Neue Elisabeth-Charta: Eisenach bereitet Jubiläen bis 2035 vor
In Eisenach haben Kirchen, Stadt, Wartburg-Stiftung und Tourismusakteure eine gemeinsame „Charta der Freundinnen und Freunde der Heiligen Elisabeth“ unterzeichnet. Ziel ist es, das Erbe der Heiligen Elisabeth in Eisenach und der Region sichtbarer zu machen und langfristig zu stärken. Die Vereinbarung wurde am 14. Oktober 2026 in der Predigerkirche geschlossen und richtet sich bereits auf die großen Jubiläen 2031 (800. Todestag) und 2035 (800 Jahre Heiligsprechung) aus.
Unterzeichnet wurde die Charta von Oberbürgermeister Christoph Ihling, dem ehemaligen Landrat Reinhard Krebs, Burghauptmann Prof. Dr. Martin Eberle, Toni Schulz als Geschäftsführer der Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH, Superintendent Ralf-Peter Fuchs, Pfarrer Dr. Christian Bock und Pfarrer Dr. Armin Pöhlmann. Sie verstehen die Vereinbarung als Neustart eines Prozesses, der 2020 mit einem Letter of Intent zwischen Stadt, Bistum Erfurt und Evangelischer Kirche in Mitteldeutschland begonnen hatte und durch die Corona-Pandemie ins Stocken geraten war.
Die Predigerkirche spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie gilt als einer der frühesten Elisabeth-Kirchen weltweit und ist heute wichtiger Erinnerungsort an die Landgräfin in der Innenstadt. In den vergangenen Jahren wurde das Haus inhaltlich neu ausgerichtet und baulich aufgewertet; zugleich sind dort mehrere Elisabeth-Ausstellungen entstanden, die den Schwerpunkt des Ortes weiter geschärft haben.
Die Charta stellt Elisabeth von Thüringen als verbindende Figur in den Mittelpunkt. Sie soll über Konfessions-, Länder- und Generationengrenzen hinweg wirken. Als Leitwort dient ein ihr zugeschriebener Satz: „Man soll die Menschen froh machen.“ Die Unterzeichner betonen, dass sie im Geist Elisabeths handeln wollen – mit konkreten Angeboten in Kirche, Stadtgesellschaft, Kultur, Sozialarbeit und Tourismus.
Kern des Papiers sind vier Leitlinien, an denen sich künftige Projekte orientieren sollen. Erstens wird Elisabeth ausdrücklich als verbindende Gestalt verstanden: Begegnungen zwischen Konfessionen, Kulturen und Generationen sollen gefördert und bestehende Grenzen überwunden werden. Zweitens rückt junges Ehrenamt in den Fokus. Mit Blick auf Elisabeths frühe Verantwortung wollen die Partner junge Menschen gezielt ansprechen und ihnen Verantwortung übertragen.
Drittens soll das touristische Potenzial des Themas mit „Substanz“ gefüllt werden. Die Anziehungskraft von Wartburg, Predigerkirche und Elisabeth-Überlieferung soll genutzt werden, um historisches Gedenken mit dem zu verbinden, was heute in Eisenach für Menschen getan wird – von der Legende hin zur gelebten Gegenwart. Viertens verpflichten sich die Beteiligten zu einer glaubwürdigen Kommunikation: Das Elisabeth-Erbe soll mit heutigen Geschichten weitererzählt werden, etwa über Einrichtungen und Menschen, die sich in ihrem Sinne engagieren.
Konkrete Arbeitsfelder benennt die Charta ebenfalls. Genannt werden die Orte der Erinnerung, die Wege dorthin, Räume für Stille und Gebet, die caritative und diakonische Praxis, Bildungsangebote, junges Ehrenamt, eine gastfreundliche Infrastruktur sowie die europäischen Partnerschaften der Elisabeth-Städte und -Gemeinden. Bis 2035 soll Eisenach neben Marburg und Sárospatak als europäischer Elisabeth-Ort gelten – und sich diesen Rang durch konkrete Projekte erarbeitet haben.
Organisatorisch sieht die Vereinbarung regelmäßige Treffen mindestens zweimal im Jahr vor. Jeder Unterzeichner benennt eine Vertretung, Gäste können hinzukommen, sofern niemand widerspricht. Entscheidungen sollen möglichst einvernehmlich fallen; niemand ist zu Maßnahmen verpflichtet, denen er nicht zugestimmt hat. Die Stadt Eisenach übernimmt die Koordination, für Korrespondenz und Dokumentation genügt Textform.
Um die Arbeit greifbar zu machen, wird eine fortlaufende Liste gemeinsamer Vorhaben geführt – mit Zielen, Zeitpunkten und beteiligten Partnern. Ressourcen sollen im Rahmen des rechtlich Zulässigen unbürokratisch bereitgestellt werden, Erfahrungen und Ergebnisse werden gemeinsam ausgewertet. Der Kreis der „Freundinnen und Freunde“ kann erweitert werden, wenn alle Beteiligten zustimmen; zugleich kann jede Institution ihre Mitwirkung jederzeit beenden.
Erste Projekte, die in die neue Linie passen, sind bereits angelaufen. Am 13. August 2026 luden Caritas und Diakonie zur „Elisabeth-Tafel“ auf den Eisenacher Marktplatz ein, die künftig jährlich stattfinden soll. Am 15. November 2026 eröffnet in der Predigerkirche eine Kabinettausstellung unter dem Titel „Elisabeth – Die Sehnsucht nach der Fassbarkeit“, die das Thema aus musealer Perspektive aufgreift.
Am Gedenktag der Heiligen, dem 19. November 2026, ist um 17 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst auf der Wartburg geplant, der jährlich wiederkehren und jeweils eine Einrichtung in den Mittelpunkt stellen soll, die heute im Sinne Elisabeths arbeitet. Für den 7. Juli 2027, den Geburtstag Elisabeths, kündigen die Partner erstmals einen „Elisabeth-Tag“ als jährlichen Höhepunkt in Eisenach an. An diesem Tag sollen alle Personen mit dem Vornamen Elisabeth freien Eintritt auf der Wartburg und in der Predigerkirche erhalten.
Die Unterzeichner setzen damit auf eine langfristige Entwicklung: Bis zu den Jubiläen 2031 und 2035 soll Schritt für Schritt ein Netzwerk aus geistlichen, sozialen, kulturellen und touristischen Angeboten wachsen, das Elisabeths Vermächtnis im Alltag der Stadt verankert – und Eisenach zugleich stärker mit den europäischen Elisabeth-Orten verbindet.
Der vollständige Wortlaut der „Charta der Freundinnen und Freunde der Heiligen Elisabeth“ ist öffentlich zugänglich und dokumentiert die Vereinbarungen im Detail.
Quelle: Pressemitteilung vom 16.10.2026
Fotos: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am 16.10.2026 12:07 von Christian Wolf, Redakteur

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