29.09.2026

Neue Stolpersteine in Eisenach: Vier Gedenksteine erinnern an jüdische Bürger

In Eisenach werden am Donnerstag, 1. Oktober, vier weitere Stolpersteine verlegt. Stadtverwaltung, Bündnis gegen Rechtsextremismus und Eisenacher Geschichtsverein laden alle Interessierten zu der öffentlichen Gedenkaktion ein. Start ist um 9 Uhr in der Kapellenstraße 3, anschließend folgen drei weitere Stationen in der Innenstadt. Mit den neuen Steinen steigt die Zahl der Stolpersteine in Eisenach von 147 auf 151.

Die Auftaktveranstaltung vor dem Haus Kapellenstraße 3 erinnert an den Rechtsanwalt und Notar Dr. Erich Brückmann. Er hatte dort seinen Wohnsitz, emigrierte vermutlich 1939 nach England und verstarb 1948 im Alter von 54 Jahren im Londoner Stadtteil Hendon (Middlesex). Oberbürgermeister Christoph Ihling und Dr. Eckart Maaß, Vizepräsident der Thüringer Notarkammer, sprechen Grußworte. Frank Rothe vom Bündnis gegen Rechtsextremismus stellt die Biografie Brückmanns vor. Musikalisch wird die Verlegung von Marco Böttger und Jo Fingerhut begleitet.

Um 9.45 Uhr verlagert sich das Gedenken in die Johannisstraße 9. Dort lebte der Kaufmann Albert Eduard Silberstein. Er wurde zunächst nach Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert. Sein genaues Todesdatum ist nicht überliefert. Der Stolperstein vor seinem früheren Wohnhaus erinnert an sein Schicksal.

Die dritte Station ist für 10 Uhr in der Goethestraße 29 geplant. Hier wird ein Stolperstein für Pauline Stiebel, geborene Weinstein, verlegt. Schülerinnen und Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums begleiten diesen Teil der Veranstaltung. Pauline Stiebel war mit dem Wollhändler Sally Stiebel verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn konnte über Italien nach Australien fliehen. Pauline Stiebel nahm sich am 23. März 1938 aus Verzweiflung das Leben.

Ab 10.20 Uhr schließt die Verlegung in der Georgenstraße 13 den Rundgang ab. Dort entsteht ein Stolperstein für den Rechtsanwalt Dr. Paul Troplowitz. Er führte bis 1933 eine Kanzlei in der Querstraße, bevor ihm die Nationalsozialisten die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen. Troplowitz ging nach Berlin und wurde von dort nach Auschwitz deportiert. Auch in seinem Fall ist das genaue Sterbedatum nicht bekannt.

Mit den vier neuen Steinen wächst das Netzwerk der Gedenktafeln im Stadtgebiet weiter an. Derzeit liegen 147 Stolpersteine im Eisenacher Straßenbild, am 1. Oktober werden es 151 sein. Sie erinnern an jüdische Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt, die während der NS-Zeit entrechtet, verfolgt, in den Suizid getrieben oder deportiert und ermordet wurden.

Die Verlegung reiht sich in eine Serie von Gedenkinitiativen ein, mit denen in Eisenach an die Schicksale jüdischer Familien erinnert wird. In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Stolpersteine an Wohn- und Wirkungsorten ehemaliger jüdischer Bürger verlegt und Biografien in einer eigenen Broschüre dokumentiert. Die nun folgenden vier Steine ergänzen dieses Bild um weitere persönliche Lebensgeschichten.

Quelle: Pressemitteilung vom 29.09.2026
Foto: Stadtverwaltung Eisenach
Veröffentlicht am von , Redakteur

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