Regionalkonferenz in Wünschensuhl: Wie Leerstand neue Treffpunkte im Dorf werden kann
Wie lassen sich leerstehende Häuser und Höfe in den Dörfern des Wartburgkreises wieder nutzen – und wer hilft dabei ganz konkret? Mit diesen Fragen hat sich am Samstag, 20. Juni, die zweite Regionalkonferenz „Zukunft ländlicher Raum“ im Dorfgemeinschaftshaus Wünschensuhl beschäftigt. Rund 40 Teilnehmende aus Kommunalpolitik, Vereinen und Dorfentwicklung kamen zusammen, um Beispiele aus der Region kennenzulernen und neue Unterstützungsmöglichkeiten für Projekte vor Ort zu diskutieren.
Organisiert wurde die Konferenz vom Amt für Kreisplanung und Regionalentwicklung des Wartburgkreises im Rahmen des Landkreisfestes in Wünschensuhl. Unter dem Titel „Leerstand – Raum für Zukunft und Gemeinschaft“ standen vor allem die Chancen im Mittelpunkt, die entstehen, wenn alte Gebäude neue Funktionen als Treffpunkte, Veranstaltungsorte oder Mehrzweckhäuser bekommen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Landrat Dr. Michael Brodführer und dem Bürgermeister der Stadt Werra-Suhl-Tal, Maik Klotzbach. Beide betonten, dass ungenutzte Gebäude nicht nur ein bauliches Problem sind, sondern auch Potenzial für Begegnung und Engagement bieten. Wo frühere Gasthäuser, Schulen oder Wohnhäuser wieder genutzt werden, entstehen Räume für Vereine, Kulturangebote und nachbarschaftliche Projekte.
Einen fachlichen Schwerpunkt setzte der Beitrag von Robert Anton vom Verein LeerGut-Agentinnen und -Agenten e.V. Er stellte ein neues Kooperationsprojekt im Wartburgkreis vor, das sich gezielt an Initiativen richtet, die ein leerstehendes Gebäude vor Ort reaktivieren möchten. Zwölf solcher Projekte sollen über einen sogenannten „LeerGut-Schein“ Zugang zu Beratung, fachlicher Begleitung und einem Netzwerk von Expertinnen und Experten erhalten.
Finanziert wird dieses Angebot durch die Sparkassenstiftung der Wartburg-Region. Der Wartburgkreis und die Stiftung LandCampus unterstützen das Vorhaben als Netzwerkpartner. Ziel ist es, Engagierte bei der Entwicklung tragfähiger Nutzungskonzepte zu begleiten – von der ersten Idee bis hin zu konkreten Projektschritten.
Wie Leerstandsaktivierung im Wartburgkreis bereits heute aussehen kann, zeigten mehrere Praxisbeispiele aus der Region. Ortsteilbürgermeister Stefan Börner stellte das Dorfgemeinschaftshaus Wünschensuhl vor, das selbst aus der Umnutzung eines Gebäudes hervorgegangen ist. Uwe Rübsam präsentierte das Dorfgemeinschaftshaus des Vereins Landvolk Übelroda, und Wolfgang Hartmann berichtete über die Entwicklung des Marienthaler Schlösschens.
Die Beispiele machten deutlich, dass Wege und Strukturen sehr unterschiedlich sein können: Mal steht ein Verein im Mittelpunkt, mal die Kommune, mal eine lose Initiative. Gemeinsam ist den Projekten, dass sie ohne bürgerschaftliches Engagement, Unterstützung durch die Gemeinden und funktionierende regionale Netzwerke kaum umzusetzen wären.
Nach dem inhaltlichen Teil der Konferenz schloss sich ein Ortsrundgang durch Wünschensuhl an. Landrat Dr. Michael Brodführer, Bürgermeister Maik Klotzbach, Ortsteilbürgermeister Stefan Börner und interessierte Gäste nutzten die Gelegenheit, sich direkt im Ort über bereits umgesetzte und mögliche künftige Vorhaben der Dorfentwicklung zu informieren.
Parallel zur Konferenz fand in den Straßen von Wünschensuhl das Landkreisfest des Wartburgkreises statt, das zahlreiche Besucherinnen und Besucher anzog. So trafen sich fachlicher Austausch und lebendiges Dorfgeschehen an einem Tag – von der Diskussion im Saal bis zum Gespräch am Straßenrand.
Mit der Veranstaltung in Wünschensuhl wurde die im November 2025 gestartete Reihe „Zukunft ländlicher Raum“ fortgesetzt. Ziel dieser Regionalkonferenzen ist es, Kommunen, Initiativen, Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger regelmäßig zusammenzubringen, gute Beispiele sichtbar zu machen und neue Kooperationen anzustoßen.
Wer selbst Ideen für die Nutzung leerstehender Gebäude hat oder bereits in der Ortsentwicklung aktiv ist, kann sich an das Amt für Kreisplanung und Regionalentwicklung des Wartburgkreises wenden. Ansprechpartnerinnen sind Maika Baldauf und Madeleine Rein, erreichbar per E-Mail unter kreisplanung@wartburgkreis.de sowie telefonisch unter 03695/61-6301.
Landrat Dr. Michael Brodführer machte deutlich, dass gerade dieses Engagement vor Ort entscheidend ist: Dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, können aus leerstehenden Gebäuden wieder Orte werden, die das Dorfleben stärken.
Quelle: Pressemitteilung vom 30.06.2026
Foto: Landratsamt Wartburgkreis
Veröffentlicht am 30.06.2026 13:59 von Christian Wolf, Redakteur
Kommentare