Junge ThSV-U23 hält beim Oberliga-Titelfavoriten lange mit
Die U23 des ThSV Eisenach hat sich im Oberliga-Derby bei der HSG Werratal teuer verkauft. Trotz einer 22:30 (9:13)-Niederlage im Sportzentrum Breitungen zeigte die junge Zweitvertretung mit einem Durchschnittsalter von 19,5 Jahren vor 420 Zuschauern eine couragierte Leistung. Trainer Mark Dragunski und Kapitän Leif Katzwinkel sahen viele Ansätze, auf die sich in den kommenden Wochen aufbauen lässt – auch wenn eine rote Karte gegen Rückraumspieler Joel Juhnke kurz vor der Pause zur entscheidenden Schwächung wurde.
„Ich bin schon ein bisschen stolz, wie unsere Jungs in solch heißer Atmosphäre beim Titelfavoriten aufgetreten sind. Einstellung und Kampf stimmen. Die Niederlage fiel am Ende zu hoch aus“, bilanzierte ThSV-Coach Mark Dragunski. Auch HSG-Sportchef Kay Gehri attestierte den Gästen „eine sehr gute Vorstellung“ und hob das hohe Tempo der Partie hervor.
Den Unterschied machten am Ende Erfahrung, Körperlichkeit und das Torhüterduell. Die Gastgeber schickten ein Team mit einem Durchschnittsalter von 27,61 Jahren aufs Feld, darunter gleich acht frühere Eisenacher und ein weiteres ThSV-Talent mit Doppelspielrecht. Routiniers wie Adrian Wöhler (39) und Franziskus Gerr (41) prägten das Spiel der HSG Werratal. Im Tor parierte Bastian Brand 16 Würfe, während das Eisenacher Duo Aron Büchner und Jules Mignot zusammen auf 8 gehaltene Bälle kam. ThSV-Co-Trainer Jan Gesell zählte zudem 19 Fehlwürfe und 13 Technik- und Regelfehler auf Seiten der Gäste.
Früh zeichnete sich ab, dass die Eisenacher Leichtgewichte gegen die robuste HSG-Abwehr Schwerstarbeit leisten mussten. Nur beim 3:3 (9. Minute) durch Joel Juhnke stand es unentschieden. Ballverluste nutzte das Team von Trainer Frank Ihl konsequent zum 7:3 (15.), eingeleitet von Spielmacher Tizian Reum in Überzahl. Auf beiden Seiten wurde viel rotiert, bei der HSG kamen unter anderem Yann Schiertz und Julian Rothhämel, beim ThSV unter anderem Louis Kryeziu und Tim Nothum.
Vom Siebenmeterstrich lief es für die Gäste zunächst nicht: Linkshänder Marec Stupka scheiterte in der 19. und 23. Minute zwei Mal an HSG-Keeper Brand. Auf der Gegenseite parierte Jules Mignot einen Strafwurf von Armend Alaj (37.). Insgesamt verwandelte die HSG Werratal 3 von 5 Siebenmetern, der ThSV Eisenach II 3 von 6.
Eine Schlüsselszene ereignete sich kurz vor der Pause: Nach einem bereits geahndeten Stören des schnellen Anwurfs durch HSG-Rückraumspieler Paul Jegminat gerieten beide Kontrahenten in der Abwehr aneinander. Jegminat foulte Juhnke, der sich zu einem Revanchefoul hinreißen ließ. Der technische Delegierte Jens Hanse sprach von einer folgerichtigen Entscheidung: Zeitstrafe gegen Jegminat, Rot für Juhnke (30. Minute). „Mit ihm ging uns Körperlichkeit verloren“, stellte Dragunski fest. Bis auf diese Szene blieb das Derby nach Einschätzung aller Beteiligten fair.
Nach dem Seitenwechsel versuchte der ThSV Eisenach II mit einer offensiven Deckung, den Favoriten aus dem Rhythmus zu bringen. Zeitstrafen auf beiden Seiten häuften sich, die HSG wackelte kurzzeitig. Der 17-jährige Linksaußen Santiago Rack kam frei zum Abschluss, scheiterte aber zwei Mal an Brand (41./42.). Auch ein Siebenmeter von Kapitän Leif Katzwinkel fand in der 45. Minute nicht den Weg ins Tor. Beim Stand von 21:16 (46.) setzte Kreisläufer Conrad Ruppert mit einem Wurf ins verwaiste HSG-Gehäuse aus der eigenen Hälfte ein Ausrufezeichen, doch ein Torwartwechsel auf Eisenacher Seite brachte nicht die erhoffte Wende. Die Gastgeber zogen bis zur 54. Minute auf 27:18 davon.
