ThSV Eisenach holt ersten Auswärtspunkt – Fokus auf Heimspiel gegen Bietigheim
Mit einem 31:31 (13:16) bei der HSG Wetzlar hat der ThSV Eisenach am Montag, 8. September 2026, seinen ersten Auswärtspunkt der neuen Saison eingefahren. Nach einer 9-Tore-Heimpleite gegen HBW Balingen-Weilstetten meldete sich die Mannschaft in der Buderus Arena vor 3.413 Zuschauern kämpferisch zurück. In einer hoch emotionalen Schlussphase sicherten sich die Eisenacher den Zähler und richten den Blick nun auf das Heimspiel am Donnerstag gegen die SG BBM Bietigheim.
Trainer Sebastian Hinze und mehrere Spieler hoben nach der Partie vor allem die Reaktion auf die deutliche Niederlage im vorherigen Heimspiel hervor. „Wir hatten uns nach der Heimspiel-Pleite viel vorgenommen, haben im Hessischen wieder unser Eisenacher Gesicht gezeigt“, sagte Außenspieler Moritz Ende. Rückraumspieler Elias Scholtes sprach von einer „deutlich besseren Abwehr im zweiten als im ersten Abschnitt“ und verwies auf die Steigerung auf der Torwartposition.
In der ersten Halbzeit lief bei den Eisenacher Torhütern wenig zusammen: Das Duo Matija Spikic/Mats Grupe kam vor der Pause auf nur einen gehaltenen Ball, während Wetzlars Keeper Bart Ravensbergen bereits acht Paraden verbuchte. Nach rund 20 Minuten ersetzte Spikic den glücklosen Grupe und steigerte sich nach dem Seitenwechsel deutlich. In der zweiten Halbzeit parierte der 30-jährige Kroate sieben Würfe und stabilisierte damit die Defensive. „Das ist ja auch meine Aufgabe, dafür bin ich Torhüter geworden“, kommentierte Spikic seine Leistung.
Offensiv prägte Spielmacher Felix Aellen die Partie. Der Regisseur führte geschickt Regie, traf neunmal bei elf Versuchen und verwandelte in der Crunchtime einen wichtigen Siebenmeter zum 27:29 (55.). Auf Linksaußen nutzte Neuzugang David More seine Chancen konsequent: Der 21-Jährige, der von den Rhein-Neckar Löwen gekommen ist, erzielte sechs Treffer bei sieben Abschlüssen. Rückraumspieler Dominik Solak suchte immer wieder den Weg aus dem linken Rückraum zum Tor oder setzte seine Mitspieler am Kreis in Szene und markierte kurz vor Schluss den Ausgleich.
Zwischenzeitlich lagen die Eisenacher deutlich zurück. Einen 11:15-Rückstand (28. Minute) wandelten sie, angeführt von Aellen, in eine 20:18-Führung (43.) um. Diese Phasen mit zwei Toren Vorsprung konnten sie jedoch nicht weiter ausbauen, wie Scholtes selbstkritisch einräumte. Beim 27:29 schien ein Auswärtssieg greifbar, doch Wetzlars Trainer Runar Sigtryggsson stellte auf eine 5:1-Abwehr um und brachte mit Doruk Pehlivan frische Kräfte. Die Mittelhessen nutzten die Verunsicherung der Gäste und kamen durch einen Doppelpack von Nikolaj Laesö zum 29:29 (56.).
Die Schlussminuten gerieten zum Nervenspiel. Felix Aellen stürzte schmerzhaft auf den Rücken, Dominik Solak und Jona Schoch prallten zusammen. Einen Ballverlust der Eisenacher nutzte Marti Soler zur 31:30-Führung für Wetzlar (58.). Die rund 150 mitgereisten blau-weißen Fans machten trotz des Montagstermins lautstark Stimmung. Solak wuchtete den Ball zum 31:31 ins Netz, ehe Wetzlar noch einmal die Chance auf den Sieg bekam.
In den letzten Sekunden entschieden die jungen Schiedsrichter Leon und Nico Bärmann auf Zeitspiel gegen die Gastgeber, der vermeintliche 32. Treffer der HSG Wetzlar wurde nicht anerkannt. Die Entscheidung sorgte für großen Unmut bei den Grün-Weißen. Die Eisenacher kamen sieben Sekunden vor Schluss noch einmal in Ballbesitz, der direkte Freiwurf von Peter Walz prallte jedoch an den Kopf von Nikolaj Laeso. Auf dem Weg in die Kabine passierten die Gäste den Fanblock der HSG Wetzlar, blieben aber ruhig und ließen sich nicht provozieren.
ThSV-Coach Sebastian Hinze lobte nach dem Abpfiff die Einstellung seiner Mannschaft. Er verwies auf die verbesserte Abwehr mit einer guten Helferkette im zweiten Abschnitt und darauf, dass offensiv vieles von dem umgesetzt worden sei, was sich das Team vorgenommen hatte. „Einstellung und Energie waren sehr gut“, bilanzierte er. Maik Nowak, Sportlicher Leiter des ThSV, sprach von einer Eisenacher Mannschaft, wie man sie sich wünsche, und sah das Unentschieden als leistungsgerecht an, da die Partie in der Crunchtime in beide Richtungen hätte kippen können.
Auf Seiten der HSG Wetzlar sprach Trainer Runar Sigtryggsson von einem „erwartet engen Spiel“ und ärgerte sich über fehlerhafte Entscheidungen seiner Mannschaft im Angriff zu Beginn der zweiten Halbzeit. Geschäftsführer Michael Allendorfer hob die Leistung des jungen Paul Kompenhans hervor, der im Sommer vom TV Hüttenberg gekommen war.
Für zusätzliche Brisanz sorgte der Einspruch der HSG Wetzlar gegen die Wertung des Spiels. Der Club bemängelt, dass das Vorwarnzeichen für passives Spiel erst angezeigt worden sei, nachdem der Ball die Hand von Petter Överby verlassen hatte, und dieser Pass daher nicht in die Passzählung hätte einfließen dürfen. Außerdem kritisiert Wetzlar, dass die Möglichkeit eines Videobeweises in dieser Szene nicht genutzt worden sei. Die Referees hatten den letzten Wurfversuch der Hausherren abgepfiffen. Allendorfer begründete den Einspruch damit, dass man gegenüber der eigenen Mannschaft nichts unversucht lassen wolle. Da es sich um eine Tatsachenentscheidung handelt und mit Jutta Ehrmann die Schiedsrichter-Chefin als technische Delegierte an der Seite von Zeitnehmer und Sekretär saß, gelten die Erfolgsaussichten des Einspruchs jedoch als gering.
Unabhängig vom Verfahren richtet der ThSV den Fokus auf das kommende Heimspiel. „Am Donnerstag, im Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim, wollen wir den ersten Sieg einfahren“, betonte Elias Scholtes. Anwurf gegen den Aufsteiger ist bereits um 19.00 Uhr in der Werner-Aßmann-Halle. Eintrittskarten sind vorab online über den Verein sowie am Spieltag an der Abendkasse erhältlich.
Für Fans aus Eisenach und dem Wartburgkreis ist die Partie gegen Bietigheim eine frühe Gelegenheit, die Reaktion der Mannschaft auf den Punktgewinn in Wetzlar live zu erleben – und vielleicht den ersten doppelten Punktgewinn der Saison in der heimischen Halle zu feiern.
Quelle: Pressemitteilung vom 08.09.2026
Veröffentlicht am 08.09.2026 12:01 von Christian Wolf, Redakteur
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