02.11.2026

ThSV Eisenach schockt Füchse Berlin eine Halbzeit lang – am Ende fehlt die Kaltschnäuzigkeit

Der ThSV Eisenach hat am Sonntag, 02. November 2026, den Pokalsieger Füchse Berlin in der ausverkauften Werner-Aßmann-Halle über weite Strecken an den Rand einer Niederlage gebracht. Zur Pause führten die Wartburgstädter mit 16:10, am Ende setzte sich der Favorit aus der Hauptstadt jedoch mit 32:29 durch. Matchwinner war einmal mehr Welthandballer Mathias Gidsel, der mit 12 Treffern und zahlreichen Torbeteiligungen den Unterschied ausmachte.

Von Beginn an zeigte Eisenach, dass es sich vor einem Spitzenteam der Liga nicht versteckt. Nach ausgeglichener Anfangsphase drehten die Gastgeber im ersten Durchgang auf und legten einen 8:1-Lauf vom 6:7 (16.) zum 14:8 (27.) hin. Die Abwehr rührte Beton an, jeder gewonnene Zweikampf wurde auf dem Feld und auf den Rängen frenetisch gefeiert. „Mega geil, überragend die Abwehr“, brachte Füchse-Trainer Nicolej Krickau die Dominanz der Eisenacher Defensive in dieser Phase auf den Punkt.

Offensiv glänzten vor allem Felix Aellen und Stephan Seitz. Aellen traf bei sechs Würfen sechsmal, Seitz kam bis zur Pause auf fünf Tore bei sechs Versuchen. Auch defensiv stellten sich die Eisenacher mit großer Leidenschaft entgegen: Dominik Solak und Kapitän Peter Walz nahmen Gidsel im ersten Abschnitt weitgehend aus dem Spiel, der dänische Rückraumstar traf vor der Pause nur dreimal bei sieben Versuchen. „Das Momentum lag auf unserer Seite, sehr gut unsere Unterzahl-Abwehr. Im Angriff bewahrten wir Ruhe und nutzten Ballverluste der Füchse“, bilanzierte ThSV-Coach Sebastian Hinze. Walz sprach von der „besten Halbzeit der Saison“.

Mit der klaren 16:10-Führung im Rücken ging es in die Kabinen. Auf Berliner Seite herrschte trotz des Rückstands keine Hektik. „Wir besprachen in der Halbzeitpause ganz ruhig unser Vorhaben für den zweiten Abschnitt, waren sicher im Gefühl, die Partie noch zu drehen“, berichtete Nicolej Krickau. Die Füchse wechselten im Tor: Für Routinier Andreas Palicka stand nun Lasse Ludwig zwischen den Pfosten.

Der ThSV kam zunächst ebenso konzentriert aus der Pause zurück. Walz erhöhte per Nachwurf auf 19:12 (35.), kurz darauf traf Seitz zum 20:14 (36.). Auch ein Siebenmeter von Berlins Tim Freihöfer landete nicht im Ziel: ThSV-Schlussmann Mats Grupe parierte beim Stand von 20:14 (37.). Über die Außenpositionen hielten Moritz Ende und David Móré den Vorsprung beim 22:16 (41.) stabil. „Der Start in die zweite Halbzeit gelang uns gut“, stellte Walz fest.

Dann kippte die Partie. Die Füchse stellten ihre Abwehr offensiver ein, setzten Eisenach früh unter Druck und provozierten Fehler. Gleichzeitig lief Gidsel heiß. Der Welthandballer war nun kaum noch zu stoppen, traf aus dem Rückraum, im Eins-gegen-eins und mehrfach ins verwaiste Eisenacher Tor, wenn der ThSV den Torhüter für einen zusätzlichen Feldspieler herausnahm. „Unsere offensive Abwehr war der Schlüssel zum Erfolg, im Angriff spielten wir nun clever“, erklärte Krickau.

Innerhalb von fünf Minuten schmolz der Sechs-Tore-Vorsprung dahin. Matthes Langhoff glich beim 22:22 (46.) erstmals wieder aus. Eisenach stemmte sich dagegen: Aellen brachte sein Team mit Treffern zum 23:22 (46.) und 24:23 (48.) erneut in Führung. Doch beim 24:25 (50.) lagen die Gäste erstmals seit der Anfangsphase wieder vorn. Seitz (25:25/52.) und Vukasin Antonijevic (26:26/53.) sorgten noch zweimal für den Ausgleich, ehe die Berliner die Fehler der Hausherren eiskalt bestraften.

