundes.

Bundeswehrpfarrer Thomas Groß griff in seinem Gebet die nationalsozialistische Parole „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“ auf, um deutlich zu machen, wohin Größenwahn und Feindschaft führen: zu Krieg und Tod. Dem stellte er die Hoffnung entgegen, dass aus dem gemeinsamen Erinnern Kraft und Inspiration für den Frieden wachsen können.

Wie nah die Ereignisse auch Jahrzehnte später noch an den Familiengeschichten sind, zeigte der Auftritt von Adam Brumfield. Auf der zentralen Gedenktafel auf dem Lauchröder Dorfplatz ist ein Foto seines Großvaters, des damals 24-jährigen Piloten Jim Schaen, zu sehen. Brumfield berichtete von seiner Großmutter in Mississippi, die vor 82 Jahren ihr erstes Kind erwartete, als sie die Nachricht vom Tod ihres Mannes bei Gerstungen erhielt. Das Paar war noch kein Jahr verheiratet gewesen, als Schaen in den Krieg zog; erst wenige Wochen vor seinem Tod hatte er erfahren, dass seine Frau ein Kind erwartete. Am Ende dankte die Familie all jenen, die das Andenken an Jim Schaen und seine Geschichte bis heute bewahren: „Danke, dass Sie an unseren Großvater erinnern.“

Aus der Aufarbeitung der einzelnen Absturzstellen ist ein Erinnerungsprojekt entstanden, das Menschen über Generationen und Ländergrenzen hinweg verbindet. Die neuen Gedenktafeln halten die Geschichte dort sichtbar, wo sie sich 1944 ereignete, und sollen dazu beitragen, die Schicksale der betroffenen Menschen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Quelle: Pressemitteilung vom 06.10.2026
Fotos: Gemeinde Gerstungen
Veröffentlicht am von , Redakteur

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