14.10.2026

Vom Fürstenhof bis „Emma“: Neues Buch erzählt Eisenachs dunkle Geschichten

Am 14. Oktober 2026 ist im Wartberg Verlag der Band „Dunkle Geschichten aus Eisenach“ erschienen. Auf 80 Seiten erzählt der frühere Leiter des Eisenacher Stadtarchivs, Christopher Launert, 16 Geschichten aus der Stadt, die abseits von Wartburg, Luther und Bach weniger bekannt sind. Sie reichen zeitlich vom 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Unter anderem geht Launert der Frage nach, was es mit dem verfluchten Jungfernloch auf sich hat, warum es in Eisenach einen schwarzen Brunnen gibt und welche Schätze in der Alten Mälzerei liegen. Das Jungfernloch ist eine kleine Felshöhle rund 500 Meter südlich der Wartburg. Die Sage von der eitlen Jungfrau, die dort verflucht umgehen soll, ist erstmals in einer Eisenacher Sagensammlung von 1795 belegt und wurde später unter anderem von Ludwig Bechstein nacherzählt.

Launert wurde in Eisenach geboren. Ab 2008 arbeitete er im Stadtarchiv, von 2018 bis 2022 leitete er es. Im Wartberg Verlag hat er bereits die Bildbände „Eisenach – Gestern / Heute“ mit der Fotografin Inka Lotz und „Eisenach – Fotografien aus den 80er-Jahren“ veröffentlicht.

Vom Kurhotel bis zum KZ-Außenlager: Worum es in den ersten Kapiteln geht

Gleich das erste Kapitel erzählt, wie Eisenach Kurstadt werden wollte. Im Mai 1902 eröffnete im Südviertel das Hotel Fürstenhof, dessen Festsaal laut Launert rund 1.800 Gäste fasste. 1906 kam im Kartausgarten die Trink- und Wandelhalle des Dresdner Architekten Johannes Bollert hinzu. Das Heilwasser stammte aus der Großherzogin-Karolinen-Quelle bei Creuzburg und floss durch eine rund 14 Kilometer lange Leitung in die Stadt. 1938 endete der Kurbetrieb, 1996 schloss das Hotel endgültig.

Das Kapitel endet mit dem Urteil des Verwaltungsgerichts Meiningen von 2021, das den Abriss des teils eingestürzten Gebäudes erlaubte. Inzwischen ist die Geschichte weitergegangen. Seit März 2026 wird der Fürstenhof abgerissen, der Eigentümer plant auf dem Areal Villen und Wohnhäuser. Der Band kommt damit im selben Jahr heraus, in dem Eisenachs bekanntester Lost Place aus dem Stadtbild verschwindet.

Ernster wird es im zweiten Kapitel. Launert schildert das KZ-Außenlager „Emma“, das zwischen 1944 und 1945 auf dem Gelände des BMW-Flugmotorenwerks am Dürrerhof bestand. Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald mussten dort für die Rüstungsproduktion arbeiten. Der Autor beschreibt auch, wie lange das Lager nach dem Krieg verdrängt wurde. Erst Jahrzehnte später rekonstruierte die Eisenacher Historikerin Jessica Elsner seine Geschichte, 2006 entstand am früheren Standort eine Gedenkstele. Seitdem erinnern Gedenkveranstaltungen an die Opfer, zuletzt im April 2026. Auch das Projekt „Widerstand – Hörgeschichten aus Thüringen“ greift die Zwangsarbeit in Eisenach auf.

Das dritte Kapitel wählt eine andere Form. In einem fiktiven Brief berichtet ein Eisenacher seiner Schwester von den Luftangriffen auf die Stadt zwischen Februar 1944 und Februar 1945, von zerstörten Wohnhäusern, Schäden an Bachhaus und Lutherhaus und dem getroffenen Rathaus. Ein kurzer Sachteil führt danach bis zum Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945.

Im Vorwort stellt Launert klar, dass er keine Sammlung von Gruselgeschichten vorlegt. Es geht ihm um Ereignisse, die das Leben von Menschen in Eisenach verändert haben und deren Spuren bis heute sichtbar sind, manchmal offen, manchmal hinter alltäglichen Orten verborgen. Neben Krieg und Verfolgung geht es um Nachtwächter vergangener Jahrhunderte, alte Sagen, gescheiterte Bauprojekte und verschwundene Orte. Das Buch richtet sich an Eisenacherinnen und Eisenacher ebenso wie an Gäste, die die Stadt jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten kennenlernen wollen.

„Dunkle Geschichten aus Eisenach. Schön & Schaurig“ von Christopher Launert erscheint in der Reihe „Dunkle Geschichten“ des Wartberg Verlags, in der es bereits Bände zu zahlreichen anderen Städten und zu Thüringen gibt. Das Buch hat 80 Seiten mit zahlreichen Fotos, kostet 12,90 Euro und ist unter der ISBN 978-3-8313-3641-8 im Buchhandel erhältlich.

Quelle: Pressemitteilung Wartberg Verlag vom 14.10.2026
Cover-Bild: Wartberg Verlag
Veröffentlicht am von , Redakteur

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