Prozess um Brand im Billard-Café am Jakobsplan: Angeklagter bestreitet Brandstiftung
Vor dem Landgericht Meiningen hat am Montag, 26. Oktober 2026, der Prozess um den Brand des Billard-Cafés „Black Pool“ am Jakobsplan begonnen. Angeklagt ist ein 48-jähriger Eisenacher, der Partner der Immobilienbesitzerin. Er bestreitet, das Feuer im August 2025 gelegt zu haben.
Was die Anklage dem 48-Jährigen vorwirft
Die Staatsanwaltschaft legt ihm besonders schwere Brandstiftung, Körperverletzung und versuchten Betrug zur Last. Er soll das Gebäude in der Nacht zum 19. August 2025 angezündet haben, um von seiner Versicherung bis zu einer Million Euro zu bekommen. Noch am Tag des Brandes soll er Leistungen von mehreren Hunderttausend Euro gefordert haben.
Das Gebäude an der Sophienstraße brannte vollständig aus. Im Haus selbst hielt sich niemand auf, für die Nachbarhäuser bestand aber Gefahr. 18 Bewohnerinnen und Bewohner wurden in der Nacht evakuiert. Eine Nachbarin und eine Polizistin, die bei der Räumung half, erlitten laut Anklage eine Rauchgasvergiftung.
Verteidigung weist die Vorwürfe zurück
„Mein Mandant war das nicht“, erklärte der Verteidiger zum Auftakt, wie der MDR berichtet. Der Angeklagte will vor Gericht nicht selbst aussagen. Er habe sich bereits bei der Polizei geäußert. Nach Darstellung seines Anwalts hatte der 48-Jährige das Café gemeinsam mit seiner Partnerin mit viel Aufwand eingerichtet. Es sei abwegig, dass er es zerstört habe, um Geld von der Versicherung zu bekommen.
Ermittler: Feuer an mehreren Stellen gelegt
Ein Brandermittler sagte als Zeuge aus, dass schon am Tag nach dem Feuer von Brandstiftung auszugehen war. Spürhunde, die auf Brandbeschleuniger trainiert sind, schlugen an verschiedenen Stellen im Gebäude an. Sechs Tage lang untersuchten die Ermittler die Ruine und kamen zu dem Schluss, dass das Feuer an mehreren Stellen im Inneren gelegt worden war.
Auf den Angeklagten stießen die Ermittler nach Aussage eines zweiten Beamten, weil er Zugang zu dem Gebäude hatte und der zeitliche Ablauf passte. Der 48-Jährige habe das Café knapp eine Stunde vor Ausbruch des Feuers verlassen. Ungeklärt ist, wer ein Hakenkreuz an das Gebäude geschmiert hat. Das Landeskriminalamt konnte nicht helfen, weil sich ein Symbol anders als eine Handschrift nicht zuordnen lasse.
Warum die Anklage auf besonders schwere Brandstiftung lautet
Eine Brandstiftung gilt unter anderem dann als besonders schwer, wenn jemand das Feuer legt, um eine andere Straftat zu ermöglichen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zählt dazu auch der Betrug an einer Versicherung. Das Strafgesetzbuch sieht dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vor (§ 306b StGB). Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.
Billardverein hat ein neues Zuhause
Mit dem Café verbrannte auch das Vereinsheim des 1. BC BlackPool Eisenach mitsamt Billardtischen und Ausstattung. Der Verein startete im August 2025 eine Spendenaktion für den Neuanfang. Laut MDR kamen mehr als 7.000 Euro zusammen. Nach Angaben des Vereins wurde die neue Heimspielstätte am 20. Juni 2026 eröffnet. Die Mannschaft spielt in der Billard-Regionalliga.
Wie es weitergeht
Weitere Verhandlungstage sind für den 2., 9. und 16. November 2026 angesetzt, jeweils montags ab 9 Uhr in Saal A 145. Ob am 16. November bereits ein Urteil fällt, ist offen. Den Einsatz in der Brandnacht schildert unser Bericht Brand in Eisenacher Bar: Feuerwehr verhindert größere Schäden am Jakobsplan. Die ersten Ermittlungsschritte stehen im Beitrag Polizei ermittelt nach Brandstiftung in Eisenacher Billard-Café.
Quellen: MDR Thüringen, 26.10.2026; Rhönkanal / LG Meiningen, 25.10.2026; BGH 4 StR 700/98
Foto: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am 27.10.2026 15:33 von Christian Wolf, Redakteur
Kommentare