11.06.2026

ThSV Eisenach: Starke Saison, Klassenerhalt – und ein Bruch hinter den Kulissen

Der ThSV Eisenach hat die Saison 2025/2026 in der 1. Handball-Bundesliga souverän über dem Strich beendet – und damit vielen Prognosen widersprochen. Sportlich stand der Klassenerhalt bereits im April so gut wie fest, endgültig gesichert war er am 24. Mai 2026. Gleichzeitig spitzten sich vereinsinterne Konflikte zu, die Anfang Mai im Aus für Geschäftsführer René Witte mündeten.

Der emotionale Höhepunkt der Saison war aus Sicht vieler Fans der 34:29-Auswärtssieg bei GWD Minden am 24.04.2026. Es war der erste Erfolg in der Fremde in dieser Spielzeit. Trainer Sebastian Hinze, sonst eher zurückhaltend, jubelte ausgelassen, ballte die Fäuste und stimmte gemeinsam mit den mitgereisten Anhängern das „Rennsteiglied“ an. Für die Mannschaft war damit der letzte Makel einer insgesamt stabilen Saison getilgt, der Verbleib im Oberhaus praktisch gesichert.

Sportlich hatte der ThSV Eisenach damit deutlich mehr erreicht, als viele ihm zugetraut hatten. „Ich glaube mich erinnern zu können, dass selbsternannte und tatsächliche Experten spätestens nach dem Abgang von Marko Grgic den ThSV Eisenach als ersten Absteiger benannt haben. Sebastian Hinze und unsere Mannschaft haben alle eines Besseren belehrt“, bilanzierte Sportchef Maik Nowak. Die Wartburgstädter rutschten in der gesamten Saison nicht auf einen Abstiegsrang und punkteten auch gegen Spitzenteams.

Ein Schlüssel dafür war die Entwicklung einzelner Spieler. Der erst 22-jährige Schweizer Felix Aellen legte in seinem ersten Bundesligajahr als Spielmacher 188 Tore auf und wurde zu einem der auffälligsten Offensivspieler im Team. Rechts im Rückraum steigerte sich der 24-jährige Linkshänder Stephan Seitz, der im Sommer vom SC DHfK Leipzig gekommen war, so deutlich, dass er sich in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft spielte. Kreisläufer Tillman Leu, zuvor beim Dessau-Roßlauer HV, fiel durch konstant hohe Einsatzbereitschaft auf und wurde von vielen Fans als „Mentalitätsmonster“ gefeiert.

Auch auf den Außenbahnen passte vieles zusammen: Die Flügelspieler harmonierten, im linken Rückraum legte Oskar Joelsson zu. Flügelspieler Vincent Büchner schaffte es mit knapp 28 Jahren in die DHB-Auswahl und spielte sich damit in den Fokus anderer Klubs – zur neuen Saison wechselt er zum THW Kiel. Kapitän Peter Walz führte ein Team, das die Spielidee des neuen Trainers schnell annahm und vor allem in den Heimspielen überzeugte.

Im besonderen Heimflair wurden 7 der 8 Saisonsiege gefeiert, drei weitere Partien endeten unentschieden. Damit legte der ThSV Eisenach die Basis für das vierte Jahr in Folge im Handballoberhaus und verschaffte sich frühzeitig Planungssicherheit für den Kader.

Während die Mannschaft auf dem Feld für positive Schlagzeilen sorgte, wuchs hinter den Kulissen der Druck. Bereits seit dem Jahreswechsel 2025/2026 gab es Spannungen zwischen der ThSV-Marketing GmbH, die den Profibereich verantwortet, und dem Vereinsvorstand um Präsident Shpetim Alaj. Der Konflikt zog sich durch weite Teile der „ThSV-Familie“ und prägte die Diskussionen im Umfeld des Klubs.

Anfang Mai zog die Marketing GmbH die Konsequenzen: Die Gesellschafter verkündeten das Ende der Ära René Witte „im gegenseitigen Einvernehmen“. Witte hatte als Geschäftsführer der ThSV-Marketing GmbH den Profibereich über mehrere Jahre geprägt. Nach Angaben aus dem Verein war die Entscheidung das Ergebnis einer länger schwelenden Auseinandersetzung zwischen Geschäftsführung und Vereinsgremien.

Gesellschafter Günter Oßwald, seit Jahrzehnten Sponsor des ThSV, sprach von einer „unliebsamen, aber richtigen Entscheidung“. Gemeinsam mit ThSV-Vizepräsident Peter Krauß übernahm er zunächst kommissarisch die Geschäftsführung der Marketing GmbH. Beide stehen damit vor der Aufgabe, den Profibereich organisatorisch zu stabilisieren und das Vertrauen innerhalb des Vereinsumfeldes wieder zu festigen.

Der Schritt markiert einen weiteren Einschnitt nach einer Phase anhaltender Unruhe rund um Strukturfragen, Zuständigkeiten und Kommunikation zwischen Verein, Marketing GmbH und Fanbasis. Während die sportliche Entwicklung unter Trainer Sebastian Hinze für Kontinuität im Oberhaus spricht, bleibt offen, wie sich die neue Führungsstruktur langfristig auf den Bundesligastandort auswirkt.

Für Fans und Partner bedeutet die Konstellation: Auf dem Spielfeld ist der ThSV Eisenach vorerst angekommen, organisatorisch beginnt nach dem Ende der Witte-Ära eine neue Phase, in der sich zeigen wird, ob der Verein die internen Risse schließen und die Weichen für die kommenden Spielzeiten stellen kann.

Quelle: Pressemitteilung vom 10.06.2026
Veröffentlicht am von , Redakteur

Kommentare