07.08.2026

Gottesanbeterin rückt näher: NABU bittet auch in Westthüringen um Meldungen

Die Europäische Gottesanbeterin breitet sich in Thüringen weiter aus – und könnte in den kommenden Jahren auch in Offenlandbereichen rund um Eisenach und im Wartburgkreis häufiger zu sehen sein. Der NABU Thüringen ruft deshalb Naturinteressierte dazu auf, Funde der auffälligen Fangschrecke mit Foto und genauer Ortsangabe zu melden. Die Daten sollen helfen, die Ausbreitung der Art im Freistaat besser zu verstehen.

Seit 2018 erreichen den NABU Thüringen regelmäßig Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern zur Gottesanbeterin. Schwerpunkte der bisherigen Nachweise liegen nach Angaben des Verbandes im Kyffhäuserkreis, im Mittleren Saaletal und im Landkreis Sömmerda. Für wärmebegünstigte Regionen Westthüringens sieht Insektenexperte Ronald Bellstedt grundsätzlich gute Bedingungen – etwa in trockenwarmen, sonnigen Lagen mit lückiger Vegetation. Aus einigen dieser Gebiete fehlen bislang jedoch noch Nachweise.

Die Gottesanbeterin stammt ursprünglich aus Afrika und bevorzugt sonnige, trockenwarme Standorte wie Halbtrockenrasen, Gras- und Buschlandschaften oder Ruderalflächen mit lockerer Vegetation. Lange Zeit galt sie in Deutschland als selten und war vor allem aus Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl bekannt. Mit den zunehmend warmen Sommern hat sich ihr Verbreitungsgebiet deutlich nach Norden und Osten ausgedehnt, inzwischen auch nach Thüringen.

Zu den bevorzugten Beutetieren der Gottesanbeterin gehören Heuschrecken, Fliegen und verschiedene Hautflügler. Die Tiere sitzen oft stundenlang reglos in höherer Vegetation und warten auf Beute. Wird ein Insekt mit den großen Facettenaugen erfasst, folgt ein blitzschneller Fangschlag: Innerhalb von nur 50 bis 60 Millisekunden schlagen die kräftigen, mit Dornen besetzten Fangarme zu. Aus diesem Griff entkommt die Beute in der Regel nicht mehr.

Bekannt ist die Art auch wegen ihres Paarungsverhaltens. In freier Natur wird nach Angaben des NABU etwa ein Drittel der Männchen nach der Paarung vom Weibchen gefressen. Für Menschen besteht dagegen keine Gefahr. Die Tiere sind weder giftig noch können sie stechen. Wer eine Gottesanbeterin findet, sollte sie dennoch nicht anfassen, sondern aus einiger Entfernung beobachten und den Lebensraum schonen.

Der NABU Thüringen sieht in den Meldungen zur Gottesanbeterin auch einen wichtigen Baustein, um die Folgen des Klimawandels auf die Tierwelt besser einordnen zu können. Erwartet wird, dass die Art vor allem in Offenlandbereichen mit lückiger Vegetation, in denen es zunehmend heißer und trockener wird, weiter zunimmt. In waldreichen Lagen wie dem Thüringer Wald sind die Tiere bislang selten, könnten aber langfristig auf geeigneten Offenflächen auftauchen.

Wer in Thüringen eine Gottesanbeterin in der freien Natur entdeckt, kann den Fund per E-Mail an den NABU Thüringen melden. Wichtig sind ein Foto zur sicheren Bestimmung sowie eine möglichst genaue Ortsangabe. Die Tiere sollten dabei nicht gestört werden. Meldungen nimmt der Verband unter der Adresse Lgs@NABU-Thueringen.de entgegen.

Hintergrund: Verbreitung in Deutschland

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt die Gottesanbeterin hierzulande als Exotin und war fast ausschließlich aus dem Kaiserstuhl bekannt. Inzwischen wird ein Westvorkommen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse beschrieben, dazu ein getrenntes Ostvorkommen von Thüringen über die Lausitz bis in den Raum Berlin. Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Tiere im Osten auch aus Tschechien und Polen eingewandert sind.

Quelle: Pressemitteilung vom 06.08.2026
Foto: NABU
Veröffentlicht am von , Redakteur

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