Wieder war es Gidsel, der mit einem Doppelpack zum 28:26 (53.) die Weichen stellte. Zwar verkürzte David Móré noch einmal auf 27:28 (54.), doch der dänische Rückraumspieler legte erneut nach und traf zum 30:27 (56.). Dass die Füchse erst in der 56. Minute ihre erste Zeitstrafe hinnehmen mussten und Tobias Grøndahl kurz vor Schluss einen Siebenmeter neben das Tor setzte, brachte den Favoriten nicht mehr aus dem Konzept. Der Jubel der Berliner nach der Schlusssirene zeigte, wie hart erkämpft der Auswärtssieg war.

Beide Teams kamen am Ende auf eine Wurfquote von 67 Prozent. Den Eisenachern unterliefen 11 technische Fehler, Berlin leistete sich 8 Ballverluste. „Nach einer solch perfekten ersten Halbzeit ist es bitter, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Die offensive Deckung der Füchse Berlin bereitete uns erhebliche Probleme, führte letztendlich zur 3-Tore-Niederlage. Mit etwas Abstand sollten wir etliche positive Dinge mitnehmen“, sagte ThSV-Keeper Mats Grupe. Trainer Sebastian Hinze setzte einen ähnlichen Akzent: Die Niederlage sei schmerzhaft, biete aber viel Lernstoff für die kommenden Aufgaben. Die Mannschaft wurde trotz des Ergebnisses mit stehenden Ovationen verabschiedet.

Die Partie bildete zugleich den Auftakt in eine kurze Länderspielpause der Opel Handball-Bundesliga. Für mehrere Eisenacher Spieler geht es in den nächsten Tagen mit ihren Nationalteams weiter. Linksaußen David Móré erhielt erstmals eine Einladung zur deutschen A-Nationalmannschaft. Neben ihm reisen Dominik Solak, Matija Spikic und Felix Aellen zu ihren Auswahlteams, Oskar Joelsson und Felix Montebovi sind für ihre B-Nationalmannschaften nominiert. Torwarttrainer Stanislaw Gorobtschuk unterstützt die deutsche U17-Auswahl.

Für die Fans bedeutet die Pause eine kurze Verschnaufpause nach einem emotionalen Heimspiel, in dem der Aufsteiger erneut gezeigt hat, dass er auch gegen internationale Topbesetzung über weite Strecken mithalten kann. Nach der Rückkehr aus den Nationalmannschaften wartet auf den ThSV der nächste Abschnitt im Kampf um wichtige Bundesligapunkte.

Statistik: ThSV Eisenach – Füchse Berlin 29:32 (16:10)

ThSV Eisenach: Spikic (1.–43. und 55.–60./ 6 Paraden – 22 Gegentore), Grupe (bei 2 Siebenmetern und 43.–55./ 2 Paraden – 10 Gegentore); Scholtes (1), Attenhofern (1), Walz (2), Móré (3), Ende (2), Aellen (10/3), Solak (2), Antonijevic (1), Seitz (7), Kurch, Schneibel, Montebovi, Leu. Trainer: Sebastian Hinze.

Füchse Berlin: Ludwig (26.–60./ 7 Paraden – 16 Gegentore), Palicka (1.–26./ 4 Paraden – 13 Gegentore); Darj (1), Grøndahl (4/1), Gidsel (12), Freihöfer (5/3), Langhoff (7), Zaepfel (1), av Teigum (1), Marsenić (1). Trainer: Nicolej Krickau.

Siebenmeter: ThSV Eisenach 3/3; Füchse Berlin 4/6 – Freihöfer scheitert beim Stand von 20:14 an Grupe (37.), Grøndahl wirft beim Stand von 27:30 vorbei (57.).

Zeitstrafen: ThSV Eisenach 6 x 2 Minuten (Leu 6./52., Walz 12., Seitz 25./44., Attenhofern 37.); Füchse Berlin 2 x 2 Minuten (Langhoff 56./59.).

Zuschauer: 2.850 (ausverkauft).

Quelle: ThSV vom 02.11.2026
Veröffentlicht am von , Redakteur

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