„Bis zur 40. Minute lieferten wir ein solides Auswärtsspiel, haben dann den Kopf verloren. Falsche Wurfentscheidungen, technische Fehler und von der Torwartposition kam auch keine Hilfe“, analysierte Keeper Aron Büchner selbstkritisch. Katzwinkel ergänzte, einige Spieler hätten mit den Rahmenbedingungen und der hitzigen Atmosphäre zu kämpfen gehabt und nicht an die Leistung beim jüngsten 9-Tore-Sieg über den SV Hermsdorf anknüpfen können.
Auf Seiten der HSG Werratal ragte Rückraumspieler Paul Jegminat heraus. Der bullige Shooter, einst im ThSV-Nachwuchs aktiv, war mit 8 Treffern bester Werfer seines Teams und kaum zu stoppen. Spielgestalter Tizian Reum steuerte 3 Tore bei und sah seine Mannschaft vor allem defensiv klar im Vorteil: „Unsere Abwehr, inklusive Torhüter, war der Schlüssel. Nach der Pause haben wir im Angriff noch einmal einen Gang hochgeschaltet.“
Bei den Gästen verdiente sich der 17-jährige Rückraumspieler Jeffry Hippert Bestnoten. Er scheute keinen Zweikampf und war mit 7 Toren erfolgreichster Schütze des ThSV Eisenach II, darunter ein sicher verwandelter Siebenmeter zum 30:22-Endstand in der Schlussminute nach einem Foul an Felix Cech. Auch Tim Nothum und Rückraumspieler Cech, der im Vorjahr kaum Einsatzzeiten hatte, setzten im Angriff positive Akzente.
Für zusätzliche Emotionen sorgte das Wiedersehen mit mehreren früheren Eisenacher Spielern im HSG-Trikot. Allrounder Armend Alaj, der im Sommer nach 16 Jahren beim ThSV zur HSG Werratal gewechselt war, sprach von einem „schweren Spiel“ gegen viele ehemalige Mitspieler. Zugleich zollte er der jungen Eisenacher Mannschaft Respekt und hob hervor, dass die HSG die rechte Angriffsseite der Gäste nahezu komplett aus dem Spiel nehmen konnte. Die zuletzt so treffsicheren Linkshänder Marec Stupka und Maarten Elwert blieben ohne Torerfolg.
In der Schlussphase ließ der Titelfavorit nichts mehr anbrennen. Julian Rothhämel übernahm die Regie im HSG-Angriff, die Gastgeber bauten ihren Vorsprung aus, ohne dass die Eisenacher resignierten. Ein besonderes Kapitel schrieb Kreisspieler Felix Ohnesorge: Der 17-Jährige feierte seinen ersten Einsatz im Männerbereich, erzielte prompt sein Premierentor und kassierte kurz darauf seine erste Zeitstrafe – alles innerhalb von 60 Sekunden.
Nach dem Abpfiff nutzten Spieler beider Teams die Gelegenheit, Szenen der intensiven 60 Minuten im Gespräch aufzuarbeiten. Routinier Adrian Wöhler stand dabei auch den rund 20 Jahre jüngeren Eisenacher Talenten mit Tipps zur Seite. Für den ThSV Eisenach II bleibt trotz der klaren Niederlage das Gefühl, beim Topfavoriten der Liga lange konkurrenzfähig gewesen zu sein – eine Erfahrung, die für den weiteren Saisonverlauf in der Oberliga Thüringen wichtig werden könnte.
Statistik
HSG Werratal: Brand, Kremmer; Panasenko (2), Y. Schiertz, Wöhler (4/3), Rothhämel (2), Jegminat (8), Reum (3), A. Alaj (1), Oelschläger (1), Scharfenberg (6), Gerr (3), Pesic
ThSV Eisenach II: Büchner, Mignot; Kryeziu (3), Nothum (2), Cech (2), Ruppert (2), Ohnesorge (1), Juhnke (4/2), Katzwinkel (1), Rack, Golebniak, Hippert (7/1), Elwert, Supka
Siebenmeter: HSG Werratal 3/5 – ThSV Eisenach II 3/6
Zeitstrafen: HSG Werratal 7 x 2 Min. – ThSV Eisenach II 5 x 2 Min., Rot für Juhnke nach grobem Foulspiel (30.)
Zuschauer: 420 im Sportzentrum Breitungen
Quelle: Pressemitteilung vom 20.09.2026
Veröffentlicht am 20.09.2026 16:52 von Christian Wolf, Redakteur
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